Sure An Nissa (Frauen) Verse 162- 170

In unserer Kurzexegese des Korans sind wir inzwischen bei dem Vers 162 der Sure 4, Sure An Nissa, angelangt, hier die Übersetzung dieses Verses: (4: 162- 170)

لَّـٰكِنِ الرَّاسِخُونَ فِي الْعِلْمِ مِنْهُمْ وَالْمُؤْمِنُونَ يُؤْمِنُونَ بِمَا أُنزِلَ إِلَيْكَ وَمَا أُنزِلَ مِن قَبْلِكَ ۚ وَالْمُقِيمِينَ الصَّلَاةَ ۚ وَالْمُؤْتُونَ الزَّكَاةَ وَالْمُؤْمِنُونَ بِاللَّـهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ أُولَـٰئِكَ سَنُؤْتِيهِمْ أَجْرًا عَظِيمًا 
„Aber denen von ihnen, die ein gründliches Wissen haben, und den Gläubigen, die an das glauben, was zu dir, und was vor dir herabgesandt worden ist, und denjenigen, die das Gebet verrichten und die Almosensteuer (Zakat) geben und an Gott und den Jüngsten Tag glauben, denen werden wir gewaltigen Lohn geben." (4: 162) 

In mehreren Koranstellen, die wir bisher besprochen haben, ist von den schlechten Taten von Leuten aus dem jüdischen Volke die Rede gewesen. In diesem Koranvers heisst es, dass es auch rechtschaffene Menschen unter ihnen gibt, die Gott aufrichtig ergeben sind. Der Koran spricht also völlig gerecht über sie und sagt:
Die welche ihren Glauben gefestigt haben, glauben an das was von Gott geoffenbart wurde. Sie handeln danach, beten die täglichen Gebete und zahlen die Almosensteuer an die Bedürftigen. Sie sind Gottesanbeter und Gott wird sie reichlich belohnen. Wir entnehmen diesem Koranvers also folgende Punkte:
Erstens: Der Glaube an Gott und die Wahrheit kennt keine Einschränkungen - jeder der an Gott glaubt, gleich welcher Rasse und welchem Volk er angehört, wird Gottes besondere Huld erfahren.
Zweitens: Das tägliche Gebet und die Almosensteuer sind Bestandteil aller göttlichen Religonen gewesen. Aber ein Gebet nützt nichts, wenn es nicht mit guten Diensten einhergeht. Umgekehrt führen gute Werke ohne die Anbetung Gottes schnell zu falschem Stolz.

Der Vers 163 der Sure 4 lautet:

 إِنَّا أَوْحَيْنَا إِلَيْكَ كَمَا أَوْحَيْنَا إِلَىٰ نُوحٍ وَالنَّبِيِّينَ مِن بَعْدِهِ ۚ وَأَوْحَيْنَا إِلَىٰ إِبْرَاهِيمَ وَإِسْمَاعِيلَ وَإِسْحَاقَ وَيَعْقُوبَ وَالْأَسْبَاطِ وَعِيسَىٰ وَأَيُّوبَ وَيُونُسَ وَهَارُونَ وَسُلَيْمَانَ ۚ وَآتَيْنَا دَاوُودَ زَبُورًا 
„Wir haben dir (Prophet) (Offenbarung) eingegeben (ebenso) wie dem Noah und den Propheten nach ihm:
Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen (Israels), Jesus, Hiob, Jonas, Aaron und Salomo. Und dem David haben wir einen Psalter gegeben."
(4: 163)

Dieser Koranvers weist auf den Verlauf der Aussendung der Propheten in der Geschichte der Menschheit hin. Er will sagen: Warum wundern sich Juden und Christen, die eine Schrift Gottes besitzen, dass auch dem Propheten Mohammad eine weitere Heilige Schrift offenbart wurde. Wissen sie nicht, dass Gott im Lauf der Geschichte viele Menschen wie Moses und Jesus als seine Gesandte auserwählte und ihnen eine Heilige Schrift gab? Warum dann sind sie nicht bereit die Himmelsschrift die Mohammad (Friede sei mit ihm) geoffenbart wurde, zu akzeptieren? Warum akzeptieren sie nicht, dass auch er ein Gesandter Gottes ist?

