Sure Al Ma'idah (Tisch) Verse 98- 102

„In Richtung Licht" beginnt in diesem Teil mit der Übersetzung der Verse 98 und 99 der Sure 5, Sure Al Ma'idah: (5: 98- 102)

اعْلَمُوا أَنَّ اللَّـهَ شَدِيدُ الْعِقَابِ وَأَنَّ اللَّـهَ غَفُورٌ رَّحِيمٌ 
„Ihr müsst wissen, dass Gott schwere Strafen verhängt, dass er aber (auch) barmherzig ist und bereit zu vergeben." (5: 98)

مَّا عَلَى الرَّسُولِ إِلَّا الْبَلَاغُ ۗ وَاللَّـهُ يَعْلَمُ مَا تُبْدُونَ وَمَا تَكْتُمُونَ 
„(Ihr müsst auch wissen:) Der Gesandte hat nur die Botschaft auszurichten. Und Gott weiß, was ihr kundgebt, und was ihr verborgen haltet." (5: 99) 

Einige der Muslime glaubten, dass der Prophet die Gebote, die er ihnen hinsichtlich der Pilgerreise und anderer religiöser Angelegenheiten gab, von ihm selber aufgestellt worden seien, und er auch Belohnung und Strafe festlege. Aber Gott antwortete durch die Offenbarung dieses Koranverses auf die falschen Vorstellungen, und in diesem Vers heißt es, dass der Gesandte nur den Auftrag hatte, eine Botschaft zu überbringen und alle Gebote von Gott sind. Der Prophet teilt nur die Offenbarung Gottes mit und ändert nichts an Seinen Geboten.
Auch Belohnung und Strafe werden nur von Gott festgelegt, und der Prophet kann diese nicht ändern. Gott belohnt jeden, der seine Pflicht erfüllt und bestraft denjenigen, der Seine Gebote nicht befolgt.
Gott weiß, wer wahrhaftig glaubt bzw. wer ungläubig ist und nur nach außen hin vortäuscht gläubig zu sein.

Aus der Koranstelle Vers 98 und 99 der Sure 5 entnehmen wir:

Erstens: Ein Gläubiger sollte immer sowohl Furcht als auch Hoffnung in sich tragen, nämlich Furcht vor der Strafe für Sünden und Hoffnung auf göttliche Vergebung.
Zweitens: Aufgabe des Propheten ist die Verkündigung der Religion, er hat nicht die Aufgabe die Menschen zur Annahme des Glaubens zu zwingen.
Drittens: Für Gott ist es unbedeutend, ob etwas offenkundig ist oder im Verborgenen liegt. Er weiß alles. Heuchelei ist also sinnlos.

Der 100. Vers der Sure Al Mai'dah besagt auf Deutsch:

قُل لَّا يَسْتَوِي الْخَبِيثُ وَالطَّيِّبُ وَلَوْ أَعْجَبَكَ كَثْرَةُ الْخَبِيثِ ۚ فَاتَّقُوا اللَّـهَ يَا أُولِي الْأَلْبَابِ لَعَلَّكُمْ تُفْلِحُونَ 
„(Prophet!) Sag: Das Schlechte und das Gute sind nicht gleich (zu setzen), auch wenn die Menge des Schlechten dir (Eindruck machen und) gefallen sollte. Fürchtet Gott, die ihr Verstand habt! Vielleicht wird es euch wohl ergehen!" (5: 100)

Was einige Gläubige - im Laufe der Geschichte - immer wieder im Glauben zu schwächen drohte, war die große Zahl der Ungläubigen und die geringere Zahl der Gläubigen. In diesem Koranvers heißt es nun gerichtet an den Propheten: Recht und Wahrheit lassen sich nicht an der Mehrheit messen. Wenn die Mehrheit in einer Gesellschaft einen anderen Weg wählt als den der Religion und der Propheten, verliert dennoch diese Religion nicht ihren Wahrheitsgehalt. Recht und Wahrheit sind das, was von Gott kommt und was vom menschlichen Verstand als gut empfunden wird.
Deshalb heißt es in diesem Vers, gerichtet an die klugen Menschen, die ihren Verstand gebrauchen:
Ihr müsst auf Gott und das, was von Ihm kommt achten, wenn ihr Wohl und Glück erreichen wollt. Dies ist der richtige Maßstab zur Feststellung von Recht und Unrecht. Denn niemals wird das Hässliche dem Schönen, das Schmutzige dem Reinen, das Schlechte dem Guten gleich zu setzen sein, selbst wenn es in einer Gesellschaft in der Mehrheit ist.
Wird denn etwa hässliches Tun schön, nur weil es von den meisten befürwortet wird?

