Sure An Nissa (Frauen) Verse 110- 114

Der Vers 110 der Sure 4, Sure An Nissa steht zu Anfang dieses Abschnittes der Koranauslegung und bedeutet in deutscher Übersetzung: (4: 110- 114)

وَمَن يَعْمَلْ سُوءًا أَوْ يَظْلِمْ نَفْسَهُ ثُمَّ يَسْتَغْفِرِ اللَّـهَ يَجِدِ اللَّـهَ غَفُورًا رَّحِيمًا 
"Und wenn einer Böses tut oder gegen sich selber frevelt und hierauf Gott um Vergebung bittet, wird er finden, dass Gott barmherzig ist und bereit zu vergeben." (4: 110)

Im letzten Beitrag hieß es, dass Gott die Gläubigen vor jeder Art des Betruges und vor der Unterstützung der Betrüger mahnt und sie an das Jüngste Gericht und die gerechte Bestrafung durch Ihn erinnert. In diesem Vers wird nun gesagt: Der Mensch kann Reue üben. Die Tore zur Reue stehen ihm offen.
Wenn jemand einem anderen etwas Böses angetan hat oder durch eine Sünde sich selber geschadet hat, kann er sich an Gott wenden. Gott verzeiht ihm. Dabei spielt es keine Rolle, ob er eine geringfügige oder eine schwere Sünde begangen hat. Für Gott ist wichtig, dass er wirklich bereit ist sie nicht zu wiederholen und um Verzeihung bittet. Wenn eine Sünde anderen materiellen oder gesundheitlichen Schaden zufügt, muss dieser natürlich wieder gut gemacht werden, damit Gott die Reue annimmt. Ohne Wiedergutmachung nützt Reue nichts.

Wir lernen aus dieser Stelle in der Sure An Nissa:
Erstens: Wer eine Sünde begeht, begeht in Wahrheit ein Unrecht gegen sich selber. Der Mensch aber hat nicht das Recht, Unrecht zu begehen, auch nicht gegen sich selber.
Zweitens: Gott verzeiht nicht nur die schlechten Taten, Er liebt auch den Reuevollen und ist barmherzig zu ihm.

Hier nun die Übersetzung der Verse 111 und 112 der Sure An Nissa:

وَمَن يَكْسِبْ إِثْمًا فَإِنَّمَا يَكْسِبُهُ عَلَىٰ نَفْسِهِ ۚ وَكَانَ اللَّـهُ عَلِيمًا حَكِيمًا 
"Und wer eine Sünde begeht, begeht sie zu seinem eigenen Nachteil. Gott weiß Bescheid und ist weise. (4: 111)

وَمَن يَكْسِبْ خَطِيئَةً أَوْ إِثْمًا ثُمَّ يَرْمِ بِهِ بَرِيئًا فَقَدِ احْتَمَلَ بُهْتَانًا وَإِثْمًا مُّبِينًا 
Und wer eine Verfehlung oder eine Sünde begeht und hierauf einen Unschuldigen damit in Verruf bringt, lädt damit die Last der Verleumdung und offenkundige Sünde auf sich." (4: 112)

Diese Verse betonen die schlimmen Folgen der Sünde und es heißt, dass sich ein Sünder in Wirklichkeit am meisten selber schadet. Ein Sünder verschmutzt seine ursprünglich reine von Gott gegebene Seele und verliert seine Lauterkeit. Dies ist der größte Schaden für einen Menschen. Außerdem ist es ein Gesetz der Gesellschaft, welches Gott gewollt hat, dass jedes Unrecht an anderen früher oder später den, der Unrecht begeht, einholt. D.h. noch in dieser Welt wird er sein Unrecht zu spüren bekommen.
Wichtig ist auch der Inhalt von Vers 112 der Sure 4. Es heißt nämlich: eigene Schuld auf andere abzuwälzen ist eine Art Rufmord an anderen.
Die Verse 111 und 112 der Sure 4 lehren uns:
Erstens: Sünde ist keine abgeschlossene Sache. Wenn der Mensch sündigt, dann ist damit der Fall für ihn nicht erledigt. Sünden hinterlassen Spuren in Geist und Seele des Menschen.
Zweitens: Jemand der andere verleumdet, lädt sich eine große Sündenschuld auf, denn er hat das Ansehen der anderen verletzt.

