Sure Al Ma'idah (Tisch) Verse 15- 17

Wir setzen die Kurzexegese der Sure 5, Sure Al Ma'idah, fort und beginnen mit einer Übersetzung des 15. Verses dieser Sure: (5: 15- 17)

يَا أَهْلَ الْكِتَابِ قَدْ جَاءَكُمْ رَسُولُنَا يُبَيِّنُ لَكُمْ كَثِيرًا مِّمَّا كُنتُمْ تُخْفُونَ مِنَ الْكِتَابِ وَيَعْفُو عَن كَثِيرٍ ۚ قَدْ جَاءَكُم مِّنَ اللَّـهِ نُورٌ وَكِتَابٌ مُّبِينٌ
„Ihr Leute der Schrift! Unser Gesandter ist nunmehr zu euch gekommen, um euch vieles von der Schrift klar zu machen, was ihr (bisher) geheim gehalten habt, während er (gleichzeitig) gegen vieles nachsichtig ist (und es auf sich beruhen lässt). Ein Licht und eine offenkundige Schrift sind von Gott zu euch gekommen." (5: 15) 

Im letzten Teil haben wir Verse betrachtet, die an die Feinde der Religion der Juden und Christen gerichtet waren und in denen es hieß: Warum habt ihr die Heilige Schrift verfälscht oder Teile davon weggelassen? Habt ihr denn euer Versprechen gegenüber Gott vergessen?
In Vers 15 der Sure 5 heißt es nun: Ihr seid die Schriftbesitzer und mit den Zeichen Gottes vertraut. So glaubt an den Propheten des Islam, der wie ein Licht ist und dessen Schrift die Wahrheiten offen legt. Jene Wahrheiten nämlich, die in den vorhergehenden Himmelsschriften gestanden haben, aber die ihr versteckt hieltet und nicht offenkundig machen wolltet.
Folgende zwei Punkte entnehmen wir also Vers 15:
Erstens: Der Islam ist eine universale und ewige Religion und lädt die Anhänger der anderen Religionen zu seiner ewigen Schrift, dem Koran, ein.
Zweitens: Die göttlichen Lehren sind Licht und ohne sie ist die Welt dunkel.

Es folgt jetzt die Übersetzung des Verses 16 der Sure Al Ma'idah:

يَهْدِي بِهِ اللَّـهُ مَنِ اتَّبَعَ رِضْوَانَهُ سُبُلَ السَّلَامِ وَيُخْرِجُهُم مِّنَ الظُّلُمَاتِ إِلَى النُّورِ بِإِذْنِهِ وَيَهْدِيهِمْ إِلَىٰ صِرَاطٍ مُّسْتَقِيمٍ
„Gott leitet damit (mit dem Licht und der erleuchteten Schrift) diejenigen, die nach seinem Wohlgefallen streben, auf dem Wege des Friedens und bringt sie - mit seiner Erlaubnis - aus der Finsternis heraus ins Licht und führt sie auf den geraden Weg." (5: 16)

Nachdem zuvor der Koran als erleuchtende Schrift vorgestellt wurde, geht aus Vers 16 der Sure 5 hervor, dass die Rechtleitung von bestimmten Bedingungen abhängt. Eine der wichtigsten dieser Bedingungen ist das Verlangen nach Gott. Derjenige sucht die Rechtleitung durch den Koran, der nicht den eigenen Wünschen folgt und nach Besitz und Macht strebt, sondern stattdessen nur Recht und Wahrheit folgt und Gottes Wohlgefallen finden wird.
Jemand der diese Bedingungen erfüllt, den führt Gott aus dem Dunkel der Sünde und des Abweges heraus und leitet ihn in die erleuchteten Sphären des Glaubens und des rechtschaffenen Handelns. Und diese Rechtleitung ebnet natürlich den Weg für einen gesunden Geist des Menschen, schützt ihn und bringt ihm den Frieden im göttlichen Eden.

