Erfolgreiche Frömmigkeit und Frömmigkeit als Mittel zum Erfolg
Es ist ein wichtiger Punkt in der islamischen Lehre, der beachtet werden muss, dass die Gebete, Ergebenheit, Anbetungen und alle guten Taten der Unterstützung Gottes bedürfen. Wenngleich also das Ergebnis der Anbetungen, Gebete und guten Taten Erfolg für den Menschen bringt, so hängt dieser Erfolg des Menschen letztlich doch von der Erhabenheit Gottes ab. Aus diesem Grund wird oft gesagt, dass aller Erfolg von Gott kommt.
In Sure Hud wird von Hazrate Schu’aib (a.s.) berichtet, dass er sagte, dass er der Unterstützung bedarf, um sein Volk retten zu können. Aus diesem Grund heißt es im Bittgebet für den Tag von Arafa oder den fünfzehn Anrufungen von Imam Zaynu-l-þÀbidÍn (a.s.), dass bereits die Möglichkeit, Gott für Seine Gnaden zu danken, und der Versuch, sich bei Gott zu bedanken für den Gläubigen bereits ein Erfolg ist, auch wenn das Gewünschte vielleicht ausbleibt. Aus diesem Grund bedingt jeder Erfolg die Dankbarkeit Gott gegenüber, und diese Dankbarkeit allein ist wie bereits erwähnt ein Erfolg. Dem Menschen soll bewusst sein, dass er sich in Wahrheit für die Gnaden und Segnungen Gottes bedankt, und wenn ihm das nicht bewusst ist, ist er in der Tat ein armer Mensch. „Deine Segnungen sind reichlich Meine Zunge ist zu schwach, sie aufzuzählen! Deine Gunsterweise sind viele, mein Verstand vermag sie nicht zu erfassen, geschweige denn sie zu erschöpfen! Wie kann ich also Dankbarkeit erreichen? Denn mein Dank für Dich erfordert Dankbarkeit.“ heißt es in der Anrufung der Dankbaren.
Wir sehen Menschen, die Geld besitzen oder reich sind, aber sie haben keinen Erfolg, den sie auch wirklich nutzen. Andere hingegen haben weniger Geld, aber sie sind erfolgreich in dem Sinne, dass sie das wenige, was sie haben, für gute Taten nutzen. Im Zusammenwirken von Gottesfurcht und Frömmigkeit verhält es sich ebenso. Die Gottesfurcht ist eine Gnade Gottes, und damit diese gute Tat in uns geweckt wird, bedürfen wir der Unterstützung Gottes, wenngleich derjenige, der gottesfürchtig ist, in der Regel auch fromm ist.
Imam Ali (a.s.) hat in einer seiner Ansprachen (Nahºu-l-BalÁ™Á, Ansprache 191) die Gottesfurcht mit sehr schönen Worten beschrieben. Er sagte:
„O ihr Diener Gottes! Ich rate euch zur Gottesfurcht, denn es ein Recht, das Gott euch gegenüber hat, und ihr sollt Gott um Erfolg in der Frömmigkeit bitten. Gewiss ist die Zufriedenheit Gottes für heute ein Schutz, und für morgen ist es der Weg zum Paradies. Dieser Weg der Gottesfurcht ist klar und deutlich, und wer diesen Weg beschreitet, ist der Erfolgreiche und Fromme… Die wahrhaft frommen Menschen sind von geringer Zahl, und das sind diejenigen Menschen, die der Beschreibung Gottes, des Gepriesenen, entsprechen, wenn Er sagt: ‚…Und nur wenige von Meinen Dienern sind dankbar.’“
Bei dieser Ansprache ist besonders beachtenswert, dass wir für den Erfolg Gott um Hilfe bitten, und dass wir für die Praktizierung der Befehle Gottes Unterstützung erhalten von unserer eigenen Gottesfurcht. Die beste Furcht ist die Gottesfurcht, die uns immer das Gefühl verleiht, in der unmittelbaren Gegenwart Gottes zu sein. Diese Art der Frömmigkeit, Gottesfurcht und Höflichkeit Gott gegenüber ist ein großer Erfolg im Leben, der uns von Seiten Gottes zuteil werden kann. Für unseren Erfolg sollen wir stets die Hilfe Gottes erwarten. Wer diese Frömmigkeit nicht hat, bleibt der Gnade Gottes fern.
In unserer Diskussion über die Toleranz und ihre verschiedenen Aspekte haben wir zuletzt die Toleranz innerhalb der Familie, gegenüber Andersdenkenden und auch im Rahmen des innerreligiösen und interreligiösen Meinungsaustausches erörtert. Heute soll die negative oder schädliche Toleranz unser Thema sein.
