Sure Al Ma'idah (Tisch) Verse 36- 40

Hier nun ein weiterer Teil unserer einfach formulierten Koranerklärung. Die Übersetzung der Verse 36 und 37 der Sure Al Ma'idah, der 5. Koransure, lautet: (5: 36- 40)

إِنَّ الَّذِينَ كَفَرُوا لَوْ أَنَّ لَهُم مَّا فِي الْأَرْضِ جَمِيعًا وَمِثْلَهُ مَعَهُ لِيَفْتَدُوا بِهِ مِنْ عَذَابِ يَوْمِ الْقِيَامَةِ مَا تُقُبِّلَ مِنْهُمْ ۖ وَلَهُمْ عَذَابٌ أَلِيمٌ
„Wenn diejenigen, die ungläubig sind, alles hätten, was es auf der Erde (an Schätzen) gibt, und noch einmal so viel dazu, um sich damit von der Strafe des Auferstehungstages loszukaufen, würde es nicht von ihnen angenommen. Eine schmerzhafte Strafe haben sie zu erwarten." (5: 36)

يُرِيدُونَ أَن يَخْرُجُوا مِنَ النَّارِ وَمَا هُم بِخَارِجِينَ مِنْهَا ۖ وَلَهُمْ عَذَابٌ مُّقِيمٌ
„Sie möchten (dereinst) aus dem Höllenfeuer herauskommen, aber dies ist ihnen nicht möglich, eine beständige Strafe haben sie zu erwarten." (5: 37) 

Im Anschluss an die Verse, welche die Gläubigen zu guten Werken, zur Gottesfürchtigkeit und zum Bemühen und Kampf auf dem Wege Gottes einladen, werden hier die Gläubigen darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich nicht von Reichtum und Macht der Ungläubigen blenden lassen und nicht enttäuscht sein sollen. Dies wird damit begründet, dass alle Pracht und aller Reichtum zur vergänglichen Welt des Diesseits gehören und sie am Jüngsten Tag nichts helfen werden. Weder der gesamte Reichtum auf der Erde, noch doppelt so viel davon, können jemanden vor dem Feuer der Verdammnis retten.

So lernen wir aus dieser Koranstelle:
Erstens: Vor Gottes Gericht wird kein Lösegeld zur Rettung vor dem Höllenfeuer angenommen.
Zweitens: Die Faktoren für die Seligkeit des Menschen müssen in ihm selber vorhanden sein. Weder oberflächlicher Glaube, noch nach außen gerichtetes Tun, weder Reichtum noch Besitz führen zum ewigen Glück, sondern alleine bestimmte innere Faktoren entscheiden.
Drittens: Wer im Leben sturr auf dem Unglauben beharrt, dessen Strafe wird ebenso hartnäckig und dauerhaft sein.

In der Übersetzung des Verses 38 der 5. Koransure heißt es:

وَالسَّارِقُ وَالسَّارِقَةُ فَاقْطَعُوا أَيْدِيَهُمَا جَزَاءً بِمَا كَسَبَا نَكَالًا مِّنَ اللَّـهِ ۗ وَاللَّـهُ عَزِيزٌ حَكِيمٌ
„Wenn ein Mann oder eine Frau einen Diebstahl begangen hat, dann trennt ihnen die Hand ab. Zum Lohn für das, was sie begangen haben, und als warnendes Exempel von seiten Gottes. Gott ist mächtig und weise." (5: 38)

