Sure Al Ma'idah (Tisch) Verse 51- 54

Wir erklären hier weitere Verse aus der Sure 5, Sure Al Ma'idah. Hier eine Übersetzung des Verses 51 (5: 51- 54)

 يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا لَا تَتَّخِذُوا الْيَهُودَ وَالنَّصَارَىٰ أَوْلِيَاءَ ۘ بَعْضُهُمْ أَوْلِيَاءُ بَعْضٍ ۚ وَمَن يَتَوَلَّهُم مِّنكُمْ فَإِنَّهُ مِنْهُمْ ۗ إِنَّ اللَّـهَ لَا يَهْدِي الْقَوْمَ الظَّالِمِينَ
„Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht die Juden und die Christen zu euren Herren und Freunden! Sie sind untereinander Freunde (und nicht eure Freunde). Wenn einer von euch sich ihnen anschließt, gehört er zu ihnen. Gott leitet das Volk der Frevler nicht recht." (5: 51)

Wir sind bei der Interpretation des Koran schon vielen Koranversen begegnet, die politische und gesellschaftliche Fragen der islamischen Gesellschaft behandeln. Dies zeigt, dass der Koran viele Anweisungen für die Regelung des irdischen Lebens enthält.
In diesem Vers weist Gott ebenso auf eine wichtige Regel hin, nämlich: Auch wenn die Gläubigen den Andersgläubigen oder Nichtgläubigen freundschaftlich begegnen, so ist es eine Tatsache, dass diese in Wirklichkeit nur die mögen, die dem gleichen Glauben bzw. Unglauben angehören wie sie. Deshalb sollen sich die Gläubigen diese nicht zum Herrn, Helfer oder Freund nehmen. In diesem Vers heißt es weiter: Wer sich den Andersgläubigen oder Ungläubigen anschließt, der gehört in gleichem Maße zu ihnen. Durch ein solches Verhalten gerät er selber in Gefahr ungläubig oder zum Heuchler zu werden. Damit begeht er sich selber und der muslimischen Gemeinschaft gegenüber einen großen Fehler.

Von diesem Koranvers ist wie folgt ableitbar:
Erstens: Muslimischen Ländern ist es nicht erlaubt, Beziehungen zu anderen Ländern aufzunehmen oder eine Politik zu betreiben, die dazu führt, dass die Ungläubigen über die Muslime herrschen.
Zweitens: Wenn ein Mensch erlaubt, dass ein Ungläubiger über ihn bestimmt, wird ihm die göttliche Führung entzogen. Er kommt nicht mehr in die Gunst der Rechtleitung Gottes.
Drittens: Eine Vorherrschaft anderer Schriftbesitzer über die Muslime ist nicht erlaubt, aber eine friedliche Co-Existenz mit ihnen ist erlaubt - sie wird sogar vom Islam gefordert.

Nun die Übersetzung der beiden nächsten Koranverse der Sure Al Ma'idah. Es sind Vers 52 und 53:

فَتَرَى الَّذِينَ فِي قُلُوبِهِم مَّرَضٌ يُسَارِعُونَ فِيهِمْ يَقُولُونَ نَخْشَىٰ أَن تُصِيبَنَا دَائِرَةٌ ۚ فَعَسَى اللَّـهُ أَن يَأْتِيَ بِالْفَتْحِ أَوْ أَمْرٍ مِّنْ عِندِهِ فَيُصْبِحُوا عَلَىٰ مَا أَسَرُّوا فِي أَنفُسِهِمْ نَادِمِينَ
„Und du (Prophet) siehst, dass diejenigen, die in ihrem Herzen eine Krankheit haben, sich um deren Freundschaft bemühen, indem sie (um dies zu rechtfertigen) sagen: Wir fürchten, dass uns ein Ereignis trifft (und wir ihre Hilfe brauchen). Aber vielleicht wird Gott (den Gläubigen) den Erfolg oder eine Entscheidung von sich bringen. Dann werden sie (die Heuchler) Bedauern empfinden über das, was sie in sich geheim gehalten haben." (5: 52)

وَيَقُولُ الَّذِينَ آمَنُوا أَهَـٰؤُلَاءِ الَّذِينَ أَقْسَمُوا بِاللَّـهِ جَهْدَ أَيْمَانِهِمْ ۙ إِنَّهُمْ لَمَعَكُمْ ۚ حَبِطَتْ أَعْمَالُهُمْ فَأَصْبَحُوا خَاسِرِينَ
„Und die Gläubigen werden sagen: Sind das diejenigen, die (früher) bei Gott hoch und heilig geschworen haben, dass sie zu euch halten würden? Ihre Werke sind hinfällig, und sie haben nun den Schaden." (5: 53)

Obwohl Gott untersagt hatte, dass die Muslime eine Freundschaft oder Beziehung zu den Ungläubigen aufnehmen, die dazu führt, dass die anderen über sie bestimmen, waren einige der schwachgläubigen Muslime mit heuchlerischem Wesen darum bemüht, deren Freundschaft zu gewinnen und übertrafen sich gegenseitig in diesem Bestreben.
Aber der Koran kündigt an: An dem Tag aber, an dem der Islam erstarkt und Gott den Gläubigen mit Seinem verborgenen Beistand zur Größe verhilft, werden diese Leute, die sich mit den Ungläubigen angefreundet haben weil sie befürchteten, dass diese siegen, ihr Tun bereuen und was sie geheim gehalten haben, wird offenkundig werden.
Dann werden die wahren Gläubigen überrascht sagen: Diese Leute haben doch beteuert und geschworen, dass sie glauben, und nun sind alle ihre scheinbar guten Werke hinfällig.