Wir entnehmen dem Vers 163:
Erstens: Die Religionen himmlischen Ursprungs verfolgen in ihrem Kern alle dieselben Ziele, denn sie alle kommen von dem einen und einzigen Gott.
Zweitens: Wenn man beachtet, dass Gott immer wieder Propheten ausgeschickt hat, dann fällt es leicht, auch die Botschaft des Propheten des Islam zu akzeptieren.

Die nächsten beiden Verse sind Vers 164 und 165 der Sure An Nissa, übersetzt lauten sie:

وَرُسُلًا قَدْ قَصَصْنَاهُمْ عَلَيْكَ مِن قَبْلُ وَرُسُلًا لَّمْ نَقْصُصْهُمْ عَلَيْكَ ۚ وَكَلَّمَ اللَّـهُ مُوسَىٰ تَكْلِيمًا 
„Und über einige Gesandte haben wir dir (schon) früher berichtet, über andere (bisher überhaupt noch) nicht - und mit Mose hat Gott wirklich gesprochen -, auf besondere Weise -„ (4: 164)

رُّسُلًا مُّبَشِّرِينَ وَمُنذِرِينَ لِئَلَّا يَكُونَ لِلنَّاسِ عَلَى اللَّـهِ حُجَّةٌ بَعْدَ الرُّسُلِ ۚ وَكَانَ اللَّـهُ عَزِيزًا حَكِيمًا 
„Gesandte (die) als Verkünder froher Botschaft und als Warner (kamen), damit die Menschen, nachdem sie (die Propheten) aufgetreten waren, keine begründete Entschuldigung gegenüber Gott haben sollten - Gott ist gewaltig und weise. -" (4: 165)

Nachdem mehrere Propheten namentlich genannt wurden, wird der Mensch nun in dieser Koranstelle gemahnt:
Denkt nicht, das nur die Propheten sind, die namentlich genannt wurden, die Namen von anderen Propheten werden nirgendwo im Koran genannt. Diese Koranstelle aber weist darauf hin, welche Aufgabe alle Propheten hatten, nämlich ihre wichtigste Aufgabe war: zu verheißen und zu mahnen. Auf die Gefahren und das Risiko aufmerksam zu machen und für gute Taten zu gewinnen und Belohnung zu verheißen.
Jede und Jeder, der dieses Versprechen und diese Mahnung erfährt, der kann am Jüngsten Gericht kein Entschuldigung mehr vorbringen und sagen: ‚Ich wusste gar nicht was gut und was schlecht ist, so konnte ich auch nicht danach handeln.'
Natürlich hat der Mensch auch von Gott einen gesunden Verstand erhalten, und dafür, diesen nicht richtig zu nutzen um gut und schlecht abzuwägen, gibt es keine Ausrede vor Gott. Aber was letzten Endes zählt ist, dass der Aufruf der Propheten den Menschen erreicht hat und er ihm gefolgt ist. Die Strafe am Jüngsten Tag trifft die, welche aufgerufen wurden, aber nicht folgten.
Zum Abschluss dieser Betrachtungen noch 3 Punkte, die wir den Versen 164 und 165 der Sure An Nissa entnehmen können:
Erstens: Das Leben des Menschen reicht nicht aus, alle Wahrheiten der Geschichte zu erfahren. Dies ist auch nicht notwendig. Wenn wir gut achtgaben, genügt es schon nur eine der Mahnungen wahrzunehmen. Der Koran bringt Geschichten aus der Geschichte der Propheten, die lehrreiche Mahnungen enthalten. Es ist nicht notwendig, dass er alle Propheten erwähnt und über sie berichtet.
Zweitens: Die Wahrheit ist eindeutig: Die Propheten überbringen Gottes Mahnung und Verheißung.
Drittens: Alle Propheten erhielten göttliche Offenbarungen, aber zu Moses hatte Gott eine besondere Beziehung aufgenommen, denn Moses sollte in den Kampf gegen Pharao ziehen. Gott hat direkt mit Moses gesprochen.

