Sure Al Ma'idah (Tisch) Verse 55- 59

In diesem Teil werden wir den Inhalt der Verse 55 bis 59 der Sure Al Ma'idah interpretieren. Als erstes nun die Übersetzung der beiden Verse 55 und 56 der 5. Koransure: (5: 55- 59)

إِنَّمَا وَلِيُّكُمُ اللَّـهُ وَرَسُولُهُ وَالَّذِينَ آمَنُوا الَّذِينَ يُقِيمُونَ الصَّلَاةَ وَيُؤْتُونَ الزَّكَاةَ وَهُمْ رَاكِعُونَ
„(Ihr Gläubigen!) Gott (allein) ist euer Freund, und sein Gesandter, und (mit ihnen alle die) die glauben, die das Gebet verrichten, die Almosensteuer geben und sich (wenn sie beten) verneigen." (5: 55) 

Anmerkung:(oder auch: die das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, während sie sich verneigen, d.h. im Zustand der Demut).

وَمَن يَتَوَلَّ اللَّـهَ وَرَسُولَهُ وَالَّذِينَ آمَنُوا فَإِنَّ حِزْبَ اللَّـهِ هُمُ الْغَالِبُونَ
„Wenn sich jemand Gott und seinem Gesandten und denen, die glauben, anschließt (hat er die rechte Wahl getroffen). Die auf Gottes Seite stehen, werden Sieger sein." (5: 56)

In den historischen Überlieferungen wird über folgende Begebenheit berichtet:
Ein Bedürftiger betrat die Moschee und bat um Hilfe. Aber niemand gab ihm etwas. Auch Imam Ali, aleihe salam, war in der Moschee, doch er betete gerade und vollzog gerade die Verbeugung beim Gebet. Ohne das Gebet zu unterbrechen, streckte er dem Bittsteller seine Hand entgegen, an der ein Ring steckte. Der Bettler begriff, dass Imam Ali ihm diesen Ring schenken wollte. Er streifte ihn ab, bedankte sich und verließ zufrieden die Moschee.
In diesem Moment wurde der Vers 55 dem Propheten offenbart:
Euer Verwalter und Herr ist nur Gott und sein Gesandter, und sind die, die glauben, die das Gebet verrichten, und auch während der Gebetsverneigung Almosen geben.
Der Prophetengefährte Ammar Ibn Yasir berichtet: Nach der Offenbarung dieses Verses sagte der Prophet Gottes: Wem ich Führer und Helfer bin, dem ist auch Ali Führer und Helfer.

Wir entnehmen dieser Koranstelle mehrere Punkte:
Erstens: Es wird betont, dass die Führung der Muslime in den Händen Gottes, des Propheten und seiner auserlesenen Gläubigen liegt. (In den vorhergehenden Versen wurde hervorgehoben: Die Muslime dürfen nicht akzeptieren, dass die Ungläubigen über sie bestimmen und sie verwalten).
Zweitens: Diejenigen die nicht gläubig sind, weder beten noch die Zakat (Almosensteuer) geben, haben kein Recht über die Gläubigen zu regieren.
Drittens: Die Hilfen an die Bedürftigen sind sehr wichtig.
Viertens: Wer gegenüber den Notleidenden gleichgültig ist, kann nicht über die islamische Gesellschaft regieren.
Fünftens: Wenn die Gläubigen sich ausschließlich der Führung Gottes, des Propheten und der unfehlbaren Imame anvertrauen, werden sie bestimmt über die Ungläubigen siegen.