Drei Dinge möchten wir gestützt auf diese Koranstelle herausstreichen:

Erstens: Wer unnatürliches Interesse an der Freundschaft zu den Nichtgläubigen hat und ihre Unterstützung anstrebt, gibt zu erkennen, dass sein Glaube schwach ist und er heuchelt.

Zweitens: Schwacher Glaube verursacht Angst vor den Großmächten und führt zur Kapitulation ihnen gegenüber.
Drittens: Heuchelei mündet darin, dass der Heuchler eines Tages entlarvt und beschämt wird und seine scheinbar guten Werke umsonst waren.

Der nächste Vers lässt sich wie folgt übersetzen. Es ist Vers 54 der Sure 5:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا مَن يَرْتَدَّ مِنكُمْ عَن دِينِهِ فَسَوْفَ يَأْتِي اللَّـهُ بِقَوْمٍ يُحِبُّهُمْ وَيُحِبُّونَهُ أَذِلَّةٍ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ أَعِزَّةٍ عَلَى الْكَافِرِينَ يُجَاهِدُونَ فِي سَبِيلِ اللَّـهِ وَلَا يَخَافُونَ لَوْمَةَ لَائِمٍ ۚ ذَٰلِكَ فَضْلُ اللَّـهِ يُؤْتِيهِ مَن يَشَاءُ ۚ وَاللَّـهُ وَاسِعٌ عَلِيمٌ
„Ihr Gläubigen! Wenn sich jemand von euch von seiner Religion abbringen lässt (sollte er wissen, dass er Gott nicht schadet, denn:). Gott wird Leute bringen, die er liebt, und die ihn lieben, die den Gläubigen gegenüber bescheiden und milde sind, jedoch den Ungläubigen gegenüber streng und entschieden, und die sich auf dem Wege Gottes mühen und sich vor keinem Tadel fürchten. Das ist die Huld Gottes. Er gibt sie, wem er will. Gott ist allumfassend und allwissend." (5: 54)

Während vorher gesagt wurde, dass die Gläubigen sich nicht von den Andersgläubigen oder Ungläubigen beherrschen lassen sollen, mahnt der Vers 54: Beachtet diese Anweisung, denn wenn ihr sie nicht beachtet, dann habt ihr den Glauben aufgegeben und seid abtrünnig geworden. Ihr solltet aber auch wissen: Wenn ihr euch den Ungläubigen zuwendet, um vor ihnen sicher zu sein, oder wenn ihr etwa ihre Hilfe annehmt, wird das die Religion Gottes nicht vernichten, denn es gibt andere, die an Gott glauben und ihn lieben, sodass sie ihr Leben für die Verteidigung der Religion und für den Kampf auf Gottes Wegen einsetzen und sich vor keinem Tadel fürchten.
Interessant ist, wie diese Gläubigen beschrieben werden:
Sie sind im Gegenteil zu ihrer Entschlossenheit und Strenge gegenüber dem Feind zueinander gütig und bescheiden.
In den Überlieferungen heißt es: Als dieser Vers offenbart wurde, legte der Prophet seine Hand dem Perser Salman Farsi auf die Schulter und sagte: Die Gruppe die Gott auf diese Weise beschreibt, sind deine Landsleute, das Volk der Farsen.

Die folgenden 5 Punkte können wir im Zusammenhang mit Vers 54 nennen:
Erstens: Jedem Gläubigen droht die Gefahr, dass er sich von der Religion abkehrt. Geben wir acht und denken wir an unser letztendliches Schicksal.
Zweitens: Abtrünnigkeit geht auf Unkenntnis über Gott und seine Religion sowie auf fehlende Liebe zu Gott und seiner Religion zurück. Einer Religiosität die nicht auf einem tiefen und richtigen Wissen basiert, droht immer die Vernichtung.
Drittens: Gott hat immer Menschen, die an der Wahrung der Religion festhalten.
Viertens: Wahre Muslime sind zueinander freundlich und nachsichtig und gegenüber dem Feind streng.
Fünftens: Die Huld Gottes besteht nicht nur darin, dass er uns materiellen Erfolg beschert, sondern es ist auch eine Form göttlicher Huld, wenn wir auf seinem Weg kämpfen und seiner Religion treu bleiben.

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