Sure An Nissa (Frauen) Verse 171- 176

In diesem Teil gehen wir auf die letzten 6 Verse der Sure 4, der Sure An Nissa, ein und beginnen mit der Übersetzung des Verses 171: (4: 171- 176)

يَا أَهْلَ الْكِتَابِ لَا تَغْلُوا فِي دِينِكُمْ وَلَا تَقُولُوا عَلَى اللَّـهِ إِلَّا الْحَقَّ ۚ إِنَّمَا الْمَسِيحُ عِيسَى ابْنُ مَرْيَمَ رَسُولُ اللَّـهِ وَكَلِمَتُهُ أَلْقَاهَا إِلَىٰ مَرْيَمَ وَرُوحٌ مِّنْهُ ۖ فَآمِنُوا بِاللَّـهِ وَرُسُلِهِ ۖ وَلَا تَقُولُوا ثَلَاثَةٌ ۚ انتَهُوا خَيْرًا لَّكُمْ ۚ إِنَّمَا اللَّـهُ إِلَـٰهٌ وَاحِدٌ ۖ سُبْحَانَهُ أَن يَكُونَ لَهُ وَلَدٌ ۘ لَّهُ مَا فِي السَّمَاوَاتِ وَمَا فِي الْأَرْضِ ۗ وَكَفَىٰ بِاللَّـهِ وَكِيلًا 
„Ihr Leute der Schrift! Treibt es in eurer Religion nicht zu weit und sagt gegen Gott nichts aus, als die Wahrheit! Christus Jesus, der Sohn der Maria, ist nur der Gesandte Gottes und sein  Wort, das er der Maria entboten hat, und Geist von ihm. Darum glaubt an Gott und seine Gesandten und sagt nicht (von Gott, daß er in einem) drei (sei)! Hört auf (so etwas zu sagen)! Das ist besser für euch. Gott ist nur ein einziger Gott. Gepriesen sei er! (Er ist darüber erhaben) ein Kind zu haben. Ihm gehört alles, was im Himmel und auf der Erde ist. Und Gott genügt als Sachwalter." (4: 171) 

Die Christen sagen, es gibt Gott Vater, Jesus als Gottes Sohn und den Heiligen Geist, aber für die Muslime gibt es nur Allah, den Schöpfer allen Seins. Auch Jesus ist ein Geschöpf Gottes (Allahs) und Sein Diener. Ein Diener kann niemals die Stufe Gottes erreichen. Sollte die außergewöhnliche Erschaffung von Jesus als Beweis für sein Gottsein gelten, dann wäre Adam noch mehr ein Gott, denn er hatte nicht Vater noch Mutter.
Die außergewöhnliche Erschaffung Jesu zeigt nur die Macht des Einen Gottes.
Wir entnehmen dieser Koranstelle:
Erstens: Man darf in der Religion nicht zu weit gehen und besondere Personen nicht über das hinaus verehren, als was sie sind.
Zweitens: Die göttlichen Propheten bleiben trotz ihres hohen Ranges, den sie bei Gott genießen, immer nur Menschen.
Sie können niemals Gottheiten sein.

Hier nun die Übersetzung des Verses 172 der 4. Koransure:

لَّن يَسْتَنكِفَ الْمَسِيحُ أَن يَكُونَ عَبْدًا لِّلَّـهِ وَلَا الْمَلَائِكَةُ الْمُقَرَّبُونَ ۚ وَمَن يَسْتَنكِفْ عَنْ عِبَادَتِهِ وَيَسْتَكْبِرْ فَسَيَحْشُرُهُمْ إِلَيْهِ جَمِيعًا 
„Christus wird es nicht verschmähen, ein (bloßer) Diener Gottes zu sein, auch nicht die (Gott) nahestehenden Engel. Und wenn einer es verschmäht, Gott zu
dienen, und hochmütig ist, der soll wissen: Gott wird sie (die Menschen) alle zu sich versammeln."
(4: 172)