Wir entnehmen diesem Vers:
Erstens: Die Erreichung von Frieden und Sicherheit hängt von der Befolgung des Weges Gottes ab. Der Koran ist Vermittler dieses Weges. Über den Koran ist dieses Ziel zu erreichen.
Zweitens: Nur durch die göttlichen Religionen kann die Menschheit ein friedliches Zusammenleben erzielen.
Drittens: Die guten Taten der Menschen sind verschieden, aber wenn ihnen dabei die Absicht zugrunde liegt, Gott zufrieden zustellen, so führen sie alle auf den gleichen Pfad: den geraden Weg.

Der Vers 17 lässt sich wie folgt übersetzen:

لَّقَدْ كَفَرَ الَّذِينَ قَالُوا إِنَّ اللَّـهَ هُوَ الْمَسِيحُ ابْنُ مَرْيَمَ ۚ قُلْ فَمَن يَمْلِكُ مِنَ اللَّـهِ شَيْئًا إِنْ أَرَادَ أَن يُهْلِكَ الْمَسِيحَ ابْنَ مَرْيَمَ وَأُمَّهُ وَمَن فِي الْأَرْضِ جَمِيعًا ۗ وَلِلَّـهِ مُلْكُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ وَمَا بَيْنَهُمَا ۚ يَخْلُقُ مَا يَشَاءُ ۚ وَاللَّـهُ عَلَىٰ كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ
„Ungläubig sind diejenigen, die sagen: ,Gott ist Christus, der Sohn der Maria.` (Prophet!) Sag: Wer würde gegen Gott etwas auszurichten vermögen, falls er Christus, den Sohn der Maria, und seine Mutter und alle, die auf der Erde sind, zugrunde gehen lassen wollte? Gott hat die Herrschaft über Himmel und Erde und (alles) was dazwischen ist. Er schafft, was er will, und hat zu allem die Macht." (5: 17)

Mit dem Vers 17 dieser Sure werden alle Schriftbesitzer eingeladen, den Islam anzunehmen und indirekt wird die Frage gestellt: Warum betrachten die Christen Jesus als Gott und sehen ihn als Teilhaber Gottes an der Schöpfung und dem Ablauf der Dinge?
Jesus wurde doch von Maria auf die Welt gebracht! Wie kann er Gott sein? Und auch Maria ist wie jeder andere Mensch auf die Welt gekommen? Wie kann es sein, dass sie wie ein Gott verehrt und als göttlich betrachtet wird?
Gott hat doch die Macht, sowohl Jesus als auch Maria zu vernichten. Wären sie vernichtbar, wenn sie Gott wären? Welcher Gott ist vernichtbar?
Einen Menschen auf die unermessliche Stufe Gottes zu stellen, bedeutet Gott auf die Stufe eines Menschen herabzusetzen und das ist Gott-Unglauben.
Zum Schluss des Verses 17 der Sure 5 wird darauf hingewiesen, dass Gott absolutes Wissen und absolute Macht besitzt. Jesus und seine Mutter besaßen weder das eine noch das andere. Nur Gott der Schöpfer herrscht über alles, ist zu allem mächtig. Die Göttlichkeit gebührt nur ihm.

Auch bei diesem Vers sind wieder drei Punkte zu merken:
Erstens: Zu den Ansichten des Islam gehört der Kampf gegen jede abwegige und abergläubische Ansicht, die in die früheren himmlischen Religionen eingeschleust wurden. Der Islam will die göttlichen Religionen von diesen Fälschungen reinigen.
Zweitens: Die göttlichen Propheten sind Menschen, so hoch auch ihr Rang sein mag. Sie darüber hinaus zu erheben, verstößt gegen den Geist des Monotheismus.
Drittens: Sollte Jesus Gott sein, wie hätten ihn dann seine Feinde, wie es gemäß christlichem Glauben heißt, kreuzigen können. Kann Gott von seinen Geschöpfen etwas angetan werden?

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