Sure Al Ma'idah (Tisch) Verse 44- 47

Die Erklärungen zur Sure Al Ma'idah, Sure 5, setzen wir hier nun mit Vers 44 fort, er lautet in der Übersetzung: (5: 44- 47)

إِنَّا أَنزَلْنَا التَّوْرَاةَ فِيهَا هُدًى وَنُورٌ ۚ يَحْكُمُ بِهَا النَّبِيُّونَ الَّذِينَ أَسْلَمُوا لِلَّذِينَ هَادُوا وَالرَّبَّانِيُّونَ وَالْأَحْبَارُ بِمَا اسْتُحْفِظُوا مِن كِتَابِ اللَّـهِ وَكَانُوا عَلَيْهِ شُهَدَاءَ ۚ فَلَا تَخْشَوُا النَّاسَ وَاخْشَوْنِ وَلَا تَشْتَرُوا بِآيَاتِي ثَمَنًا قَلِيلًا ۚ وَمَن لَّمْ يَحْكُم بِمَا أَنزَلَ اللَّـهُ فَأُولَـٰئِكَ هُمُ الْكَافِرُونَ
„Wir haben die Thora herabgesandt, die Rechtleitung und Licht enthält, damit die Propheten, die sich (Gott) ergeben haben, für diejenigen, die dem Judentum angehören, danach entscheiden, und (damit auch) die Rabbiner und Gelehrten nach der Schrift Gottes entscheiden, soweit sie ihrer Obhut anvertraut worden ist. Sie waren (ja) Zeugen darüber. Ihr sollt (daher) nicht die Menschen fürchten, sondern mich. Und verschachert meine Zeichen nicht! (Wisset!:) Diejenigen, die nicht nach dem entscheiden, was Gott herabgesandt hat, sind die (wahren) Ungläubigen." (5: 44) 

Im letzten Vers ging es um eine Reihe von Juden die sich den Geboten ihrer heiligen Schrift, der Thora, entziehen wollten. Sie kamen zum Propheten des Islam und glaubten, er würde ein leichteres Urteil fällen. Aber der Prophet fällte das gleiche Urteil, wie es in der Thora für das genannte Vergehen stand.
In diesem Vers wird nun die Diskussion weiter geführt. Es wird darauf hingewiesen, dass nicht nur die Propheten die nach Moses kamen aufgrund der Thora Urteile fällen sollten, sondern auch die jüdischen Rabbiner und Gelehrten, welche für die Wahrung der jüdischen Schrift und der göttlichen Gebote zuständig waren, dies tun müssen. Es heißt: Diese Gelehrten dürfen nicht aus Angst vor Anderen oder wegen persönlicher Vorteile, ein göttliches Gebot verschweigen oder ändern. Derartiges Tun ist eine Form des Unglaubens.

Im Vers 44 der Sure 5 wird die große Verantwortung der Religionsgelehrten hinsichtlich der Wahrung der göttlichen Gebote und ihrer Standhaftigkeit gegenüber unangemessenen eigensinnigen Forderungen, ob nun von ihrer eigenen Seite oder von Seite der Menschen deutlich. Dieser Vers fordert die Religionsgelehrten auf, Abweichungen zu bekämpfen.
Wir können uns also anhand von Vers 44 der Sure 5 wie folgt merken:

Erstens: Die Religionsgelehrten müssen die Rechtsprechende Gewalt (Justiz) ausreichend beaufsichtigen und sich bei der Wahrung der Religionslehre vor nichts fürchten und sie dürfen diese nicht aufgrund von eigensinnigen Wünschen vernachlässigen.
Zweitens: Wenn Gott für etwas Gesetze erlassen hat, ist es nicht richtig sich anstelle dessen Gesetzen zuzuwenden, die von Menschen aufgestellt wurden. Das ist eine Abweichung vom eigentlichen Weg.

Die Übersetzung des Verses 45 der Sure 5 lautet:

وَكَتَبْنَا عَلَيْهِمْ فِيهَا أَنَّ النَّفْسَ بِالنَّفْسِ وَالْعَيْنَ بِالْعَيْنِ وَالْأَنفَ بِالْأَنفِ وَالْأُذُنَ بِالْأُذُنِ وَالسِّنَّ بِالسِّنِّ وَالْجُرُوحَ قِصَاصٌ ۚ فَمَن تَصَدَّقَ بِهِ فَهُوَ كَفَّارَةٌ لَّهُ ۚ وَمَن لَّمْ يَحْكُم بِمَا أَنزَلَ اللَّـهُ فَأُولَـٰئِكَ هُمُ الظَّالِمُونَ
„Wir haben Ihnen darin (d.h. in der Thora) vorgeschrieben: Leben um Leben, Auge um Auge, Nase um Nase, Ohr um Ohr, Zahn um Zahn, und auch für Verwundungen Wiedervergeltung. Wenn aber einer Almosen damit gibt (indem er auf die Wiedervergeltung verzichtet), dann sei ihm das eine Sühne (für Sünden). Diejenigen, die nicht nach dem entscheiden, was Gott (in der Schrift) herabgesandt hat, sind die (wahren) Frevler." (5: 45)

Auch im Falle der Wiedervergeltung fällten die jüdischen Gelehrten nicht das richtige Urteil. Sie machten Unterschiede. Bei einigen ordneten sie Wiedervergeltung an und bei anderen nicht. Der Koran verweist hier auf die Wiedervergeltung, die es auch im Islam gibt und sagt: Dieses Gebot steht auch in der Thora und jede Verwundung verlangt Wiedervergeltung mit dem Gleichen, und vor diesem Gesetz sind alle gleich. Wer ein anderes Urteil fällt, der hat sowohl sich selber als auch der Gesellschaft Unrecht getan.

