Sure An Nissa (Frauen) Verse 133- 136

Wir beginnen mit einer Übersetzung von Vers 133 der Sure 4, Sure An Nissa: (4: 133- 136)

إِن يَشَأْ يُذْهِبْكُمْ أَيُّهَا النَّاسُ وَيَأْتِ بِآخَرِينَ ۚ وَكَانَ اللَّـهُ عَلَىٰ ذَٰلِكَ قَدِيرًا 
"Wenn er will, lässt er euch, ihr Menschen, vergehen und andere kommen. Er hat dazu die Macht." (4: 133) 

Der Vers 133 weist noch einmal darauf hin, dass wir nicht denken sollen, Gott wäre darauf angewiesen, dass wir seine Gebote befolgen. Gott ist nicht nur nicht auf unsere Taten, er ist auch genauso wenig auf uns selber angewiesen.
Wir Menschen sollten uns deshalb nicht einbilden größer zu sein als wir sind. Im Vergleich mit Gott sind wir bedeutungslos. Wenn Er will kann Er die ungehorsamen Menschen auslöschen und gottesfürchtige Menschen an ihre Stelle setzen.

Wir entnehmen dieser Koranstelle demnach:
Erstens: Wenn Gott den Ungläubigen Aufschub gibt, dann nicht deshalb, weil Er das müsste, sondern aufgrund seiner Weisheit und Barmherzigkeit.
Zweitens: Alles über das wir verfügen, gehört Gott. Wir dürfen uns nicht einbilden die Möglichkeiten die uns zur Verfügung gestellt wurden, sind von ewiger Dauer.

Hier nun die Übersetzung des Verses 134 der Sure An Nissa:

مَّن كَانَ يُرِيدُ ثَوَابَ الدُّنْيَا فَعِندَ اللَّـهِ ثَوَابُ الدُّنْيَا وَالْآخِرَةِ ۚ وَكَانَ اللَّـهُ سَمِيعًا بَصِيرًا 
"Wenn einer diesseitigen Lohn haben möchte, (soll er wissen:) Es liegt bei Gott, im Diesseits und im Jenseits zu belohnen. Gott hört und sieht (alles)." (4: 134)

Dieser Koranvers enthält einen Hinweis für Gläubige, die nicht weitsichtig sind. Sie glauben an Gott, aber sie denken nur an ihr weltliches Wohl.
Der Koran sagt: Wenn Ihr an Gott glaubt, warum wollt ihr dann nur weltliches Wohl von Ihm? Denkt ihr, ihr bekämet von diesem nichts ab, wenn ihr auch an das Jenseits denkt? Gott sieht für die Gläubigen sowohl das jenseitige als auch das diesseitige Wohl vor. Es schadet euch Menschen, auf alles weltliche Wohl wegen dem jenseitigen und auf alles jenseitige Wohl wegen dem weltlichen zu verzichten.

Folgende zwei Punkte können wir diesem Koranvers entnehmen:
Erstens: Wenn der Mensch etwas Gutes nur wegen seines Wohles im weltlichen Leben tut, handelt er sich großen Schaden ein.
Zweitens: Der Islam ist realitätsbezogen und umfassend. Er fordert seine Anhänger auf sowohl nach dem weltlichen als auch nach dem Wohl im Jenseits zu streben.

Vers 135 der Sure An Nissa lautet in einer Übersetzungsversion wie folgt:

 يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا كُونُوا قَوَّامِينَ بِالْقِسْطِ شُهَدَاءَ لِلَّـهِ وَلَوْ عَلَىٰ أَنفُسِكُمْ أَوِ الْوَالِدَيْنِ وَالْأَقْرَبِينَ ۚ إِن يَكُنْ غَنِيًّا أَوْ فَقِيرًا فَاللَّـهُ أَوْلَىٰ بِهِمَا ۖ فَلَا تَتَّبِعُوا الْهَوَىٰ أَن تَعْدِلُوا ۚ وَإِن تَلْوُوا أَوْ تُعْرِضُوا فَإِنَّ اللَّـهَ كَانَ بِمَا تَعْمَلُونَ خَبِيرًا
"Ihr Gläubigen! Steht immer für die Gerechtigkeit ein und legt für Gott Zeugnis ab, auch wenn es gegen euch selbst oder die Eltern und nächsten Verwandten sein sollte! Ob (einer) reich oder arm ist, Gott steht ihnen beiden näher. Und folgt nicht der (persönlichen) Neigung, (anstatt) dass ihr gerecht seid! Wenn ihr (das Recht) verdreht oder euch (davon) abwendet: Gott ist wohl darüber unterrichtet, was ihr tut." (4: 135)

