Sure An Nissa (Frauen) Verse 125- 128

Die Übersetzung der Koranverse 125 und 126 lautet: (4: 125- 128)

وَمَنْ أَحْسَنُ دِينًا مِّمَّنْ أَسْلَمَ وَجْهَهُ لِلَّـهِ وَهُوَ مُحْسِنٌ وَاتَّبَعَ مِلَّةَ إِبْرَاهِيمَ حَنِيفًا ۗ وَاتَّخَذَ اللَّـهُ إِبْرَاهِيمَ خَلِيلًا 
"Wer hätte eine bessere Religion, als wer sich Gott ergibt und dabei rechtschaffen ist und der Religion Abrahams folgt, eines Hanifen. Gott hat sich Abraham zum Freund genommen. (4: 125) 

وَلِلَّـهِ مَا فِي السَّمَاوَاتِ وَمَا فِي الْأَرْضِ ۚ وَكَانَ اللَّـهُ بِكُلِّ شَيْءٍ مُّحِيطًا 
Und Gott gehört (alles), was im Himmel und auf der Erde ist. Er umfasst alles." (4: 126) 

Bei der Betrachtung der vorherigen Verse haben wir gesehen, dass für die göttliche Belohnung zwei Voraussetzungen erfüllt sein müssen: Die eine ist der Glaube und die andere das rechtschaffene Handeln. Im eben genannten Vers der Sure 4 wird auf die Motivation eines rechtschaffenen und gläubigen Menschen hingewiesen und es heißt:
Der Glaube ist wertvoll und vollendet, der auf der aufrichtigen Ergebenheit gegenüber Gott beruht. Ein Lippenbekenntnis genügt nicht, sondern der Mensch muss sich mit seinem ganzen Sein Gott ergeben. Gute Werke werden erst dann von Gott akzeptiert, wenn der Wohltäter sie aufgrund aufrichtiger Absichten tut und um auf Gottes Wegen etwas Gutes zu tun. Ein gutes Werk das aufgrund heuchlerischer Absichten geschieht, wird von Gott nicht anerkannt.
Gott führt im Koran ein klares Beispiel eines aufrichtig gläubigen Menschen an, nämlich Ibrahim (Abraham). Er bezeichnet ihn als aufrichtigen Gottsuchenden und sagt: 'Ich habe ihn zu meinem Freund erwählt.'
Ibrahim - gegrüßet sei er - steht für Gott auf einer so hohen Stufe, dass Er ihn als Vorbild vorstellt und den Propheten des Islam beauftragt der Gott suchenden Lehre Ibrahims zu folgen. Die islamische Lehre welche hier als die beste Lehre vorgestellt wird, folgt demnach der Lehre Abrahams.
Folgende drei Schlüsse lassen sich aus der obigen Koranstelle ziehen:
Erstens: Der Kern der von Gott gesandten Religionen besteht in der Ergebenheit gegenüber Gott und seinen Wohltaten für den Menschen.
Zweitens: Auch wenn Gott die Menschen zu Glaube und guten Werken einlädt, ist Er auf keines von beiden angewiesen, denn Ihm gehören die Himmel und die Erde und seine Macht umfasst alles.
Drittens: Rechtmäßiges Handeln ohne Glaube ist genauso unvollständig wie Glaube ohne rechtmäßiges Handeln.

Die Übersetzung des Verses 127 der Sure 4 lautet:

وَيَسْتَفْتُونَكَ فِي النِّسَاءِ ۖ قُلِ اللَّـهُ يُفْتِيكُمْ فِيهِنَّ وَمَا يُتْلَىٰ عَلَيْكُمْ فِي الْكِتَابِ فِي يَتَامَى النِّسَاءِ اللَّاتِي لَا تُؤْتُونَهُنَّ مَا كُتِبَ لَهُنَّ وَتَرْغَبُونَ أَن تَنكِحُوهُنَّ وَالْمُسْتَضْعَفِينَ مِنَ الْوِلْدَانِ وَأَن تَقُومُوا لِلْيَتَامَىٰ بِالْقِسْطِ ۚ وَمَا تَفْعَلُوا مِنْ خَيْرٍ فَإِنَّ اللَّـهَ كَانَ بِهِ عَلِيمًا 
"(O Prophet) Man fragt dich um Auskunft über die Frauen. Sag: Gott gibt euch (hiermit) über sie Auskunft, und (weiter gibt darüber Auskunft) was euch in der Schrift über die weiblichen Waisen (verwaiste Mädchen und verwitwete Frauen), denen ihr nicht gebt, was für sie (vor)geschrieben ist, und die ihr zu heiraten gewillt seid, verlesen wird und (über) die minderjährigen (w.schwachen) Kinder (verlesen wird), und (Gottes Vorschrift) dass ihr die Waisen gerecht behandeln sollt. Wisset! Was ihr an Gutem tut, darüber weiß Gott Bescheid." (4: 127)