Es ist natürlich immer eine gute Tat, wenn der Mensch den anderen etwas verzeiht. Deshalb sagt der Koran, wenn jemand auf das Recht auf Vergeltung verzichtet, so vergibt ihm Gott in dem Maße von seinen Sünden.

Wir entnehmen dem Vers 45 der Sure 5 also:
Erstens: Alle Menschen sind vor dem göttlichen Gesetz gleich, es wird kein Unterschied gemacht nach arm oder reich, gebildet oder ungebildet, oder etwa nach der Rasse.
Zweitens: Das Gesetz der Wiedervergeltung ist kein Gesetz dass es nur im Islam gibt. Es gibt dieses Gebot seit dem Prophet Moses.
Drittens: Ein Gläubiger kann nicht nur in Form von Geld oder Gegenständen, etwas „vergeben", er kann auch Fehler oder Vergehen anderer vergeben (verzeihen).
Viertens: Der Islam hat die Entschiedenheit bei der Bestrafung von Übeltätern mit der Barmherzigkeit gepaar.t
Fünftens: Geld- und Haftstrafen können für sich alleine nicht die Kriminalität reduzieren. Nur die Wiedervergeltung kann für Sicherheit in der Gesellschaft sorgen.

Was in den nächsten Ayeh, den Ayeh 46 und 47 der Sure Al Ma'idah steht, lautet auf Deutsch nun so:

وَقَفَّيْنَا عَلَىٰ آثَارِهِم بِعِيسَى ابْنِ مَرْيَمَ مُصَدِّقًا لِّمَا بَيْنَ يَدَيْهِ مِنَ التَّوْرَاةِ ۖ وَآتَيْنَاهُ الْإِنجِيلَ فِيهِ هُدًى وَنُورٌ وَمُصَدِّقًا لِّمَا بَيْنَ يَدَيْهِ مِنَ التَّوْرَاةِ وَهُدًى وَمَوْعِظَةً لِّلْمُتَّقِينَ
„Und wir ließen danach Jesus, den Sohn der Maria folgen, dass er bestätige, was von der Thora vor ihm da war. Und wir gaben ihm das Evangelium, das Rechtleitung und Licht enthält, damit es bestätige, was von der Thora vor ihm da war und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen." (5: 46)

وَلْيَحْكُمْ أَهْلُ الْإِنجِيلِ بِمَا أَنزَلَ اللَّـهُ فِيهِ ۚ وَمَن لَّمْ يَحْكُم بِمَا أَنزَلَ اللَّـهُ فَأُولَـٰئِكَ هُمُ الْفَاسِقُونَ
„Die Leute des Evangeliums sollen (nun) nach dem entscheiden, was Gott darin herabgesandt hat. Diejenigen, die nicht nach dem entscheiden, was Gott herabgesandt hat, sind die Frevler." (5: 47)

In den Versen, die zuvor genannt wurden hieß es, dass die Juden nach den göttlichen Geboten in der Thora handeln sollen. In den Versen 46 und 47 werden auch die Christen aufgefordert nach den göttlichen Geboten zu handeln und zu richten. Es heißt: Auch das Evangelium ist eine Schrift Gottes und ist Rechtleitung und Licht und die Gebote, die in der Thora stehen werden vom Evangelium bestätigt. So bleibt dem, was im Evangelium steht, treu und seid nicht ungehorsam gegenüber den Anweisungen Gottes, denn dann seid ihr Frevler.
Natürlich meint der Koran die eigentliche Thora und das wahre Evangelium, die noch keine Verfälschungen erfahren haben. Ein Handeln nach den unverfälschten Himmelsschriften erfordert aber, dass die letzte göttliche Offenbarung, der Koran, anerkannt wird, denn die inzwischen verfälschten anderen Schriften können kein Maßstab mehr sein.

Wir entnehmen den beiden letzten Koranversen:
Erstens: Alle Himmelsschriften fordern den Menschen auf, rein und gottesfürchtig zu sein, den nur die Reinen lassen sich von Gott belehren.
Zweitens: Alle Himmelsschriften und Propheten Gottes haben ein Ziel und bestätigten einander.
Drittens: Alle Himmelsschriften dienen nicht nur dem Lesen, sondern dazu, dass wir nach ihnen handeln, im Privatleben und in der Gesellschaft.

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