Der Koran hat in den vorherghenden Versen auf die Wahrung der Gerechtigkeit in Bezug auf Waisenkinder und Ehefrauen verwiesen. In diesem Vers bringt er als allgemein gültige Regel eine Anweisung, die sich an alle Gläubigen richtet - nämlich, dass sie allen gegenüber Gerechtigkeit üben müssen. Sie müssen gerecht sein, auch wenn es ihnen oder ihren Angehörigen und Freunden schaden sollte.
Da es sein kann, dass der Mensch bei Rechtsstreiten zugunsten verwandschaftlicher Beziehungen oder finanzieller Vorteile, oder aus seinem eigenen Gerechtigkeitsempfinden z.B. für einen Armen gegen einen Reichen, falsche Aussagen macht, ordnet dieser genannte Koranvers daher an: wenn ihr ein Urteil fällt oder ein Zeugnis ablegt, dann denkt nur an Gott und lasst verwandschaftliche Beziehungen und finanzielle Aspekte unbeachtet.
Solche Gebote zeigen deutlich wie sehr die islamische Lehre Wert auf die Beachtung der Gerechtigkeit legt.

Vier Punkte lassen sich aus dem Vers 135 der Sure 4 entnehmen:
Erstens: Die Gerechtigkeit ist das Ziel der Aussendung von Propheten. Sie ist Vorbedingung für den Glauben ihrer Anhänger. Der Maßstab für die Gerechtigkeit sind Gott und seine Gebote.
Zweitens: Gerechtigkeit muss in allen Bereichen des Lebens beachtet werden. Sie muss auf alle Muslime und Nicht-Muslime angewandt werden.
Drittens: Alle sind vor dem Gesetz gleich, Arm und Reich müssen bei der Durchführung der Gerechtigkeit gleich behandelt werden, ob es zu ihrem Nach- oder zu ihrem Vorteil ist.
Viertens: Garant für die Durchführung der Gerechtigkeit, ist der Glaube an Gott und ist die Tatsache, dass Gott all unser Tun kennt.

Es folgt nun noch Vers 136 der Sure An Nissa, in seiner Übersetzung und Erklärung:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا آمِنُوا بِاللَّـهِ وَرَسُولِهِ وَالْكِتَابِ الَّذِي نَزَّلَ عَلَىٰ رَسُولِهِ وَالْكِتَابِ الَّذِي أَنزَلَ مِن قَبْلُ ۚ وَمَن يَكْفُرْ بِاللَّـهِ وَمَلَائِكَتِهِ وَكُتُبِهِ وَرُسُلِهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ فَقَدْ ضَلَّ ضَلَالًا بَعِيدًا
"Ihr Gläubigen! Glaubt an Gott und seinen Gesandten und die Schrift, die er auf seinen Gesandten herabgeschickt hat, und die Schrift die er (schon) früher herabgeschickt hat! Wer an Gott, seine Engel, seine Schriften, seine Gesandten und den jüngsten Tag nicht glaubt, ist weit abgeirrt." (4: 136)

Dieser Koranvers ruft die Gläubigen auf, ihren Glauben zu vertiefen. Er spornt dazu an, immer wieder neue Schritte nach vorne zu tun und eine höhere Stufe anzustreben. Er spornt an: bleibt bei eurem Glauben, festigt ihn und entfernt euch keine Spur von ihm.
Natürlich gibt es verschiedene Stufen des Glaubens, genauso wie es verschiedene Stufen des Wissens gibt.
Das Wissen eines Physikers über eine physikalische Formel ist zum Beispiel viel tiefgehender als das Wissen eines Gymnasialschülers über diese Formel.
Gott lädt die Gläubigen zur Weiterentwicklung ihres Glaubens ein. Um den Glauben weiter zu entwickeln müssen sie nach den göttlichen Geboten handeln.
Der Vers 136 weist auf eine Gefahr hin, die den Gläubigen droht. Es heißt in diesem Vers: Wenn der Glaube eines Menschen so sehr nachlässt, und er sich allmählich von seinen Überzeugungen abwendet und sie anzweifelt, wird er sich schwer verirren und nur schwerlich wieder umkehren können.

Wir entnehmen dem Vers 136 der Sure 4:
Erstens: Wir können die Religionen himmlischen Ursprungs mit den verschiedenen Schulklassen einer Schule vergleichen, und die Propheten mit den Lehrern dieser Schule. Sie verfolgen wie die Lehrer einer Schule alle das gleiche Ziel. Deshalb ist der Glaube an alle Propehten mit ihren heiligen Schriften Voraussetzung für den wahren Gottesglauben.
Zweitens: Die Stärkung und das Wachsen des Glaubens besteht in seiner Wahrung und Entfaltung. Ein gläubiger Mensch soll unentwegt um Erreichung höherer Glaubensstufen bemüht sein.

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