Wir setzen mit dem Vers 166 der Sure Nissa fort:

لَّـٰكِنِ اللَّـهُ يَشْهَدُ بِمَا أَنزَلَ إِلَيْكَ ۖ أَنزَلَهُ بِعِلْمِهِ ۖ وَالْمَلَائِكَةُ يَشْهَدُونَ ۚ وَكَفَىٰ بِاللَّـهِ شَهِيدًا 
„(Prophet! Die Ungläubigen möchten wohl die Wahrheit  der göttlichen Offenbarung abstreiten) Aber Gott bezeugt, was er zu dir herab gesandt hat – er hat es mit Seinem Wissen herab gesandt-, auch die Engel bezeugen (deine Wahrhaftigkeit), und Gott genügt als Zeuge.“
(4:166)

Wir sagten, dass die Gottesleugner und –Verleumder und die Schriftbesitzer (Juden und Christen) aus Eigensinn nicht den Islam und die Rechtmäßigkeit des Propheten des Islams anerkennen wollten. Im Anschluss an die vorhergehenden Verse tröstet also Gott den Propheten und will ihm sagen: Auch wenn sie alle deine Botschaft ablehnen, so ist es nicht wichtig. Gott hat den Koran aufgrund seines grenzenlosen Wissens herab gesandt und dessen Inhalt ist ein klares Zeugnis dafür, dass er nicht das gedankliche Produkt eines Menschen sein kann. Dies ist doch der beste Beweis dafür, dass der Koran Gottes Botschaft ist.

Wie ist es möglich, dass ein Mensch, der  keine Schule besucht hat und wie fast alle des Lesens und Schreibens unkundig war, in einer Gegend, in der Götzentum, Unwissenheit und Aberglauben herrschten, den Menschen so hohe Lehren unterbreitet, dass  die heutige Welt nach 14 Jahrhunderten erst allmählich ihren Wert richtig zu erkennen beginnt?! Es sind Lehren, dank derer die Menschen einen Wandel erfuhren. Dank dieser Lehre schlossen sie sich zusammen, nachdem sie vorher gespalten waren. Sie glaubten an den Einen Gott, nachdem sie vorher Götzen verehrten. Sie ließen die Unwissenheit hinter sich und gelangten zu Wissen. Sie verließen ihr niedriges Niveau und stiegen zu höchster Größe empor und bildeten das große Islamische Glaubensvolk.

Wir können uns also im Zusammenhang mit dem Vers 166 der Sure 4 merken:

Erstens: Die Quelle der Offenbarung ist das unendliche Wissen Gottes. Aufgrund des Fortschrittes der Wissenschaften können  immer mehr Schleier vor diesem unendlichen Wissen beiseite gezogen.

Zweitens: Die beste Stütze und Quelle der Hoffnung eines Verbreiters der Religion, muss Gott sein. Ein Verbreiter der göttlichen Religion sollte nicht an der Rechtmäßigkeit seines Weges zweifeln, nur weil die Leute ihn ablehnen.

Wir bringen die nächsten drei Verse, nämlich Vers 167 bis 169 der Sure 4
                           

إِنَّ الَّذِينَ كَفَرُوا وَصَدُّوا عَن سَبِيلِ اللَّـهِ قَدْ ضَلُّوا ضَلَالًا بَعِيدًا
„Diejenigen, die ungläubig sind und die Menschen (durch Einflößen von Zweifeln, Verleumdungen und Spott)  vom Weg Gottes abhalten, sind wahrlich weit abgeirrt.“ (4: 167)

إِنَّ الَّذِينَ كَفَرُوا وَظَلَمُوا لَمْ يَكُنِ اللَّـهُ لِيَغْفِرَ لَهُمْ وَلَا لِيَهْدِيَهُمْ طَرِيقًا 
„Denen, die ungläubig sind und Unrecht tun, wird Gott niemals  vergeben, und Er wird  sie niemals  einen rechten Weg führen.“ (4:168)

إِلَّا طَرِيقَ جَهَنَّمَ خَالِدِينَ فِيهَا أَبَدًا ۚ وَكَانَ ذَٰلِكَ عَلَى اللَّـهِ يَسِيرًا 
„Nur der Weg zur Hölle (wird ihnen gewiesen), damit sie ewig darin weilen. Dies  ist Gott ein Leichtes.“ (4: 169)

