Sure An Nissa (Frauen) Verse 147- 152

Der Vers 147 der Sure An Nissa, Sure 4, bzw. Seine Übersetzung leitet diesen Abschnitt des kleinen Korankommentares ein: (4: 147- 152)

مَّا يَفْعَلُ اللَّـهُ بِعَذَابِكُمْ إِن شَكَرْتُمْ وَآمَنتُمْ ۚ وَكَانَ اللَّـهُ شَاكِرًا عَلِيمًا 
„Warum sollte Gott euch bestrafen, wenn ihr dankbar und gläubig seid? Gott ist (seinerseits) dankbar und (über alles) unterrichtet." (4: 147)

In den vorhergehenden Versen der Sure 4 war von der schweren Strafe für die Heuchler die Rede. Dieser Vers weist nun darauf hin, dass Gott nicht aus Rache oder zur Demonstration seiner Macht bestraft. Wer Strafe erfährt, begegnet in Wahrheit den Folgen seines eigenen Verhaltens. Gott ist nicht auf die Bestrafung der Frevler angewiesen. Außerdem heisst es in diesem Koranvers: Gott ist dankbar und belohnt eure guten Werke. Seid auch ihr dankbar und nutzt seinen Segen um den Weg zu gehen, mit dem Er zufrieden ist. Wenn euer Dank für göttlichen Segen mit Glauben und rechtschaffenem Tun einhergeht, wird euch niemals eine Strafe treffen.
Wie aus dem ersten Teil des Verses 147 hervorgeht, erfordert also der Glaube an Gott, dass wir Ihm für Seinen Segen danken. Umgekehrt ist es ein Zeichen des Unglaubens, wenn wir uns angesichts seines Segens undankbar verhalten. Eine weitere Botschaft, die dieser Vers enthält, ist die, dass Dankbarkeit gegenüber Gott vor dem Zorn Gottes schützt und es ermöglicht, dass Gott noch mehr Segen schickt.

Die Verse 148 und 149 der Sure An Nissa, lassen sich wie folgt übersetzen:

 لَّا يُحِبُّ اللَّـهُ الْجَهْرَ بِالسُّوءِ مِنَ الْقَوْلِ إِلَّا مَن ظُلِمَ ۚ وَكَانَ اللَّـهُ سَمِيعًا عَلِيمًا
„Gott liebt nicht, dass man laut vernehmbar (gegen jemand) böse Worte gebraucht, - außer wenn einem Unrecht geschehen ist (und er sich deshalb zur Wehr setzt). Gott hört und weiß (alles)." (4: 148)

إِن تُبْدُوا خَيْرًا أَوْ تُخْفُوهُ أَوْ تَعْفُوا عَن سُوءٍ فَإِنَّ اللَّـهَ كَانَ عَفُوًّا قَدِيرًا 
„Ob ihr etwas Gutes kundtut oder es geheimhaltet oder etwas Böses verzeiht, Gott ist bereit zu verzeihen und allmächtig." (4: 149)

Diese Verse verweisen auf einen wichtigen sozialen Grundsatz: Anstatt die Fehler der anderen laut kundzutun, solltet ihr versuchen Nachsicht zu üben und sie zu verzeihen. Ihr sollt vielmehr die guten Dinge kundtun. Wenn jemand jedoch ein Unrecht erfahren hat und sein Recht nicht bekommt, es sei denn er beklagt sich, dann darf er über das Unrecht klagen um sein Recht, oder auch das Recht eines anderen, zu verteidigen.
Wir lernen aus dieser Koranstelle:
Erstens: Es ist nicht erlaubt, die Fehler der anderen offenkundig zu machen, es sei dann man will ein Unrecht abwehren und einen Unterdrückten verteidigen.
Zweitens: Es ist eine wertvolle Tat einem Menschen, der ein Unrecht begangen hat zu verzeihen, obwohl man die Macht dazu hätte, ihm dieses zu vergelten. Gott verzeiht ja auch so oft den Sündern - obwohl er über alle Menschen herrscht und die Macht zur Vergeltung besitzt.

Die Übersetzung der Verse 150 und 151 der Sure 4 besagt:

إِنَّ الَّذِينَ يَكْفُرُونَ بِاللَّـهِ وَرُسُلِهِ وَيُرِيدُونَ أَن يُفَرِّقُوا بَيْنَ اللَّـهِ وَرُسُلِهِ وَيَقُولُونَ نُؤْمِنُ بِبَعْضٍ وَنَكْفُرُ بِبَعْضٍ وَيُرِيدُونَ أَن يَتَّخِذُوا بَيْنَ ذَٰلِكَ سَبِيلًا 
„Diejenigen, die an Gott und seine Gesandten nicht glauben und zwischen Gott und seinen Gesandten einen Unterschied machen möchten und sagen:,Wir glauben an einen Teil, und an den anderen nicht, und sich einen Weg dazwischen nehmen möchten," (4: 150)

أُولَـٰئِكَ هُمُ الْكَافِرُونَ حَقًّا ۚ وَأَعْتَدْنَا لِلْكَافِرِينَ عَذَابًا مُّهِينًا
„das sind die wahren Ungläubigen. Und für die Ungläubigen haben wir eine erniedrigende Strafe bereit." (4: 151)

Dieser Vers spricht über die Gefahr, die die Anhänger jeder Gottesreligion bedroht, nämlich dass einige von ihnen nur ihren eigenen Propheten für im Recht halten und die anderen Propheten als unrechtmäßig bezeichnen und diese leugnen. Dies tun sie, obwohl alle Propheten von Gott ausgesandt wurden. Es leuchtet ein, dass die Anhänger der monotheistischen Religionen jeweils an den Propheten, den Gott zuletzt ausgesandt hat, glauben und sich nach seinen Anweisungen richten sollen.
Grundstein für den Glauben ist die Gottesanbetung und nicht die Selbstanbetung. Wer von den Wahrheiten der Religion einige akzeptiert und andere leugnet, der richtet sich nach seinen eigenen Wünschen und Neigungen und nicht nach den Anweisungen Gottes.

Wir entnehmen diesen Koranversen:
Erstens: Wir müssen daran glauben, dass alle Propheten Gottes rechtmäßig sind und müssen sie und die Schriften, die sie überbracht haben, achten.
Zweitens: Die Religion Gottes ist ein zusammenhängendes System. Wir können nicht einen Teil davon akzeptieren und andere Teile ablehnen.
Drittens: Die Leugnung eines Teiles der Religion führt zu Unglauben und Religionslosigkeit.

Der nun folgende Koranvers, ist der 152. Vers der Sure An Nissa. Hier die Übersetzung:

وَالَّذِينَ آمَنُوا بِاللَّـهِ وَرُسُلِهِ وَلَمْ يُفَرِّقُوا بَيْنَ أَحَدٍ مِّنْهُمْ أُولَـٰئِكَ سَوْفَ يُؤْتِيهِمْ أُجُورَهُمْ ۗ وَكَانَ اللَّـهُ غَفُورًا رَّحِيمًا 
„Denen aber, die an Gott und seine Gesandten glauben und bei keinem von ihnen (den anderen gegenüber) einen Unterschied machen, wird er ihren Lohn geben. Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben." (4: 152)

Dieser Koranvers offenbart die Eigenschaften die wahre Gottesgläubige besitzen: Sie glauben an alle göttlichen Propheten. Sie sind nicht fanatisch und glauben, dass nicht sie allein wahre Gläubige und die Anhänger der anderen Religionen Ungläubige sind. Nur solche Menschen können in dieser und in jener Welt den besonderen göttlichen Lohn erfahren.

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