Sure An Nissa (Frauen) Verse 100- 103

Wir sind bei Vers 100 der Sure 4, Sure An Nissa angekommen, dessen Übersetzung lautet: (4: 100- 103)

وَمَن يُهَاجِرْ فِي سَبِيلِ اللَّـهِ يَجِدْ فِي الْأَرْضِ مُرَاغَمًا كَثِيرًا وَسَعَةً ۚ وَمَن يَخْرُجْ مِن بَيْتِهِ مُهَاجِرًا إِلَى اللَّـهِ وَرَسُولِهِ ثُمَّ يُدْرِكْهُ الْمَوْتُ فَقَدْ وَقَعَ أَجْرُهُ عَلَى اللَّـهِ ۗ وَكَانَ اللَّـهُ غَفُورًا رَّحِيمًا
"Jeder, der um Gottes willen (zur Wahrung der Religion) auswandert, findet auf der Erde viel Gelegenheit und Raum. Und wenn einer sein Haus verlässt, um zu Gott und seinem Gesandten auszuwandern, und ihn hierauf der Tod ereilt, so liegt es bei Gott, ihn zu belohnen. Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben." (4: 100) 

Im letzten Teil sagten wir, ein gläubiger Mensch liebt seine Heimat nicht so sehr, dass er sie über den Glauben stellt. Das Wichtigste für ihn ist die Anbetung Gottes und nicht die Verehrung des Vaterlandes. Wenn er seine Religion in seiner Heimat nicht leben und seinen Glauben dort nicht wahren kann, muss er auswandern. Dieser Vers sagt, die Erde Gottes ist sehr groß und wer wegen Gott seine Heimat verlässt, dem wird Er helfen. Auch wenn der Gläubige bei der Auswanderung ums Leben kommt, so wird Gott ihn belohnen. Er wird auf keinen Fall Schaden dadurch erleiden.
In diesem Vers geht es zwar um die Hidschra zur Wahrung der Religion, aber im Grunde sind damit alle Auswanderungen die aus gottgefälligen Motiven heraus geschehen, gemeint. Wie zum Beispiel die Auswanderung zum Erwerb von Wissen und die Auswanderung zur Verbreitung der Religion.
Wir können also dem Vers 100 der Sure 4 entnehmen:
Erstens: Wir sind für die Erfüllung von Pflichten verantwortlich, zum Beispiel sind wir zur Auswanderung verpflichtet, wenn dies notwendig ist.
Zweitens: Wir sollten uns für Wege entscheiden, für die Gott uns belohnt, selbst wenn uns auf diesem Weg der Tod erreichen könnte.

Der Vers 101 der Sure An Nissa lautet:

وَإِذَا ضَرَبْتُمْ فِي الْأَرْضِ فَلَيْسَ عَلَيْكُمْ جُنَاحٌ أَن تَقْصُرُوا مِنَ الصَّلَاةِ إِنْ خِفْتُمْ أَن يَفْتِنَكُمُ الَّذِينَ كَفَرُوا ۚ إِنَّ الْكَافِرِينَ كَانُوا لَكُمْ عَدُوًّا مُّبِينًا 
"Und wenn ihr im Land unterwegs seid, ist es für euch keine Sünde, das Gebet abzukürzen, falls ihr fürchtet, dass diejenigen, die ungläubig sind, euch zu schaffen machen. Die Ungläubigen sind euch ein deutlicher Feind." (4: 101)

Mit diesem Koranvers wird den Kämpfern und Auswanderern auf dem Wege Gottes erlaubt, das Gebet zu kürzen. Die Muslime zu Beginn des Islam legten sehr großen Wert auf die täglichen Gebete, und betrachteten es als eine Sünde, diese abzukürzen. Doch Gott gebot ihnen durch die Offenbahrung dieses Verses, die Gebete während des Djihads und während der Hidschra (der Auswanderung) abzukürzen, - d.h. also in Situationen, in denen Gefahr durch die Feinde des Islam droht. Später wurde dieser Koranvers auf jede Art der Reise bezogen. Jeder Reisende muss die Gebete kürzen. Die Gebete mit 4 Raka`(Gebetsabschnitte) werden auf zwei Raka`gekürzt.

Wir können aus diesem Vers folgendes ableiten:
Erstens: Auch beim Gebet dürfen die Gläubigen den Feind nicht außer Acht lassen. Wenn die islamische Gesellschaft in Gefahr gerät, so können sie die Gebete kürzen, damit der Feind den Muslimen nicht schaden kann.
Zweitens: Das tägliche Gebet wird nie aufgehoben, auch nicht wenn Gefahr besteht. Auch dann ist es Pflicht, wird aber verkürzt.

