Sure Al Ma'idah (Tisch) Verse 67- 68

Wir schlagen heute den Heiligen Koran an der Stelle von Vers 67 der 5. Sure, Sure Al Ma'idah auf, die Übersetzung dieses Verses in die deutsche Sprache lautet: (5: 67- 68)

يَا أَيُّهَا الرَّسُولُ بَلِّغْ مَا أُنزِلَ إِلَيْكَ مِن رَّبِّكَ ۖ وَإِن لَّمْ تَفْعَلْ فَمَا بَلَّغْتَ رِسَالَتَهُ ۚ وَاللَّـهُ يَعْصِمُكَ مِنَ النَّاسِ ۗ إِنَّ اللَّـهَ لَا يَهْدِي الْقَوْمَ الْكَافِرِينَ
„Du Gesandter! Richte (den Menschen) aus, was von deinem Herrn (als Offenbarung) zu dir herab gesandt worden ist! Wenn du es nicht tust, hast du seine Botschaft nicht übermittelt. Gott wird dich vor den Menschen schützen. Wahrlich, Gott leitet das Volk der Ungläubigen nicht recht." (5: 67) 

Dieser Vers unterscheidet sich von den vorhergehenden und nachfolgenden Versen und ist unabhängig von ihnen zu sehen. Das Besondere an diesem Vers ist, dass er mit den Worten „Du Gesandter!" beginnt. Der Koran spricht nur zwei Mal im Koran den Propheten auf diese Weise an, und zwar beides Mal in dieser Sure, der Sure 5 - Sure Al Ma'idah. Die zweite Besonderheit dieses Verses ist, dass der Prophet angewiesen wird, etwas zu verkünden, dass seiner ganzen Botschaft entspricht und, dass es heißt er habe seinen göttlichen Auftrag nicht erfüllt, wenn er den Menschen diese Mitteilung nicht macht. Der dritte wichtige Punkt der diesem Vers eine Sonderstellung verleiht ist der, dass der Prophet befürchtet, wenn er die besagte Wahrheit verkündet, werden die Menschen sie nicht akzeptieren und leugnen. Deshalb sagt Gott der Prophet solle sich nicht vor den Menschen fürchten. Zum Schluss heißt es dann über die, welche diese wichtige Botschaft ablehnen, dass sie ungläubig sind und Gott ihnen deswegen die göttliche Rechtleitung entziehen wird.
Es fragt sich nun mit welcher wichtigen Mitteilung Gott in diesem bedeutenden Koranvers den Propheten beauftragte. Welche Botschaft sollte er unerschrocken dem Volk mitteilen und sich nicht davor fürchten, dass die Leute sie ablehnen?
Dieser Koranvers wurde im letzten Lebensjahr des Propheten offenbart. Dadurch wird deutlich, dass es sich bei dieser göttlichen Anweisung nicht um das Gebet, das Fasten, den Hadsch, Dschihad oder andere religiöse Pflichten handeln konnte. Für diese religiösen Pflichten waren in den früheren Jahren Verse offenbart worden und die Muslime gingen diesen Geboten seit langer Zeit nach.
Was war zum Lebensende des Propheten hin so von Bedeutung, dass Gott es so deutlich hervorhob und andererseits der Gesandte sich deswegen vor denen unter seinem Volk fürchtete, von denen er Ablehnung und bewusste Störungen fürchtete.
Nur die Frage der Nachfolgerschaft des Propheten und das Schicksal des Islam und der Muslime konnte in dieser Zeit so dringlich sein. Deshalb haben auch bekannte Koranausleger der sunnitischen Schule wie Fachr al-Razi stark vermutet, dass diese Koranstelle sich darauf bezieht und haben entsprechende historische Berichte in ihren Auslegungen zitiert. Die Schiiten, welche den Koraninhalt nach den Überlieferungen von den edlen Nachkommen des Propheten interpretieren, sind der Überzeugung, dass dieser Vers sich darauf bezieht, dass Ali - der Sohn des Abi Taleb - auf dem Rückweg von der letzten Hadsch-Pilgerreise des Propheten, in Ghadir-e Khum (zwischen Mekka und Medina) vor den versammelten Hadschpilgern zum Nachfolger des Propheten ernannte wurde. Für Prophet Mohammad, s.a.s., war Ali, a.s., während der 23 Jahre seiner Berufung der engste und treueste Gefährte gewesen. Der Prophet sagte vor der großen Versammlung der Hadschpilger in Ghadir-e Chum:
"Derjenige, dessen Herr (maula) ich bin, dem ist auch Ali sein Herr (maula). Oh Gott, sei der Freund dessen, der ihn zum Freund hat und sei der Feind dessen, der ihn zum Feind hat."
Der Prophet beauftragte die versammelten Muslime, diese wichtige Botschaft an die nicht anwesenden Muslime weiter zu geben.
Die Offenbarung dieses Verses und seines besonderen Inhaltes zeigen, dass der Auftrag, mit dem der Prophet angewiesen wurde, weit darüber hinaus ging zu verkünden, dass Ali dem Propheten sehr ans Herz gewachsen ist und er ihm sehr viel bedeutet. Vielmehr war es eine Angelegenheit, welche die gesamte islamische Gemeinde anbelangte. Und zwar war handelte es sich um die wichtigste Frage, nämlich die Frage der Führung und Lenkung der islamischen Gemeinschaft nach dem Verscheiden des Propheten.

