34. Predigt – Vor dem Kampf gegen die Syrer

(Diese Predigt wurde gehalten) als er die Menschen zum Kampf aufrief gegen die Syrer[1], nachdem er die Charidschiten bekämpft hatte, und darin (drückt er seine) Abscheu gegen die Leute aus und rät ihnen zum rechten Weg.

Abscheu gegen die Leute

Schande[2] über euch! Ich bin es müde, euch zu tadeln. Seid ihr zufrieden mit dem diesseitigen Leben anstelle des Jenseits und mit der Demütigung im Gegensatz zur Ehre? Wenn ich euch zur Anstrengung [dschihad] gegen euren Gegner aufrufe, verdrehen sich eure Augen, als ob ihr in den Klauen des Todes wärt oder in der Betäubung der Todespein. Meine Reden bleiben vor euch verschlossen, und ihr irrt umher, so als ob eure Herzen mit Wahnsinn geschlagen wären und ihr keinen Verstand hättet. Ihr habt nicht mein Vertrauen in meinen unruhigen Nächten, und ihr seid auch keine Säule für mich, an die man sich anlehnen könnte, noch ein Mittel zur Ehre, dessen man bedarf. Ihr seid nichts weiter als Kamele, deren Hirten umherirren, und die immer, wenn sie von einer Seite zusammengesammelt werden, sich auf der anderen (wieder) zerstreuen. Wie schlecht seid ihr fürwahr – bei Allah – um die Flamme des Krieges zu entfachen! Gegen eure Grenzen wird zu Felde gezogen, und ihr empfindet keinen Unwillen darüber. Die, die gegen euch sind, schlafen nicht, wogegen ihr nachlässig und unachtsam seid. Bei Allah, die Schlaffen werden besiegt! Und ich schwöre bei Allah, dass ich über euch denke, dass ihr, wenn der Tumult losbricht und der Tod angeheizt wird, von Ibn Abi Talib[3] weg springen werdet, wie der Kopf (vom Rumpf eines Geköpften) weg springt.

Bei Allah, wenn ein Mensch seinem Feind ermöglicht, ihm sein Fleisch vom Leib zu reißen, seine Knochen zu zerschmettern und seine Haut in Stücke zu schneiden, dann ist seine Hilflosigkeit wahrhaftig groß, und sein Herz, das von den Seiten seiner Brust umgeben wird, ist schwach. So magst du so werden, wenn du willst. Doch was mich betrifft, bei Allah, bevor ich das zulasse, werde ich mit (dem Schwert) al-Maschrafiyya[4] zuschlagen, was unter die Schädelknochen schneidet und Arme und Füße hinwegsprengt. Und Allah wird danach tun, was Er will.

Der rechte Weg

Ihr Menschen, ich habe ein Recht über euch, und ihr habt ein Recht über mich: Was euer Recht über mich angeht, so (besteht es darin), dass ich euch Ratschläge gebe und euch euren Anteil am Gewinn voll auszahle, sowie euch lehre, auf dass ihr nicht unwissend seid und euch gutes Verhalten beibringe, auf dass ihr danach handelt. Was mein Recht über euch betrifft, so (besteht es darin, dass) ihr euren Treueid haltet, Aufrichtigkeit in (meiner) An- und Abwesenheit (zeigt), dass ihr antwortet, wenn ich euch rufe, und mir gehorsam seid, wenn ich euch befehle.

Erläuterung

Das Wort, das hier für Syrien gebracht wird, „Schaam“, war der gebräuchliche Name für das ausgedehnte Gebiet, welches das heutige Syrien, den Libanon und Palästina einschloss, und dessen Hauptstadt Damaskus war. Wenn in diesem Buch das Wort „Syrien“ erwähnt wird, dann muss es in dieser erweiterten Bedeutung verstanden werden. Wenn Imam Ali (a.) davon spricht, dass er gegen „die Syrer“ zu Felde zieht, dann sind damit das dortige Herrschaftssystem unter Muawiya und dessen Söldner gemeint.

Das Gleichnis mit dem Kopf des Geköpften wird in dem Sinne verwendet, dass etwas abgetrennt wird, ohne dass es jegliche Chance gibt, es wieder zu verbinden.

 [1] Gemeint sind die Anhängerschaft bzw. Truppen Muawiyas

 [2] Wörtlich „Pfui“

 [3] Imam Ali (a.) bezeichnet sich hier selbst als Sohn [ibn] von Abu Talib auch um seinen Vater zu ehren und der Propaganda gegen dessen Person entgegen zu wirken.

 [4] Besonders wirkungsvolle Schwerter von dem Ort „Mascharif“ bei „Rif“

 

 

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