Schädliche Toleranz
Es wurde bereits festgestellt, dass die islamischen Überlieferungen uns Toleranz empfehlen, und wir gegenüber Familienmitgliedern, gleich ob sie der nahen oder weiteren Verwandtschaft angehören, ungeachtet ihrer jeweiligen Meinung Toleranz üben. Dieser allgemeine Grundsatz kennt jedoch bestimmte Ausnahmen. Der wichtigste Sonderfall ist dann gegeben, wenn die Wahrheit versteckt wird, und in einem solchen Fall ist Toleranz nicht angebracht und falsch. Der Gesandte Gottes (s.a.s.) sagte:
„Der Gipfel von Weisheit und Vernunft ist nach dem Glauben die Toleranz gegenüber allen Menschen ausgenommen in dem Fall, in dem der Wahrheit geschadet wird.“ (Bi½Áru-l-AnwÁr, Bd. 77, S. 147).
Von Imam Ali (a.s.) ist folgender Ausspruch überliefert:
„In dem Moment, in dem die Wahrheit erkannt wurde, darf man nicht mehr tolerant sein, weil das Verstecken der Wahrheit dazu führt, dass man große Schäden ertragen muss.“ (Bi½Áru-l-AnwÁr, Bd. 77, S. 291).
Im Leben des Propheten (s.a.s.) sehen wird, dass immer dann, wenn es um die Rechte der Menschen oder die Rechte Gottes ging, er niemals Toleranz geübt hat, wenn dadurch die Wahrheit verborgen geblieben wäre. Dieses Verhalten hat der Prophet, der das Symbol von Barmherzigkeit und Gnade ist, bei vielen Gelegenheiten gezeigt. Als in Chaybar ein Muslim von einem Schuss getroffen wurde und die Ursache dieses tödlichen Schusses nicht klar war, und alle anwesenden Muslime sagten, dass er das Paradies verdient habe und das Paradies auf ihn warte, wandte der Prophet ein, dass er nicht sicher sei, ob dieser Tote ins Paradies eingehen werde, weil er ein Gewand getragen hatte, das zum öffentlichen Gemeinschaftsbesitz (bayt al-mÁl) gehörte. Aus diesem Grund lehnte der Prophet (s.a.s.) es ab, an seinem Leichnam zu beten.
Auch Imam Ali (a.s.), der die Erziehung des Propheten (s.a.s.) genossen hatte, verhielt sich so. Ein historisches Beispiel, dass dies belegt, sehen wir, als er vom Propheten beauftragt wurde, in den Jemen zu reisen. Bei der Rückkehr gaben die Jemeniter den islamischen Gesandten Seidenstoffe zur Abgeltung ihrer Steuer mit. Unterwegs übertrug Imam Ali die Verantwortung für diese Gruppe einem anderen, weil er zwischenzeitlich erfahren hatte, dass der Prophet (s.a.s.) die Pilgerfahrt verrichten wolle, und er selbst den Propheten dabei begleiten wollte. Nachdem er mit dem Propheten (s.a.s.) gesprochen hatte, bekam er den Befehl, wieder zu seiner Gruppe zurückzukehren und diese nach Mekka zurückzubringen. Als der Imam wieder zu seinen Leuten zurückgekehrt war, stellte er fest, dass sie zwischenzeitlich die Seidenstoffe unter sich aufgeteilt und sich Gewänder daraus gemacht hatten. Daraufhin befahl Imam Ali (a.s.), diese Gewänder und Stoffe allesamt einzusammeln. Nach Mekka zurückgehrt, beschwerten sich einige dieser Männer beim Propheten (s.a.s.) über die Vorgehensweise Imam Alis. Darauf sagte der Prophet:
„Es steht euch nicht zu, euch über Ali zu beschweren, weil er die Anweisungen Gottes sehr ernst nimmt.“(Bi½Áru-l-AnwÁr, Bd. 21, S. 385).
Der Prophet (s.a.s) selbst handelte auch nicht anders. Nach den Ereignissen in Tabuk im neunten Jahr nach der Auswanderung der Muslime von Mekka nach Medina, kamen einige Leute vom Stamm der ¼awazan zum Propheten (s.a.s.) und sagten, sie würden den Islam akzeptieren, aber nur unter der Bedingung, dass sie das Gebet nicht verrichten müssen. Das lehnte der Prophet (s.a.s.) ab und sagte:
„Es liegt kein Nutzen im Glauben ohne Gebet.“ (S. Ibn HiÊÁm, Bd. 4, S. 185).
Wer den Islam annimmt und akzeptiert, aber das Gebet nicht verrichtet, begeht eine Sünde. Er gleicht jemanden, der zwar weiß, dass Lügen eine schlechte Tat ist, aber dennoch lügt. Allerdings besteht ein Unterschied, ob jemand grundsätzlich verlangt, dass das Gebet als göttliches Gebot vom Glauben ausgenommen wird.
Abschließend gelangen wir zu dem Ergebnis, dass man die Recht Gottes wie auch die Rechte der Menschen beachten und praktizieren muss, und in diesem Bereich gibt es keine Toleranz. Toleranz und Nachsicht sind nicht angebracht, sondern vielmehr schlecht, wenn sie das Recht von jemandem schädigen.
Die Erörterung dieses Themas werden wir, so Gott will, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit fortführen. Gott möge uns eine Kenntnis gewähren, die uns unsere eigenen Rechte und die Rechte der anderen kennen lässt.
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