Aus dem Vers 100 der Sure 5 lernen wir:

Erstens: In der Mehrheit zu sein, bedeutet nicht immer, im Recht zu sein. Wer in der Mehrheit ist, ist nicht unbedingt besser als die in der Minderheit. Daher ist es nicht richtig und entspricht auch nicht dem Koran, wenn sich manche nach der Redensart verhalten: ‚Wenn du dich nicht bloßstellen willst, dann passe dich der Mehrheit an.'
Zweitens: Alle Menschen besitzen einen Verstand, aber viele von ihnen handeln nicht nach ihm, sondern orientieren sich an der Mehrheit. Ihr Verhalten ist, auch wenn es dem der Mehrheit entspricht, nicht entschuldbar.
Drittens: Für Glück und Wohl sind nicht nur Vernunft, sondern auch Glaube und Gottesfurcht notwendig. Mit ihnen kann der Mensch aufgrund der göttlichen Maßstäbe Recht und Unrecht voneinander unterscheiden und richtige Entschlüsse fassen.

Die Verse 101 und 102 der 5. Koransure lassen sich wie folgt übersetzen:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا لَا تَسْأَلُوا عَنْ أَشْيَاءَ إِن تُبْدَ لَكُمْ تَسُؤْكُمْ وَإِن تَسْأَلُوا عَنْهَا حِينَ يُنَزَّلُ الْقُرْآنُ تُبْدَ لَكُمْ عَفَا اللَّـهُ عَنْهَا ۗ وَاللَّـهُ غَفُورٌ حَلِيمٌ
„Ihr Gläubigen! Fragt (den Propheten) nicht nach Dingen, die, wenn sie euch kundgetan werden, euch leid tun, und die, wenn ihr zu der Zeit, da der Koran herab gesandt wird (d.h. wenn eine Offenbarung erfolgt), nach ihnen fragt, euch (ohnedies) kundgetan werden! Gott verzeiht eure unangemessenen Fragen. Er ist milde und bereit zu vergeben." (5: 101)

قَدْ سَأَلَهَا قَوْمٌ مِّن قَبْلِكُمْ ثُمَّ أَصْبَحُوا بِهَا كَافِرِينَ
„(Schon) vor euch haben Leute danach gefragt. Aber dann glaubten sie (doch) nicht daran (weil sie nicht vermochten danach zu handeln)." (5: 102)

Fragen sind Schlüssel zum Wissen, aber manchmal sind Fragen auch unangebracht und können sogar schaden. Über die religiösen Angelegenheiten sprach der Prophet also in dem Maße, wie es für die Gläubigen nötig war.
Denn wenn Fragen zu sehr in Einzelheiten gehen kann ihre Beantwortung Probleme in der Gesellschaft bringen. Allzu viele Fragen können andererseits damit begründet sein, dass jemand eine Ausrede finden will, um sich einer Pflicht zu entziehen, anstatt ihr nachzukommen.
Für so einen Fall gab es in der Sure 2 ein Beispiel: Moses wies die Israeliten an, eine Kuh zu schlachten. Aber sie wollten sich herausreden und so stellten sie dauernd neue Fragen, z.B.: Wie soll die Kuh denn sein? Welche Farbe soll sie haben? Wie alt muss sie sein? usw., usw.. Und als sie auf alle Fragen eine Antwort erhalten hatten, war es sehr schwierig geworden eine Kuh mit diesen Merkmalen zu finden.
In den Überlieferungen heißt es:
Als der Prophet einmal über die Pilgerreise sprach, fragte einer der Muslime: Ist der Hadsch jedes Jahr Pflicht oder nur einmal im Leben? Der Prophet gab keine Antwort, aber der Fragesteller ließ nicht nach und wiederholte seine Frage noch mehrmals hintereinander. Da sagte der Prophet: Warum bestehst du derartig auf dieser Frage? Wenn es nötig gewesen wäre, jedes Jahr auf Pilgerreise zu gehen, hätte ich es bestimmt gesagt.

Wir entnehmen den Versen 101 und 102 der Sure Al Ma'idah:

Erstens: Es geht nicht darum alles zu wissen, denn das ist nicht immer sinnvoll. Wir müssen nach nützlichem Wissen suchen. Es ist nicht erforderlich etwas zu wissen, was zu Streit und Problemen in der Gesellschaft führt.
Zweitens: Es ist ein Zeichen für die Barmherzigkeit Gottes, dass Er für den Menschen vieles nicht zur Pflicht gemacht hat.
Wenn den Menschen alle Wahrheiten aufgedeckt würden, die sie noch nicht verstehen können, würde dies zu deren Unglauben führen.

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