Sure Al Ma'idah (Tisch) Verse 103- 105

Die Fortsetzung dieser Koran-Kurzexegese geht weiter mit einer Übersetzung des Verses 103 der Sure 5. Auf Deutsch heißt es da: (5: 103- 105)

مَا جَعَلَ اللَّـهُ مِن بَحِيرَةٍ وَلَا سَائِبَةٍ وَلَا وَصِيلَةٍ وَلَا حَامٍ ۙ وَلَـٰكِنَّ الَّذِينَ كَفَرُوا يَفْتَرُونَ عَلَى اللَّـهِ الْكَذِبَ ۖ وَأَكْثَرُهُمْ لَا يَعْقِلُونَ 
„Gott hat weder eine Bahira noch eine Sa'iba noch eine Waßila noch einen Hami bestimmt. Aber diejenigen, die ungläubig sind, ersinnen gegen Gott Lügen (die aus der Zeit der Unwissenheit stammen). Und die meisten von ihnen haben keinen Verstand." (5: 103) 

In den islamischen Überlieferungen steht über die Götzenanbeter geschrieben, dass sie das Verzehren bestimmter Tiere (Bahira, Sa'iba, Waßila und Hami) für verboten hielten, wobei sie behaupteten, dass Gott dieses Verbot aufgestellt hätte. (Bahira - eine Kamelstute, sie hatte 5 Junge geworfen - das Ohr wurde ihr aufgeschlitzt und sie wurde freigelassen. Sa'iba - ein Kamel, dass als Einlösung eines Gelöbnisses freigelassen wurde. Waßila - ein Schafhammel, der mit einem weiblichen Zwilling zur Welt kam, wurde nicht getötet.
Hami - ein Kamelhengst, der 10 Mal zur Begattung herangezogen wurde, wurde nicht mehr benutzt und freigelassen.)
Auch die göttlichen Religionen haben das Verzehren von bestimmten Tieren nicht erlaubt. Aber es steht dem Menschen nicht zu darüber zu bestimmen, was religiös erlaubt und was religiös verboten ist. Der Mensch, die Tiere und alle anderen Geschöpfe sind von Gott erschaffen und nur Er kann verbieten bzw. erlauben. Gott erlaubt grundsätzlich die Nutzung aller Möglichkeiten im Dasein, ob es sich um Pflanzen oder Tiere oder um seelenlose Materie handelt. Ausgenommen ist das, was eindeutig durch Seine - dem Propheten des Islam offenbarten - Anweisungen verboten wird. Aber die Menschen vermischen allzu oft Aberglauben mit den göttlichen Geboten. Deshalb müssen die Gelehrten jeder monotheistischen Religion darum bemüht sein, die göttlichen Gebote vom Aberglauben zu trennen.

Wir entnehmen dem Vers 103 der Sure 5:

Erstens: Wenn Gesetze und Regeln in der Gesellschaft den Geboten und Anweisungen Gottes entgegenstehen, ist dies eine Art Abtrünnigkeit von der wahren Religion und ein Zeichen sowohl für Unglauben als auch für Unvernunft. Nicht nur der, der die Existenz Gottes leugnet ist ein Ungläubiger (‚kafir'), sondern auch der, der eine Irrlehre aufstellt.
Zweitens: Es ist nicht richtig, Tiere, deren Nutzung uns erlaubt wurde, nicht zu nutzen.

Im Vers 104 der Sure 5 heißt es nun sinngemäß:

وَإِذَا قِيلَ لَهُمْ تَعَالَوْا إِلَىٰ مَا أَنزَلَ اللَّـهُ وَإِلَى الرَّسُولِ قَالُوا حَسْبُنَا مَا وَجَدْنَا عَلَيْهِ آبَاءَنَا ۚ أَوَلَوْ كَانَ آبَاؤُهُمْ لَا يَعْلَمُونَ شَيْئًا وَلَا يَهْتَدُونَ 
„Wenn man zu ihnen sagt: Kommt her zu dem, was Gott (als Offenbarung) herabgesandt hat, und zum Gesandten!, sagen sie: 'Uns genügt das, was wir als Brauch unserer Väter vorgefunden haben.' Aber angenommen, ihre Väter wussten nichts und waren nicht rechtgeleitet?" (5: 104)