Zu diesem Koranvers (Vers 67) können wir ergänzend noch sagen:
Erstens: Wenn die Lenkung der islamischen Gemeinschaft nicht in der Hand von rechtschaffenen Menschen liegt, die Gott bestimmt hat, sind die Grundlagen der Religion in Gefahr.
Zweitens: Der Prophet hatte keine Furcht vor dem externen Feind, sondern er befürchtete Konflikte und Probleme unter den Muslimen.

Die Übersetzung des Verses 68 der Sure Al Ma'idah (5.Sure) lautet:

قُلْ يَا أَهْلَ الْكِتَابِ لَسْتُمْ عَلَىٰ شَيْءٍ حَتَّىٰ تُقِيمُوا التَّوْرَاةَ وَالْإِنجِيلَ وَمَا أُنزِلَ إِلَيْكُم مِّن رَّبِّكُمْ ۗ وَلَيَزِيدَنَّ كَثِيرًا مِّنْهُم مَّا أُنزِلَ إِلَيْكَ مِن رَّبِّكَ طُغْيَانًا وَكُفْرًا ۖ فَلَا تَأْسَ عَلَى الْقَوْمِ الْكَافِرِينَ
„Sag: Ihr Leute der Schrift! Ihr entbehrt der Grundlage, so lange ihr nicht die Thora und das Evangelium, und was (sonst noch) von eurem Herrn (als Offenbarung) zu euch herab gesandt worden ist, haltet. (Prophet!) Was von deinem Herrn (als Offenbarung) zu dir herab gesandt worden ist, wird sicher viele von ihnen in ihrer Widersetzlichkeit und ihrem Unglauben noch bestärken. Mach dir wegen des Volkes der Ungläubigen keinen Kummer!" (5: 68)

Dieser Vers ähnelt dem Inhalt des Verses 66 dieser Sure. Wir haben diesen Vers zuvor schon behandelt. Auch in Vers 68 wird auf die Stellung der Schriftbesitzer gegenüber dem Islam und dem Propheten hingewiesen und der Prophet wird beauftragt ihnen bekannt zu geben:
Es reicht nicht, wenn ihr sagt: Wir folgen Moses und Jesus. Wahrer Glaube zeigt sich dann, wenn die Gebote Gottes im Leben ausgeführt werden.
Gott hat im Laufe der Geschichte viele Propheten gesandt. Die Ablehnung eines neuen Propheten war daher ein Zeichen für religiösen und ethnischen Eigensinn. Dieser hielt die Menschen davon ab, sich weiter zu entfalten und führte zur Verdeckung der Wahrheit. Deshalb betont Gott in diesem Vers, dass die Menschen an alle heiligen Schriften glauben sollen. Und Er sagt zum Propheten, dass viele der Schriftbesitzer den Koran nicht anerkennen wollen und bewusst ungläubig sind. Deshalb soll er, der Prophet nicht bekümmert sein, Gott wird über das Tun der Ungläubigen richten.

Zum Abschluss noch die folgenden Punkte:
Erstens: Wer nicht nach seiner Religion handelt, besitzt in Wirklichkeit keine.
Zweitens: Gott bewertet die Menschen nach ihrer Treue gegenüber den religiösen Geboten.
Drittens: Wir sollten keinen blinden Eifer zeigen, sondern sowohl die berechtigten Überzeugungen der anderen achten, als auch unseren eigenen Weg verfolgen.

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