Im letzten Beitrag wurden die allgemeinen Strafurteile für Unheilstifter genannt, d.h. für solche Leute die offensichtlich durch Androhung von Waffengewalt Leben und Gut der Menschen in Gefahr bringen. Dieser Vers nun legt das Strafmaß für Diebstahl fest. Wenn bestimmte Bedingungen vorliegen, sollen Diebe an weiterem Diebstahl gehindert werden, indem ihnen die Hand abgetrennt wird. Dies ist die Strafe, die durch ihr Handeln verursacht wurde. Gott hat zur Wahrung der Sicherheit in der Gesellschaft diese harte Maßnahme für Diebstahl vorgeschrieben, aber nicht jeder Dieb wird auf diese Weise bestraft. Diese Strafe gilt nicht für jemanden, der aus Not etwas stiehlt, oder wenn der Wert des Diebesgutes geringfügig ist. Diese und noch mehrere andere Bedingungen stehen in den religionsrechtlichen Abhandlungen. Mit ‚Abtrennung der Hand' ist die Abtrennung von 4 Fingern gemeint und nicht die der ganzen Hand.
Wenn diese Maßnahme vorgenommen wird, um die Sicherheit in der Gesellschaft zu wahren, ist das, im Gegensatz zu gegenteiligen Meinungen, eine Maßnahme, die dem Menschen dient. Statistiken zeigen, dass in Gesellschaften, in denen dieses von Gott im Koran geforderte Urteil durchgeführt wird, die Zahl er Diebstähle enorm sinkt.

Wir können uns im Zusammenhang mit diesem Vers merken:
Erstens: In den Strafbestimmungen (Strafmaßnahmen) des Islams geht es nicht nur um die Bestrafung des Übeltäters, sondern auch um die Abschreckung potentieller Übeltäter, deshalb wird die Strafmaßnahme im Beisein der Bevölkerung vorgenommen, damit die anderen daraus eine Lehre ziehen.
Zweitens: Privateigentum und Sicherheit der Gesellschaft werden vom Islam sehr geachtet. Daher wird jeder, der diese angreift, sehr streng behandelt.
Drittens: Der Islam ist keine private Angelegenheit, sondern hält ein Programm für die Verbesserung der gesellschaftlichen Situation bereit. Die Gesetze des Islam sind nicht nur für das Jenseits bestimmt, sondern auch für das Diesseits.

Die Verse 39 und 40 der Sure Al Ma'idah lauten:

فَمَن تَابَ مِن بَعْدِ ظُلْمِهِ وَأَصْلَحَ فَإِنَّ اللَّـهَ يَتُوبُ عَلَيْهِ ۗ إِنَّ اللَّـهَ غَفُورٌ رَّحِيمٌ
„Wenn aber einer, nachdem er gefrevelt hat, umkehrt und sich bessert, wendet Gott sich ihm (gnädig) wieder zu. Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben." (5: 39)

أَلَمْ تَعْلَمْ أَنَّ اللَّـهَ لَهُ مُلْكُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ يُعَذِّبُ مَن يَشَاءُ وَيَغْفِرُ لِمَن يَشَاءُ ۗ وَاللَّـهُ عَلَىٰ كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ
„Weißt du denn nicht, dass Gott die Herrschaft über Himmel und Erde hat, und dass er bestraft, wen er will, und vergibt, wem er will? Gott hat zu allem die Macht." (5: 40)

Im Vers 38 war von der harten Bestrafung des Diebes die Rede, aber die Verse 39 und 40 sprechen von der Barmherzigkeit Gottes. Die Tore zur göttlichen Barmherzigkeit stehen immer offen. Das Erbarmen Gottes geht über seinen Zorn hinaus und daher heißt es, wenn jemand seine Taten bereut und wieder gut macht, wird er Gottes Vergebung erfahren. Natürlich nützt die Reue vor Gericht nichts mehr, denn dann würde jeder Dieb angesichts der schweren Strafen behaupten, dass er bereut habe. Wenn aber ein Dieb, bevor er gefasst wird, Gott gegenüber bereut und alles Diebesgut dem Besitzer wieder zukommen lässt und der Besitzer ihm verzeiht, dann verzeiht auch Gott ihm und seine Strafe wird aufgehoben.

Wir entnehmen dieser Koranstelle:
Erstens: Reue heißt nicht nur innerliches Bereuen, sondern wahre Reue bedeutet Wiedergutmachung der vergangenen Fehler.
Zweitens: Wenn der Mensch aufrichtig bereut, dann wendet sich Gott ihm wieder huldvoll zu.
Drittens: Strafe und Vergebung liegen beide in der Hand Gottes. Gott bleibt großzügig gegenüber seinem Diener. Aufgrund seiner Gerechtigkeit straft er den Frevler und vergibt dem Reuevollen.

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