Gerichtet an die Christen fragt Gott: Warum macht ihr Jesus zu einem Gott, obwohl er sich selbst als Diener Gottes betrachtet und Ihm gehorcht, wie es die Engel tun, die doch Gott so nahe stehen? Kann denn jemand angesichts der Herrlichkeit Gottes hochmütig sein und es verschmähen Ihm zu dienen?
Jesus nennt sich selber ‚Diener Gottes'. Warum sollten wir in ihm den Sohn Gottes sehen. Kann ein Diener selber angebetet werden? In dem Vers 172 heisst es, dass die Abkehr vom Gott-Dienen auf Arroganz und Hochmut zurückgeht. Hochmut bringt den Menschen in die Gefahr, allen spirituellen Segen zu verlieren und schlimme Fehler zu begehen.

Der Vers 173 lautet in einer deutschen Übersetzung:

فَأَمَّا الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ فَيُوَفِّيهِمْ أُجُورَهُمْ وَيَزِيدُهُم مِّن فَضْلِهِ ۖ وَأَمَّا الَّذِينَ اسْتَنكَفُوا وَاسْتَكْبَرُوا فَيُعَذِّبُهُمْ عَذَابًا أَلِيمًا وَلَا يَجِدُونَ لَهُم مِّن دُونِ اللَّـهِ وَلِيًّا وَلَا نَصِيرًا
„Denjenigen, die glauben und tun, was recht ist, wird er ihren vollen Lohn und (darüber hinaus) von seiner Huld noch mehr geben. Denen aber, die es verschmähen (ihm zu dienen) und hochmütig sind, wird er eine schmerzhafte Strafe zukommen lassen. Und sie werden (dann) für sich außer Gott weder Freund noch Helfer finden." (4: 173)

Im Anschluss an die Verse 171 und 172 heisst es nun, jene unter den Schriftbesitzern, die glauben und rechtschaffen handeln, werden vollständigen Lohn von Gott erhalten und gerettet werden. Aber diejenigen, welche die Wahrheit ablehnen und sich Gott gegenüber arrogant verhalten, werden die harte Strafe am Tag des Jüngsten Gerichtes erfahren, denn vor dem Jüngsten Gericht nützt nur noch der Glaube und das rechtschaffene Tun.
Wir lernen aus dieser Koranstelle:
Erstens: Der richtige Glaube steht vor dem Handeln, denn handeln ohne den wahren Glauben, ist so wie ein ungedeckter Scheck.
Zweitens: Ohne Glauben und seine Praktizierung brauchen wir nicht erst darauf zu hoffen, dass jemand für uns Fürbitte einlegt, auch wenn die göttlichen Propheten und die großen Gottesfreunde dazu in der Lage sind.

Die Verse 174 und 175 der Sure 4 bedeuten in die deutsche Sprache übersetzt:

 يَا أَيُّهَا النَّاسُ قَدْ جَاءَكُم بُرْهَانٌ مِّن رَّبِّكُمْ وَأَنزَلْنَا إِلَيْكُمْ نُورًا مُّبِينًا 
„Ihr Menschen! Nunmehr ist von eurem Herrn ein klarer Beweis zu euch gekommen. Und wir haben ein deutliches Licht (wie: den Koran) zu euch hinabgesandt." (4: 174)

فَأَمَّا الَّذِينَ آمَنُوا بِاللَّـهِ وَاعْتَصَمُوا بِهِ فَسَيُدْخِلُهُمْ فِي رَحْمَةٍ مِّنْهُ وَفَضْلٍ وَيَهْدِيهِمْ إِلَيْهِ صِرَاطًا مُّسْتَقِيمًا
„Was nun diejenigen angeht, die an Gott glauben und an ihm festhalten, so wird er sie (dereinst) in seine Barmherzigkeit und Huld eingehen lassen und auf einem geraden Weg zu sich führen." (4: 175)

Hiermit sagt Gott also: Durch die Aussendung Mohammads wurde euch Menschen ein klarer Beweis gegeben. Mohammad ist weder des Schreibens noch des Lesens kundig gewesen, aber er hat euch dieses gewaltige Wissen (den Koran) überbracht, und das in einer Zeit, in der große Rückständigkeit herrschte. Dies ist doch ein Beweis für das Wort Gottes. Dieses Wort Gottes leitet euch auf den rechten Weg. Nur wer nach den göttlichen Geboten handelt wird Gottes besondere Huld erfahren.