In den vorangegangenen Versen war von den Ungläubigen und der Art, wie sie auf den Islam reagierten, die Rede. Die obigen Versen verweisen nun auf eine Gruppe von ihnen, die nicht nur selber auf Abwege gerieten, sondern auch versuchten, die anderen auf Abwege zu führen. Sie frevelten sowohl gegen sich selber als auch gegen die anderen. Nicht nur sie selber betraten Irrwege, sondern haben  zur Irreführung vieler anderer Menschen in der Geschichte beigetragen.  Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass sie von diesem Irrweg zurückkehren. Deshalb besteht auch keine Hoffnung auf göttliche Vergebung für sie und es gibt keinen anderen Weg für sie, außer dem, der in die Hölle führt. Mit ihren Taten haben sie selber dieses Feuer geschürt.

Allerdings nehmen die Ungläubigen die Androhungen Gottes nicht ernst. Aber es kommt der Tag, an dem sie erleben werden, dass es für Gott ein Leichtes ist, sie auf diese Weise zu bestrafen.

Wir lernen:

Erstens: Durch seinen Unglauben tut der Mensch sich selber und den anderen Unrecht an. Welcher Frevel ist schlimmer als ein Frevel auf der geistigen und kulturellen Ebene?!

Zweitens: Durch Frevel und Unrecht nimmt sich der Mensch selber die Chance auf göttliche Vergebung und auf seine Rechtleitung. Stattdessen bringt er sich damit in die Verdammnis.

Hier nun der Vers 170 der Sure Nissa:

يَا أَيُّهَا النَّاسُ قَدْ جَاءَكُمُ الرَّسُولُ بِالْحَقِّ مِن رَّبِّكُمْ فَآمِنُوا خَيْرًا لَّكُمْ ۚ وَإِن تَكْفُرُوا فَإِنَّ لِلَّـهِ مَا فِي السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ ۚ وَكَانَ اللَّـهُ عَلِيمًا حَكِيمًا 
Ihr Menschen! Der Gesandte ist nunmehr von eurem Herrn mit der Wahrheit zu euch gekommen. Darum glaubt! Das ist besser für euch. Aber wenn ihr ungläubig seid (dann wisset: ) … Gott gehört alles, was im Himmel und auf der Erde ist. Er weiß Bescheid und ist weise.“ (4: 170) 

Wie die Geschichte belegt, erwarteten die Juden aufgrund der Verheißungen, denen sie in ihren Schriften begegneten, dass aus den Arabern ein Prophet hervorgeht. Daher war eine Gruppe von ihnen nach Yathreb (dem früheren Namen von Medina) umgesiedelt. Auch die Götzendiener auf der Arabischen Halbinsel hatten von der Verheißung gehört  und blickten dem Erscheinen des angekündigten Propheten entgegen.

Deshalb werden sie an dieser Stelle im Koran darauf hingewiesen, dass der Prophet, auf den sie gewartet haben, nun tatsächlich mit dem Wort Gottes und der Wahrheit zu ihnen gekommen war. Sie sollten wissen: Wenn sie auf ihn hören und ihm folgen, würde es zu ihrem Vorteil sein. Aber wenn sie ungläubig würden, könnten sie ihm und Gott nicht dadurch schaden. Denn Gott besitzt Himmel und Erde.

Gott ist nicht darauf angewiesen, dass die Menschen Ihm dienen. Seine Gebote beruhen auf Seiner endlosen Weisheit und Er richtet diese Gebote zum Wohl der Menschen ein.

Wir sehen:

Erstens: Das herausragende Merkmal der Lehren der Propheten besteht darin, dass diese Lehren wahr sind. Ihr Wahrsein hat zu ihrer Verbreitung geführt.

Zweitens: Gläubige können Gott nicht vorhalten, dass sie die göttliche Lehre angenommen haben. Vielmehr hat Gott ihnen eine Gnade erwiesen und ihnen Rechtleitung mit auf den Weg gegeben.

Drittens: Der Unglaube schadet den Ungläubigen selber und nicht Gott. Wenn sie aber glauben, ist es zu ihrem eigenen Vorteil.  Gott ist natürlich nicht auf ihren Glauben angewiesen.

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