Sure Al Ma'idah (Tisch) Verse 81- 83

In diesem Teil folgt die Erklärung der Verse 81 bis 83 der Sure 5, Al Ma'idah.
Der Vers 81 der Sure 5 lautet übersetzt:
(5: 81- 83)

وَلَوْ كَانُوا يُؤْمِنُونَ بِاللَّـهِ وَالنَّبِيِّ وَمَا أُنزِلَ إِلَيْهِ مَا اتَّخَذُوهُمْ أَوْلِيَاءَ وَلَـٰكِنَّ كَثِيرًا مِّنْهُمْ فَاسِقُونَ 
„Und wenn sie an Gott und den Propheten und das, was zu ihm (als Offenbarung) herab gesandt worden ist, glauben würden, würden sie sich die Gottesleugner niemals zu Freunden und Verwaltern nehmen. Aber viele von ihnen sind Frevler." (5: 81) 

Im Vers 80 heißt es, dass viele Juden mit den Ungläubigen Freundschaft schließen und damit den Zorn Gottes auf sich ziehen. Im Vers 81 der 5. Sure heißt es nun, dass wenn sie sich Gottesleugner zu Freunden nehmen und ihre Herrschaft akzeptieren, dies in Wahrheit zeigt, dass sie nicht an Gott, den Propheten und die Himmelschrift glauben, denn wie wäre der Glaube an Gott und eine enge Freundschaft mit den Gottesleugnern vereinbar?
Dieser Vers enthält damit auch den Hinweis darauf, dass diese Juden nicht einmal richtig an ihre eigene Heilige Schrift, die Thora, glaubten und gegen deren Inhalt verstießen.

Wir entnehmen dem Vers 81 der Sure 5:

Erstens: Die Befreiung aus der Vorherrschaft der Gottesleugner und die Erreichung wahrer Unabhängigkeit ist durch den Glauben an Gott und die Himmelschriften möglich.
Zweitens: Es ist ein Zeichen für Mangel an Religiosität und den Bruch mit Gottes Geboten, die Vorherrschaft der Gottesleugner zu akzeptieren und Kompromisse mit ihnen zu schließen.

Der Vers 82 der Sure Al Ma'idah kann wie folgt übersetzt werden:

لَتَجِدَنَّ أَشَدَّ النَّاسِ عَدَاوَةً لِّلَّذِينَ آمَنُوا الْيَهُودَ وَالَّذِينَ أَشْرَكُوا ۖ وَلَتَجِدَنَّ أَقْرَبَهُم مَّوَدَّةً لِّلَّذِينَ آمَنُوا الَّذِينَ قَالُوا إِنَّا نَصَارَىٰ ۚ ذَٰلِكَ بِأَنَّ مِنْهُمْ قِسِّيسِينَ وَرُهْبَانًا وَأَنَّهُمْ لَا يَسْتَكْبِرُونَ 
„(Prophet!) Du wirst sicher finden, dass diejenigen Menschen, die sich den Gläubigen gegenüber am meisten feindlich zeigen, die Juden und die Götzenanbeter sind. Und du wirst sicher finden, dass diejenigen, die den Gläubigen in Freundschaft am nächsten stehen, die sind, welche sagen: Wir sind Nasara (Christen). Dies deshalb weil es unter ihnen Priester und Mönche gibt, und weil sie nicht hochmütig sind." (5: 82)

Wie in den historischen Überlieferungen steht, zog 5 Jahre nach der Berufung Mohammads (s.a.a.s.) zum Propheten, eine Gruppe von Muslimen nach Abessinien. Der Prophet hatte sie zur Auswanderung angewiesen, damit sie vor den Misshandlungen der Götzendiener in Mekka sicher sind. In Abessinien herrschte der christliche König Nadschaschi. Er empfing die Muslime sehr freundlich und als die Götzendiener aus Mekka Leute schickten, welche die Auslieferung der Muslime forderten, war er nicht dazu bereit. Er und die Priester an seinem Hof waren gerührt von den Worten der Muslime. Mit Tränen in den Augen hörten sie zu, als ihnen Dschafar Ibn Abi Taleb, der Anführer der Muslimgruppe die Sure Maryam über die Mutter Jesu vortrug.
Der christliche König von Abessinien unterstützte die muslimischen Immigranten, während die Juden in Medina, welche anfangs ein Bündnis mit den Muslimen geschlossen hatten, nach der Einwanderung des Propheten Vertragsbruch begingen. In einem Komplott gegen die Muslime, verbündeten sie sich mit den Götzendienern, und zettelten einen Krieg, den Ahzab-Krieg, an.
Der Koran zieht einen Vergleich zu diesem unterschiedlichen Verhalten und sagt dem Propheten und den Muslimen: Die Christen stehen euch näher, denn unter ihnen gibt es Gelehrte und Gottesanbeter, die bescheiden sind und sich der Wahrheit beugen, während die Juden in Medina euch nicht unterstützen, sondern zusammen mit den Götzenanbetern hinterlistige Pläne gegen euch schmieden.