Wir entnehmen auch diesem Koranvers wieder zwei Punkte:
Erstens: Die Botschaft des Islam ist universal. Sie spricht alle Menschen in allen Zeitepochen an.
Zweitens: Der göttliche Lohn ist Seine Huld und Barmherzigkeit - Nicht etwa, dass wir etwas fordern könnten. Auch die Rechtleitung ist eine Huld Gottes.

Abschließend den letzten Vers der Sure 4, Sure An Nissa, Vers 176, in der Übersetzung:

يَسْتَفْتُونَكَ قُلِ اللَّـهُ يُفْتِيكُمْ فِي الْكَلَالَةِ ۚ إِنِ امْرُؤٌ هَلَكَ لَيْسَ لَهُ وَلَدٌ وَلَهُ أُخْتٌ فَلَهَا نِصْفُ مَا تَرَكَ ۚ وَهُوَ يَرِثُهَا إِن لَّمْ يَكُن لَّهَا وَلَدٌ ۚ فَإِن كَانَتَا اثْنَتَيْنِ فَلَهُمَا الثُّلُثَانِ مِمَّا تَرَكَ ۚ وَإِن كَانُوا إِخْوَةً رِّجَالًا وَنِسَاءً فَلِلذَّكَرِ مِثْلُ حَظِّ الْأُنثَيَيْنِ ۗ يُبَيِّنُ اللَّـهُ لَكُمْ أَن تَضِلُّوا ۗ وَاللَّـهُ بِكُلِّ شَيْءٍ عَلِيمٌ 
„Man fragt dich um Auskunft. Sag: Gott gibt euch (hiermit) über das Erbe der seitlichen Verwandtschaft Auskunft. Wenn ein Mann umkommt, ohne Kinder zu haben, und er hat eine Schwester, steht ihr die Hälfte zu von dem, was er hinterlässt. Und er beerbt (umgekehrt) sie, falls sie keine Kinder hat. Und wenn es zwei (Schwestern) sind (die einen kinderlos verstorbenen Bruder zu beerben haben), stehen ihnen zwei Drittel der Hinterlassenschaft zu. Und wenn es (verschiedene) Geschwister sind, Männer und Frauen, kommt auf ein männliches Geschlecht gleichviel wie auf zwei weiblichen Geschlechts. Gott gibt euch Klarheit (um zu verhindern), dass ihr irregeht. Er weiß über alles Bescheid." (4: 176)

Dieser letzte Vers der Sure An Nissa geht auf Erbregeln ein. Wie schon im Vers 11 dieser Sure wird betont, dass es ein Erbrecht gibt. Wir sehen an dieser Ayeh:
Erstens: Religion ist nicht nur für das jenseitige Wohl des Menschen gedacht, sondern regelt auch ihr diesseitiges Wohl. Die Erbschaftsregelung ist sowohl eine finanzielle als auch eine familiäre Angelegenheit, und der Islam hat beide Aspekte berücksichtigt als er die Gebote dafür aufstellte.
Zweitens: Wenn Gott anordnet, dass der Erbanteil der Männer doppelt so groß ist wie der der Frauen, beruht das auf göttlicher Weisheit. Es hat nichts mit der Diskriminierung der Frauen in der vorislamischen Zeit zu tun. Wir sollten uns dem Gebot Gottes beugen, denn Er weiß was er tut.
Damit schließen wir die Sure An Nissa, die 4. Sure des Korans ab. Im nächsten Teil werden wir beginnen die Sure Al Ma'idah zu erläutern.

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