Der Vers 113 der Sure 4 kann wie folgt übersetzt werden:

وَلَوْلَا فَضْلُ اللَّـهِ عَلَيْكَ وَرَحْمَتُهُ لَهَمَّت طَّائِفَةٌ مِّنْهُمْ أَن يُضِلُّوكَ وَمَا يُضِلُّونَ إِلَّا أَنفُسَهُمْ ۖ وَمَا يَضُرُّونَكَ مِن شَيْءٍ ۚ وَأَنزَلَ اللَّـهُ عَلَيْكَ الْكِتَابَ وَالْحِكْمَةَ وَعَلَّمَكَ مَا لَمْ تَكُن تَعْلَمُ ۚ وَكَانَ فَضْلُ اللَّـهِ عَلَيْكَ عَظِيمًا 
"Und wenn nicht Gott seine Huld und Barmherzigkeit über dir hätte walten lassen, hätte eine Gruppe von ihnen dich am liebsten irregeführt. Aber sie führen (in Wirklichkeit) nur sich selber in die Irre und schaden dir nichts. Und Gott hat die Schrift und die Weisheit auf dich herabgesandt und hat dich gelehrt, was du (bisher) nicht wusstest. Die Huld, die Gott dir erwiesen hat, ist gewaltig". (4: 113)

Eine Gruppe von Götzenanbetern war zum Propheten des Islam gekommen und hatte gesagt: Wir geloben dir unsere Treue und nehmen deinen Glauben an, wenn du zwei Bedingungen erfüllst. Erstens verlange nicht von uns, dass wir mit eigenen Händen unsere Götzen zerstören und zweitens gestatte uns, dass wir noch ein Jahr lang den Götzen Azza anbeten.
Da wurde dem Propheten Vers 113 der Sure 4 geoffenbart und warnte ihn: Sie wollen nicht auf den rechten Weg geleitet werden, sondern wollen nur dich in die Irre führen. Dich habe ich die Schrift und Weisheit gelehrt, um dich vor jeder Abweichung zu bewahren.

Wieder lassen sich anhand dieser Koranstelle zwei Dinge herausstreichen:
Erstens: Gott hat den Propheten vor jedem Irrtum bewahrt. Das ist auch gemeint, wenn wir von Unfehlbarkeit der Propheten sprechen.
Zweitens: Lehrmeister des Propheten ist Gott. Es leuchtet daher ein, dass in seiner Lehre kein Fehler auftritt.

Hier nun die Auslegung des Verses 114 der Sure An Nissa, in dem es sinngemäß heißt:

 لَّا خَيْرَ فِي كَثِيرٍ مِّن نَّجْوَاهُمْ إِلَّا مَنْ أَمَرَ بِصَدَقَةٍ أَوْ مَعْرُوفٍ أَوْ إِصْلَاحٍ بَيْنَ النَّاسِ ۚ وَمَن يَفْعَلْ ذَٰلِكَ ابْتِغَاءَ مَرْضَاتِ اللَّـهِ فَسَوْفَ نُؤْتِيهِ أَجْرًا عَظِيمًا
"In vielem, was sie (insgeheim) besprechen, liegt nichts Gutes. Wenn jedoch einer zu einer Spende auffordert oder zu etwas Rechtem oder zu einer Aussöhnung zwischen den Menschen, und wenn einer dies im Streben nach Gottes Wohlgefallen tut, werden wir ihm (dereinst) gewaltigen Lohn geben." (4: 114)

Dieser Vers enthält den Hinweis auf das nicht schöne Vorgehen, nämlich geheime Gespräche zu führen. Außer in einigen Fällen, ist es nicht recht, geheime Gespräche zu führen. Sie sind nur erlaubt, wenn es z.B. um Hilfen für Bedürftige geht. Auch noch in anderen Koranversen wird empfohlen nicht offen sondern geheim zu spenden. Erlaubt sind sie auch wenn es darum geht, das Gute zu empfehlen, und die Wirkung größer ist, wenn dies unbemerkt geschieht.
Auch wenn es darum geht, einen Streit zu schlichten oder eine Versöhnung, zum Beispiel bei einem Ehestreit, herbei zu führen.
In den genannten Fällen geht es immer um den Schutz des Ansehens der anderen, und die Wahrung ihres gesellschaftlichen Ansehens.

Wir entnehmen dieser Koranstelle zwei wichtige Punkte:
Erstens: Bei der Regelung von gesellschaftlichen Angelegenheiten, ist der Schutz des guten Rufes das wichtigste Prinzip.
Zweitens: Eine Sache ist etwas wert, wenn sie auf aufrichtiger Absicht beruht. Gute Werke sollte man nach Möglichkeit insgeheim tun. Dies kommt einer aufrichtigen Gesinnung näher.

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