Im Anschluss an den Vers 103 der Sure Al Ma'idah heißt es nun in Vers 104:
Immer wenn den Götzenanbetern, die abergläubisch sind und einem Irrglauben anhängen, gesagt wird, wendet Euch vom Aberglauben ab und kehrt um zu den Geboten Gottes, geben sie keine logische Begründung für ihr Verhalten, sondern sagen: ‚Unsere Vorfahren haben so gehandelt und deshalb handeln wir genau so.' Der Koran stellt aber darauf die Frage: Glaubt ihr denn, dass jeder Brauch eurer Vorfahren richtig ist, sodass ihr ihn nachahmt? Haben sie nicht getan, was unlogisch und unvernünftig war.

Wir lernen aus dieser Stelle im Koran:
Erstens: Die göttlichen Gebote besitzen Echtheit und Berechtigung. Sitten und Kultur der Vorfahren sind oftmals falsch.

Zweitens: Eine Orientierung an althergebrachten Traditionen ist nicht immer der richtige Weg, ebenso wenig wie die ausschließliche Orientierung an allem, was neu ist. Vielmehr ist eine Orientierung nach Wissen, Vernunft und göttlicher Rechtleitung der beste Weg.
Blindes Nachahmen spricht für Unvernunft.

Hier nun eine Übersetzung des Verses 105 der Sure Al Ma'idah:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا عَلَيْكُمْ أَنفُسَكُمْ ۖ لَا يَضُرُّكُم مَّن ضَلَّ إِذَا اهْتَدَيْتُمْ ۚ إِلَى اللَّـهِ مَرْجِعُكُمْ جَمِيعًا فَيُنَبِّئُكُم بِمَا كُنتُمْ تَعْمَلُونَ
„Ihr Gläubigen! Haltet euch an euch selber (und kümmert euch nicht zu sehr um die anderen)! Es kann euch nicht schaden, wenn einer irregeht, wenn ihr (selber dabei) rechtgeleitet seid. Zu Gott werdet ihr allesamt zurückkehren. Und dann wird Er euch Kunde geben über das, was ihr getan habt." (5: 105)

Während zuvor die Götzendiener aufgefordert wurden, sich nicht mehr blindlings an ihren Vorfahren zu orientieren und dem Aberglauben zu frönen, richtet sich der Vers 105 der Sure Al Ma'idah nun an die Gläubigen und es heißt:
Es ist zwar eure Aufgabe denen, die auf Abwege gerieten zu sagen, was gut und schlecht ist, aber wenn dies nutzlos ist, so seid nicht enttäuscht. Bewahrt eure eigene Religion, dann wird Gott euch vor ihrem Übel und ihren Taten schützen. Am Jüngsten Tag wird über euer und ihr Tun gerichtet.
Ein gläubiger Mensch sollte immer an sich selber arbeiten, damit er eine Wirkung auf die anderen haben kann. Umgekehrt soll er sich nicht von den anderen negativ beeinflussen lassen. Der Vers 105 der Sure 5 betont also, dass die Gläubigen ihren eigenen Glauben stärken sollen.

Es sind mindestens 4 Punkte, die wir dieser Koranstelle entnehmen können:

Erstens: Die vorrangige Aufgabe eines Gläubigen ist es, sich selbst und seine eigenen Triebe und Wünsche zu kontrollieren. Er muss seine eigenen Triebe beherrschen, damit er in der Lage ist, gegenüber den unangemessenen Wünschen der anderen Widerstand zu leisten.
Zweitens: Wenn andere sündigen ist dies keine Genehmigung dafür, dass die Gläubigen auch sündigen. Auch in einer unmoralischen Gesellschaft müssen die Gläubigen sich der Sünden enthalten.
Drittens: Am Jüngsten Tag ist jeder für das, was er selber getan hat verantwortlich. Niemand übernimmt die Sündenlast eines anderen.
Viertens: Wenn der Mensch an das Jüngste Gericht glaubt, wird er sich seiner Pflichten gegenüber sich selbst und der Gesellschaft bewusst und er verspürt Verantwortung.

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