Zu Beginn der Sure An Nissa ("Die Frauen") wurde über die Heirats- und Erbschaftsregeln für Frauen gesprochen.
Hier nun wird der Prohet aufgefordert, die Männer daran zu erinnern, dass die Gebote über die Rechte der Frauen, die bereits dargelegt wurden, alle von Gott geoffenbart wurden und der Prophet keinen Einfluss darauf hat. Der Prophet ist nur Vermittler.
Nicht nur die Gebote über Frauen allgemein hinsichtlich Erbe und Morgengabe, sondern auch die Gebote für Witwen und fürsorgelose Waisenkinder wurden von Gott herabgesandt und werden im Koran dargelegt.

Der Vers 127 der Sure 4 enthält den wichtigen Punkt, dass das wichtigste Prinzip in allem die Gerechtigkeit ist: hier im Umgang mit Waisen und Schwachen. Die Gerechtigkeit fordert, dass Frauen und Kindern ihre finanziellen und ihre familiären Rechte gewehrt werden. Aber ihnen gegenüber soll ein Mann nicht nur die finanziellen Pflichten erfüllen, sondern Gott empfiehlt auch, dass er sie gut zu behandeln hat.
Wir sehen:
Erstens: In einer Zeit, in der Frauen, Kinder und Waisen keinerlei Ansprüche gegenüber Gesellschaft und Familie stellen konnten, hat sich der Islam zur Verteidigung ihrer Rechte erhoben.
Zweitens: Die islamischen Gesetze sind von Gott aufgestellt worden. Der Prophet hatte nur die Aufgabe sie zu übermitteln.

Nun folgt die Übersetzung des Verses 128 der Sure An Nissa:

وَإِنِ امْرَأَةٌ خَافَتْ مِن بَعْلِهَا نُشُوزًا أَوْ إِعْرَاضًا فَلَا جُنَاحَ عَلَيْهِمَا أَن يُصْلِحَا بَيْنَهُمَا صُلْحًا ۚ وَالصُّلْحُ خَيْرٌ ۗ وَأُحْضِرَتِ الْأَنفُسُ الشُّحَّ ۚ وَإِن تُحْسِنُوا وَتَتَّقُوا فَإِنَّ اللَّـهَ كَانَ بِمَا تَعْمَلُونَ خَبِيرًا 
"Und wenn eine Frau (ihrerseits) fürchtet, dass ihr Mann (ihr) dauernd Schwierigkeiten macht oder (ihr) abgeneigt ist, ist es für die beiden keine Sünde, sich friedlich zu einigen. Es ist besser, sich friedlich zu einigen (als in Unfrieden weiter zu leben). Aber die Menschen sind von Habsucht beherrscht. Wisset: Wenn ihr rechtschaffen und gottesfürchtig seid, ist Gott wohl darüber unterrichtet, was ihr tut." (4: 128)


Im Vers 127 ist den Männer geraten worden, dass sie die Rechte der Frauen und Waisen achten. Dieser Koranvers (128) empfiehlt nun den Frauen: Auch wenn die Rechte beachtet werden müssen, am wichtigsten bleibt dennoch die Wahrung der Ehe und wenn die Ehe wegen rechtlicher Fragen in Gefahr gerät, ist es besser wenn beide Seiten Nachsicht üben damit sie erhalten bleibt.
Dieser Vers erinnert daran, dass Eheprobleme friedlich gelöst werden sollen, bevor sie zur Scheidung und Trennung führen. Löst also rechtliche Streitfragen und lasst nicht zu, dass Engstirnigkeit und Habsucht und egoistische Wünsche die Beziehung zwischen euch Eheleuten vernichtet. Ihr sollt im Gegenteil, in dem ihr euch gegenseitig entgegen kommt, eure bisherige Beziehung noch mehr festigen.

An dieser Stelle lehrt uns der Koran:
Erstens: Um ihre Ehe zu wahren, müssen Mann und Frau den Geist der Toleranz und Nachsicht in sich stärken.
Zweitens: Der Islam möchte, dass Eheprobleme so weit wie möglich ohne Einmischung anderer durch die Eheleute selber beseitigt werden.
Drittens: Die islamische Rechtsordnung geht mit der islamischen Moralordnung einher. Neben den familiären Rechten wird auch auf Versöhnung und auf Güte hingewiesen.

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