Sure Al Ma'idah (Tisch) Verse 18- 22

Hier nun die Erläuterungen eines weiteren Verses aus der Sure Al Ma'idah, es ist Vers 18 dieser Sure: (5: 18- 22)

وَقَالَتِ الْيَهُودُ وَالنَّصَارَىٰ نَحْنُ أَبْنَاءُ اللَّـهِ وَأَحِبَّاؤُهُ ۚ قُلْ فَلِمَ يُعَذِّبُكُم بِذُنُوبِكُم ۖ بَلْ أَنتُم بَشَرٌ مِّمَّنْ خَلَقَ ۚ يَغْفِرُ لِمَن يَشَاءُ وَيُعَذِّبُ مَن يَشَاءُ ۚ وَلِلَّـهِ مُلْكُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ وَمَا بَيْنَهُمَا ۖ وَإِلَيْهِ الْمَصِيرُ
„Und die Juden und die Christen sagen: ,Wir sind Gottes Söhne und seine Freunde.' Sag: Warum bestraft er euch dann für eure Schuld? Nein! Ihr seid Menschen (wie alle anderen, Menschen) die er geschaffen hat. Er vergibt, wem er will, und bestraft, wen er will. Gott hat die Herrschaft über Himmel und Erde und (alles) was dazwischen ist. Bei ihm wird es (schließlich alles) enden." (5: 18) 

In den vorhergehenden Versen hieß es, dass die Christen Jesus einen Rang einräumen, der über den Menschen liegt, und ihn wie einen Gott betrachten. Dieser Vers weist darauf hin, dass sie nicht nur ihren Propheten über die anderen Propheten stellen, sondern sich selber als besser betrachteen als die Anhänger anderer Religionen und daran glauten, sie seien wie Söhne und Freunde Gottes, welche von der Strafe befreit werden.
Auch die Juden haben eine solche falsche Vorstellung. Aber der Koran erwidert ihnen am Beispiel von Jesus: Jesus war ein Mensch wie die anderen Menschen und auch seine Anhänger sind Menschen wie die anderen. Keiner steht höher als die anderen, es sei denn wegen seiner Gottesfürchtigkeit und seines rechtschaffenen Handelns. Nur das rechtschaffene Handeln rettet den Menschen am Tag des Jüngsten Gerichtes.
Diese Koranstelle enthält mindestens 3 wichtige Punkte:
Erstens: Rassismus und Privilegansprüche sind nicht berechtigt, auch nicht im Namen von „Religion und Glauben".
Zweitens: Religiöser Stolz ist eine Gefahr, welche den Anhängern der göttlichen Religionen droht. Wir sollen uns davor in Acht nehmen, wegen unserer Religiosität zu glauben, das wir besser sind als die anderen.
Drittens: Nicht wir sind es, die Paradies und Verdammnis verteilen, so dass wir uns als Paradiesbewohner betrachten und die anderen als Höllenbewohner. Gott straft und verzeiht aufgrund seiner Weisheit.

Der Vers 19 der Sure 5, Sure Al Ma'idah lautet übersetzt:

يَا أَهْلَ الْكِتَابِ قَدْ جَاءَكُمْ رَسُولُنَا يُبَيِّنُ لَكُمْ عَلَىٰ فَتْرَةٍ مِّنَ الرُّسُلِ أَن تَقُولُوا مَا جَاءَنَا مِن بَشِيرٍ وَلَا نَذِيرٍ ۖ فَقَدْ جَاءَكُم بَشِيرٌ وَنَذِيرٌ ۗ وَاللَّـهُ عَلَىٰ كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ
„Ihr Leute der Schrift! Unser Gesandter ist nunmehr zu euch gekommen, um euch während einer Zwischenzeit (in der Reihe) der Gesandten Klarheit (über die religiösen Wahrheiten) zu geben, damit ihr (nicht etwa) sagt: ,Zu uns ist kein Verkünder froher Botschaft und kein Warner gekommen.' Nun ist ja ein Verkünder froher Botschaft und ein Warner zu euch gekommen. Gott hat zu allem die Macht." (5: 19)

Der Prophet des Islam wurde 570 Jahre n.Chr. geboren, und 610 n. Chr. zum Propheten berufen. Der Verkündungszeit Jesu folgten daher circa 600 Jahre, in denen kein neuer Prophet von Gott ausgesandt worden war. Dennoch gab es Beweise Gottes auf der Erde und gab es Prediger, die die Religion Gottes verbreiteten.
In Vers 19 heißt es nun gewandt an Juden und Christen: Gott hat den Propheten des Islam zu euch gesandt und vor ihm sind schon Propheten zu euch gesandt worden. Ihr solltet also allen anderen voraus an den Propheten glauben und seine Religion annehmen.

