Ausgleich finden: Leben zwischen Stress und Entspannung

Dauerstress führt zu äußerlichen und innerlichen Verspannungen und langfristig zu Krankheiten. Ein paar einfache Übungen sollen dabei helfen, Muskeln zu entspannen und die Atmung und die Sauerstoffzufuhr zu verbessern.

Was ist Stress?

Stress ist nicht anderes als Anspannung - der Körper steht in gewisser Weise unter Strom. Stress als Belastung und Anspannung des ganzen Organismus ist die Ursache zahlreicher Erkrankungen. In Deutschland schätzt man die durch Stress verursachten jährlichen Kosten für medizinische Behandlung, Fehlzeiten am Arbeitsplatz und Produktionsausfälle auf 30 Milliarden Euro. Doch Stress ist auch wichtig, denn er spornt zu Höchstleistungen an. Schon dem Urmenschen in der Wildnis hat er das Leben gerettet, und er sorgt dafür, dass wir über Stunden hinweg leistungsfähig sind und komplizierte geistige Aufgaben sowie körperliche Anstrengungen scheinbar mühelos bewältigen. In Stresssituationen werden verschiedene Mechanismen im Körper in Gang gesetzt: Hormone wie Adrenalin werden in die Blutbahn ausgeschüttet. Diese Hormone sorgen dafür, dass sich der Herzschlag beschleunigt, der Puls verstärkt und die Muskeln stärker durchblutet werden. Reichlich Energie wird so mobilisiert und die Blutgerinnung gesteigert. Alle Vorgänge im Körper hingegen, die im Augenblick nicht überlebenswichtig sind, werden auf Sparflamme geschaltet: Die Temperatur sinkt, die Verdauung verläuft langsamer und Triebe wie Hunger und sexuelle Lust werden gehemmt. Ist der Stressreiz auf den Organismus abgeklungen, tritt für den Körper die Erholung ein.

Richtig atmen

Dauerstress aber, ein Problem vieler Menschen heute, schwächt das Immunsystem und kann zu Schlaflosigkeit, Magengeschwüren oder Bluthochdruck führen, oder schlimmer noch zu Diabetes und Herzinfarkt. In Ihrem Buch "Risiko Herz" empfiehlt Barbara Spachtholz u.a. eine einfache Übung:
  • Atmung beobachten: Die meisten Menschen sinken beim Ausatmen etwas zusammen, doch so wird der Energiefluss gehemmt. Das Ausatmen aber sollte aufrichten. Das Einatmen hilft dabei, sich zu sammeln, denn beim Einatmen empfängt man etwas.
  • Man sollte eigentlich immer durch die Nase einatmen. Das Ausatmen erfolgt durch den Mund; wenn es geht, mit einem Lippenlaut. Diese Methode gibt der Lunge die optimale Menge an Luft.
  • Hauchatmung: Damit bekommt man einen tiefen und ruhigen Atemrhythmus. Man haucht langsam in die Handfläche, als wollte man sie anfeuchten. Nun wird wieder durch die Nase eingeatmet. Diese Übung wiederholen, bis die Hand ganz warm geworden ist.
Lachen und Gähnen, Singen etc. sind sicherlich die allerbesten Atemübungen!

Zwischendurch entspannen

So oft es geht sollte man seine Arbeitsposition wechseln: mal im Sitzen, mal im Stehen, mal im Liegen - das gute alte Stehpult findet sich übrigens wieder häufiger in Büros. Telefonate kann man im Stehen führen, Lesen im Liegen entlastet die Bandscheiben. Einen verspannten Nacken haben alle, die viel Auto fahren und zu lange am Computer sitzen. Sehr hilfreich ist es, die Schultern vier Sekunden in die Höhe zu heben und das Ganze drei Mal zu wiederholen. Ruhige Musik beim Autofahren verlangsamt übrigens den Puls und fördert die innere Ruhe. Einige Grundbewegungen wie Schütteln, Schwingen, Schaukeln, Kreisen, Drehen, Balancieren sind Bewegungen fürs Wohlbefinden, die sich auch im Büro gut zwischendurch einbauen lassen. So regt man den Körper an, entspannt und regeneriert. Außerdem wird so mehr Sauerstoff aufgenommen. Da das Gehirn nur drei Prozent der Körpermasse ausmacht, aber 20 Prozent des Sauerstoffs verbraucht, ist jede Form von Bewegung so enorm wichtig. Sowohl die Sauerstoffversorgung als auch die Kohlendioxidabfuhr im Gehirn werden erheblich verbessert. Das Gehirn wird besser durchblutet und leistungsfähiger.

90-Sekunden-Entspannung

In seinem Buch "Die 90 Sekunden Pause" beschreibt der Autor Rolf Herkert ein Kurzprogramm zur schnellen Entspannung. Die Übungen können im Liegen oder Sitzen ausgeführt werden. 1. Man verschränkt die Hände hinter dem Kopf und drückt die Ellbogen weit nach hinten. 2. Man streckt die Beine aus und spannt gleichzeitig alle Muskeln fest an. Die Zehenspitzen zeigen dabei nach vorn. 3. Man spannt die Bauchmuskeln stark an und spürt die Kraft. Nun die Luft anhalten und bis sieben zählen. 4. Während man sanft ausatmet lockern sich alle Muskeln. 5. Man spürt dieser Entspannung eine Weile nach. 6. Jetzt streckt und dehnt man sich wie ein Katze, dabei ausgiebig gähnen. 7. Nun verwandelt sich die Katze in ein "dynamisches Raubtier". Man denkt oder sagt laut: "Ich bin voller Energie, konzentriert und gelassen!" (bo)
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