Die Verse 57 und 58 der Sure 5 können wie folgt übersetzt werden:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا لَا تَتَّخِذُوا الَّذِينَ اتَّخَذُوا دِينَكُمْ هُزُوًا وَلَعِبًا مِّنَ الَّذِينَ أُوتُوا الْكِتَابَ مِن قَبْلِكُمْ وَالْكُفَّارَ أَوْلِيَاءَ ۚ وَاتَّقُوا اللَّـهَ إِن كُنتُم مُّؤْمِنِينَ
„Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht diejenigen, die mit eurer Religion ihren Spott und ihr Spiel treiben - aus dem Kreis derer, die vor euch die Schrift erhalten haben, - und (auch nicht) die Ungläubigen zu Freunden! Und fürchtet Gott, wenn ihr gläubig seid!" (5: 57)

وَإِذَا نَادَيْتُمْ إِلَى الصَّلَاةِ اتَّخَذُوهَا هُزُوًا وَلَعِبًا ۚ ذَٰلِكَ بِأَنَّهُمْ قَوْمٌ لَّا يَعْقِلُونَ
„Wenn ihr zum (gemeinsamen) Gebet ruft, treiben sie damit ihren Spott und ihr Spiel. Dies (tun sie), weil sie Leute sind, die keinen Verstand haben." (5: 58) 

Diese beiden Verse wenden sich wieder an die Gläubigen, besonders an die unter ihnen die schwach im Glauben sind und sich schnell von den Schriftbesitzern und Nichtgläubigen beeinflussen lassen und womöglich deren Anführung akzeptieren.
Mit Nachdruck werden sie davor gewarnt, und sie werden darauf aufmerksam gemacht: Die Nichtgläubigen akzeptieren eure Überzeugung nicht und machen sich über das Gebet, welches ein wichtiger Eckpfeiler eurer Religion ist, lustig. Sie verhalten sich unsachlich und wie Unwissende.
Aus dieser Koranstelle lässt sich ableiten:
Erstens: Der Glauben bedingt, dass wir ihn verteidigen und uns von Leuten, die ihn verspotten fernhalten
Zweitens: Keiner darf aus Angst oder wegen materieller Vorteile um die Freundschaft mit Ungläubigen bemüht sein. Wir sollten Gott und seine Strafe fürchten.
Drittens: Die Ungläubigen bekommen einen Schrecken wenn sie das Gemeinschaftsgebet der Gläubigen sehen und verspotten es. Wir sollten also das gemeinschaftliche Gebet fördern
Viertens: Spott ist ein Zeichen für Unwissenheit. Wissende Menschen reagieren sachlich.

Der 59. Vers der Sure Al Ma'idah lautet in ihrer deutschen Übersetzung:

قُلْ يَا أَهْلَ الْكِتَابِ هَلْ تَنقِمُونَ مِنَّا إِلَّا أَنْ آمَنَّا بِاللَّـهِ وَمَا أُنزِلَ إِلَيْنَا وَمَا أُنزِلَ مِن قَبْلُ وَأَنَّ أَكْثَرَكُمْ فَاسِقُونَ
„Sag: Ihr Leute der Schrift! Habt ihr denn keinen anderen Grund uns zu grollen, als das wir an Gott glauben und an das, was (als Offenbarung) zu uns, und was (schon) früher herab gesandt worden ist, und dass die meisten von euch Frevler sind?" (5: 59)

In diesem Vers rät Gott dem Propheten und den Gläubigen: Wenn die Ungläubigen euch verspotten, sagt: Verhaltet ihr euch auf diese Weise weil wir glauben? Wir glauben doch an den Koran, und an eure Thora und das Evangelium, aber ihr habt euch noch nicht mal an eure eigene Schrift gehalten.
Außerdem lässt sich hierzu noch sagen:
Erstens: Auch mit den Gegnern sollen die Muslime auf logische Weise sprechen. Wir sollten nicht direkt mit ihnen konfrontieren und sie herausfordern sondern z.B. in Form von Fragen auf ihr Verhalten reagieren. Auch beim Gespräch mit den Gegnern müssen wir fair bleiben.
Zweitens: An der Wahrheit unserer Religion ist nicht zu zweifeln. Die Feindschaft der Islamgegner entbehrt der logischen Grundlage.

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