Hier nun die Verse 102 und 103 in ihrer Übersetzung:

وَإِذَا كُنتَ فِيهِمْ فَأَقَمْتَ لَهُمُ الصَّلَاةَ فَلْتَقُمْ طَائِفَةٌ مِّنْهُم مَّعَكَ وَلْيَأْخُذُوا أَسْلِحَتَهُمْ فَإِذَا سَجَدُوا فَلْيَكُونُوا مِن وَرَائِكُمْ وَلْتَأْتِ طَائِفَةٌ أُخْرَىٰ لَمْ يُصَلُّوا فَلْيُصَلُّوا مَعَكَ وَلْيَأْخُذُوا حِذْرَهُمْ وَأَسْلِحَتَهُمْ ۗ وَدَّ الَّذِينَ كَفَرُوا لَوْ تَغْفُلُونَ عَنْ أَسْلِحَتِكُمْ وَأَمْتِعَتِكُمْ فَيَمِيلُونَ عَلَيْكُم مَّيْلَةً وَاحِدَةً ۚ وَلَا جُنَاحَ عَلَيْكُمْ إِن كَانَ بِكُمْ أَذًى مِّن مَّطَرٍ أَوْ كُنتُم مَّرْضَىٰ أَن تَضَعُوا أَسْلِحَتَكُمْ ۖ وَخُذُوا حِذْرَكُمْ ۗ إِنَّ اللَّـهَ أَعَدَّ لِلْكَافِرِينَ عَذَابًا مُّهِينًا
"Und wenn du (Prophet) dich im Djihad unter den Muslimen befindest und das Gebet verrichten willst, dann soll sich (gleichzeitig nur) eine Gruppe von ihnen mit dir (zum Gebet) aufstellen, und sie sollen ihre Waffen griffbereit halten. Wenn sie sich dann niedergeworfen (und das Gebet beendet haben) sollen sie nach hinten (zur Wache) abtreten, und die andere Gruppe, die (noch) nicht gebetet hat, soll (nach vorne) kommen. Und sie (die andere Gruppe) sollen dann (ebenfalls) mit dir beten und ihre Waffen griffbereit halten. Diejenigen, die ungläubig sind, möchten gern, dass ihr auf eure Waffen und eure Sachen nicht acht gebt, damit sie alle auf einmal über euch hereinbrechen können. Es ist (allerdings) für euch keine Sünde, eure Waffen abzulegen, wenn ihr unter Regenwetter zu leiden habt oder krank seid. Aber seid (auf jeden Fall) auf eurer Hut. Gott hält für die Ungläubigen eine erniedrigende Strafe bereit. (4: 102) 

فَإِذَا قَضَيْتُمُ الصَّلَاةَ فَاذْكُرُوا اللَّـهَ قِيَامًا وَقُعُودًا وَعَلَىٰ جُنُوبِكُمْ ۚ فَإِذَا اطْمَأْنَنتُمْ فَأَقِيمُوا الصَّلَاةَ ۚ إِنَّ الصَّلَاةَ كَانَتْ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ كِتَابًا مَّوْقُوتًا 
Wenn ihr nun das Gebet vollzogen habt, dann gedenket Gottes im Stehen, Sitzen und auf der Seite (liegend)! Und wenn ihr in Ruhe und Sicherheit seid (und den Feind nicht mehr zu fürchten braucht), dann verrichtet das Gebet vollständig! In der Tat! Das Gebet ist für die Gläubigen eine (auf bestimmte Zeiten?) festgelegte Vorschrift."
(4: 103)

Im vorherigen Vers wurde das Gebot für die Kürzung der Gebete auf Reisen genannt, in diesem Vers wird nun die Art, wie das Gemeinschafsgebet während des Krieges zu beten ist, beschrieben. Es heisst eine Gruppe betet mit dem Gebetsimam und mit griffbereiten Waffen. Sie beten den ersten Abschnitt zusammen mit dem Gebetsimam und den zweiten alleine. Wenn ihr Gebet zu Ende ist, tritt eine andere Gruppe an ihre Stelle um den zweiten Abschnitt in Gemeinschaft mit dem Gebetsimam zu beten. Wichtig ist: Alle müssen das Gebet verrichten. Gleichzeitig dürfen sie aber auch nicht für einen Augenblick den Feind vergessen und ihre Waffen weglegen.

Wir entnehmen dieser Koranstelle:
Erstens: Das Gemeinschafsgebet ist so wichtig, dass auch im Krieg in Gemeinschaft gebetet werden sollte.
Zweitens: Immer ist Wachsamkeit geboten. Auch das Gebet darf die Muslime nicht von der Gefahr durch den Feind ablenken.
Drittens: Die Festlegung einer bestimmten Zeit für das Gebet, führt die Gläubigen zu Ordnung und Disziplin.

Zugriffe: 1094