Wir lernen aus diesem Vers:
Erstens: Weil Gott Propheten ausgesandt hat, hat der Mensch keine Ausrede mehr und kann nicht sagen, ich wusste nichts davon.
Zweitens: Die Propheten sollen das Gute verkünden und den Lohn dafür verheißen und sie sollen vor dem Schlechten warnen und die Strafen dafür verkünden.

Nun eine Übersetzung des Verses 20 der Sure Al Ma'idah:

وَإِذْ قَالَ مُوسَىٰ لِقَوْمِهِ يَا قَوْمِ اذْكُرُوا نِعْمَةَ اللَّـهِ عَلَيْكُمْ إِذْ جَعَلَ فِيكُمْ أَنبِيَاءَ وَجَعَلَكُم مُّلُوكًا وَآتَاكُم مَّا لَمْ يُؤْتِ أَحَدًا مِّنَ الْعَالَمِينَ
„Und (damals) als Moses zu seinen Leuten sagte: ,Leute! Gedenket der Gnade, die Gott euch erwiesen hat! (Damals) als er Propheten unter euch auftreten ließ und euch zu Königen (über die Erde) machte und euch (die Herrschaft und Dinge) gab, was er (sonst) keinem von den Menschen in aller Welt gegeben hatte." (5: 20)

Ab Vers 20 in der Sure Al Ma'idah wird von dem, was Moses zu den Kindern Israels sagte, berichtet. Und zwar werden sie zunächst an den Segen, den Gott ihnen erteilte, erinnert. Zum Beispiel, dass unter ihnen Propheten in Erscheinung traten und herrschten, was ihnen Ansehen und Größe verlieh. Aber sie hatten diesen Segen vergessen und deshalb erging es ihnen schlecht, sie wurden vom Pharao unterdrückt und von ihm wie Sklaven behandelt.
Moses erinnerte sie an die früheren guten Zeiten und rief sie auf, etwas zu unternehmen, das sie wieder zu ihrer früheren Größe zurückgelangen.
Wir leiten von diesem Koranvers ab:
Erstens: Der größte göttliche Segen ist der Segen Propheten zu haben und Herrschaft und Freiheit zu besitzen. Und dafür sollen wir Menschen dankbar sein.
Zweitens: Aus der Geschichte müssen die Menschen lernen. Die Kinder Israels zum Beispiel haben nachdem sie zu Größe und Ansehen gelangt waren, Elend und Gefangenschaft erfahren.

Die Verse 21 und 22 der Sure Al Ma'idah lauten wie folgt:

يَا قَوْمِ ادْخُلُوا الْأَرْضَ الْمُقَدَّسَةَ الَّتِي كَتَبَ اللَّـهُ لَكُمْ وَلَا تَرْتَدُّوا عَلَىٰ أَدْبَارِكُمْ فَتَنقَلِبُوا خَاسِرِينَ
„(Moses sagte zu ihnen) Leute! Tretet ein in das heilige Land, das Gott euch bestimmt hat, und kehrt nicht (gleich wieder) um, so dass ihr (letzten Endes) den Schaden habt!" (5: 21)

قَالُوا يَا مُوسَىٰ إِنَّ فِيهَا قَوْمًا جَبَّارِينَ وَإِنَّا لَن نَّدْخُلَهَا حَتَّىٰ يَخْرُجُوا مِنْهَا فَإِن يَخْرُجُوا مِنْهَا فَإِنَّا دَاخِلُونَ
„Sie (die Kinder Israels) sagten: ,Mose! In ihm sind gewalttätige Leute. Wir werden es nicht betreten, solange sie nicht aus ihm herausgehen. Wenn sie jedoch aus ihm herausgehen, wollen wir (es) betreten.' " (5: 22)

Moses hatte die Söhne Israels zum Djihad aufgerufen. Er hatte sie aufgefordert in das Gebiet von Beit-ol-Moqaddas (Jerusalem) zu ziehen und sich gegen die dortigen Gewaltherrscher zu wehren. Aber sie waren ängstlich geworden und sagten: Das schaffen wir nicht, wir können nicht kämpfen. Wenn diese gewalttätigen Herrscher das Land verlassen und das heilige Land an uns abgeben, ja dann werden wir es betreten.

Zu diesem Vers abschließend noch zwei Punkte:
Erstens: Die Anhänger der göttlichen Religionen müssen heilige Orte und Stätten aus der Hand der Unterdrücker befreien.
Zweitens: Was zur Niederlage im Kampf gegen den Feind führt, ist die Selbstunterschätzung. Die Propheten haben gegen diese Selbstunterschätzung gekämpft.

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