Folgende drei Rückschlüsse lassen sich aus dem Inhalt von Vers 82 der Sure 5 ziehen:

Erstens: Die Anfeindung der Muslime durch die Juden wiederholt sich in der Geschichte mehrfach und ist in ihr verwurzelt. Heute hält eine Gruppe von ihnen Palästina besetzt und hat viele der Einwohner vertrieben. Auch damals in Medina wollten Juden die Muslime vertreiben, aber es gelang ihnen nicht.
Zweitens: Die Gelehrten und Gottesdiener besitzen eine Schlüsselrolle, durch die sie dem kollektiven Verhalten von Völkern und Nationen eine Richtung geben. Ihre Rechtschaffenheit wirkt sich heilend auf die Gesellschaft aus, während ihre Verdorbenheit der Gesellschaft Verderben bringt.
Drittens: Der Islam lehnt eine fanatische Einstellung ab. Er geht fair und gerecht mit den Anhängern der anderen Religionen um.

Der Inhalt des Verses 83, Sure 5 heißt in der deutschen Übersetzung:

وَإِذَا سَمِعُوا مَا أُنزِلَ إِلَى الرَّسُولِ تَرَىٰ أَعْيُنَهُمْ تَفِيضُ مِنَ الدَّمْعِ مِمَّا عَرَفُوا مِنَ الْحَقِّ ۖ يَقُولُونَ رَبَّنَا آمَنَّا فَاكْتُبْنَا مَعَ الشَّاهِدِينَ 
„Wenn sie (die Gelehrten und christlichen Gottesdiener) hören, was zu dem Gesandten (als Offenbarung) herabgekommen ist, siehst du, wie ihre Augen auf Grund der Kenntnis der Wahrheit, von Tränen überfließen. Sie sagen: Herr! Wir glauben! Verzeichne uns unter der Gruppe derer, die die Wahrheit bezeugen!" (5: 83)

Im Zusammenhang mit dem vorhergehenden Vers 82 haben wir bereits gesagt, dass die Christen am Hofe des abessinischen Königs zu Tränen gerührt waren, als sie Dschafar Ebne Abi Taleb die Sure Maryam vortragen hörten. Als die Muslime später Abessinien wieder verließen, schloss sich ihnen eine Gruppe von Christen an. Sie trafen mit dem Propheten des Islam in Mekka zusammen. Als der Prophet Mohammad (s.a.a.s.) ihnen die Sure Ya-Sin, die 36. Koransure, vortrug, waren sie erneut zu Tränen gerührt.

Der Koran lobt hier die Christen, die sich von den Zeichen der Wahrheit rühren lassen, und deren Herzen für den Koran empfänglich sind. Gefühlsregungen sind wertvoll und tiefgehend, wenn sie mit Erkenntnis einhergehen. Der Vers 83 zeigt, dass der Mensch die Wahrheit liebt. Er zeigt, dass er, wenn seine Seele unversehrt ist, die Wahrheit erkennt und wie ein Kind, das nach Jahren seine Mutter wieder sieht, bei ihrem Anblick in Freudentränen ausbricht.

Wir können aus dieser Koranstelle lernen:

Erstens: Die Vervollkommnung des Menschen ist von der mit Liebe einhergehenden Erkenntnis abhängig, denn durch eine solche Erkenntnis werden Herz und Verstand zufrieden gestellt.
Zweitens: Wenn das Herz vorbereitet ist, legt der Mensch einen Weg von hundert Jahren in einer Nacht zurück. Wie viele Muslime waren jahrelang an der Seite des Propheten, ohne je die Wahrheit erkannt zu haben. Ihr Glaube war nur ein Lippenbekenntnis. Unterdessen konnten sich die wissenden Gefühle einiger Christen schon nach wenigen vorgetragenen Offenbarungsworten so sehr regen, dass Gott sie dafür lobte.

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