Einige muslimische Intellektuelle haben versucht die Theorie vom religiösen Pluralismus aus dem Quran abzuleiten. Ihr bekanntestes Argument in dieser Debatte ist die Definition des Wortes "Islam". Sie behaupten, dass die Hauptbotschaft Allahs die Unterwerfung (submission) Ihm gegenüber sei und dass es keine Rolle spielen würde, ob dies nun durch Abraham, Moses, Jesus oder Muhammad erreicht wird.

Der Islam bedeutet sicherlich Unterwerfung und die Religion des Islams ist die Religion der Unterwerfung, aber die Realität der Unterwerfung hat eine spezielle Form zu jeder Zeit. Und in dieser Zeit ist es die Form, die uns der letzte Prophet Muhammad (ص) gebracht hat. Daraus folgern wir, dass mit dem Wort Islam (Unterwerfung) nur diese endgültige Form gemeint ist und keine andere Form aus der Vergangenheit.

Unterwerfung bedeutet den konkreten Anweisungen Allahs zu gehorchen und es liegt auf der Hand, dass man dabei immer auf die letzten und endgültigen Anordnungen achtet. Die letzten und endgültigen Anordnungen wurde durch das Siegel der Propheten, Muhammad ibn Abdullah (ص) überbracht. Daher heißt es im Quran „Wahrlich, die Religion vor Allah ist Islam.“ (3:19)

Einige Intellektuelle behaupten, dies würde nicht stimmen und mit dem Wort wären alle abrahamitischen Religionen gemeint. Sie versuchen die politische Theorie vom Pluralismus (nach u.a. Immanuel Kant, John Hicks) in den Quran zu interpretieren. Dabei ignorieren sie den Kontext der Verse. Im Quran steht: „Wahrlich, die Religion vor Allah ist Islam. Und die, denen das Buch gegeben ward, wurden uneins, erst nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war, aus gegenseitigem Neid. Und wer die Zeichen Allahs leugnet - dann, wahrlich, ist Allah schnell im Abrechnen. Streiten sie aber mit dir, so sprich: «Ich habe mich Allah ergeben und ebenso die, die mir folgen.» Und sprich zu jenen, denen das Buch gegeben ward, und zu den Analphabeten: «Habt ihr euch ergeben?» Haben sie sich ergeben, dann sind sie sicher auf dem rechten Weg, wenden sie sich aber zurück, dann obliegt dir nur die Verkündigung; und Allah achtet wohl der Diener.“ (3:19-20)

Diese Verse sprechen eine eindeutige Sprache. Hier wird zweifellos gesagt, dass mit „Al-Islam“ die Form von Unterwerfung gemeint ist, die der Prophet Muhammad (ص) überbracht hat und keine andere Form. Die Leute der Schrift (Juden und Christen) stehen in Opposition zu dieser Form der Unterwerfung. Der Prophet Muhammad (ص) und seine Gefährten sind die Anhänger des Islams. Die Leute der Schrift (Juden und Christen) werden dazu aufgerufen sich Allah (swt) zu unterwerfen durch seinen Propheten Muhammad, obwohl sie bereits Moses (ع) und Jesus (ع) akzeptieren. Dieselbe Nachricht wird den Götzenanbetern in Mekka überbracht. Wenn die Leute der Schrift und die Götzenanbeter dem Propheten und seinen Gefährten nicht folgen, werden sie zu nicht auf dem rechten Weg gehen.

Wir sehen also, dass mit „Al-Islam“ in diesem Vers „Unterwerfung unter dem Willen Allahs“ durch die letzte Botschaft, welche von Prophet Muhammad (ص) überbracht wurde gemeint ist und nicht durch die vorherigen Propheten. In derselben Sura heißt es: „Suchen sie eine andere Glaubenslehre als Allahs, wo sich Ihm ergibt, wer in den Himmeln und auf Erden ist, wohl oder übel, und zu Ihm müssen sie zurück? Sprich: «Wir glauben an Allah und an das, was zu uns herabgesandt worden und was herabgesandt ward zu Abraham und Ismael und Isaak und Jakob und den Nachfahren, und was gegeben ward Moses und Jesus und [anderen] Propheten von ihrem Herrn. Wir machen keinen Unterschied zwischen ihnen, und Ihm unterwerfen wir uns.» Und wer eine andere Glaubenslehre sucht als den Islam: nimmer soll sie von ihm angenommen werden, und im zukünftigen Leben soll er unter den Verlierenden sein.“ (3:83-85)

Diese Verse erklären die Grundlagen der Religion und dazu gehört der Glaube an „das, was zu uns herabgesandt wurde (Quran) und was herabgesandt ward zu Abraham und Ismail und Jakob und den Nachfahren, und was gegeben ward Moses (Thora) und Jesus (Bibel) und anderen Propheten von ihrem Herrn“. Ein Muslim, ein Unterwerfender, ist also nur jemand, der alle Propheten anerkennt und keine Unterschiede zwischen ihnen macht.

In Sura al-Baqarah steht im 137. Vers: „Und wenn sie glauben, wie ihr geglaubt habt; dann sind sie rechtgeleitet; kehren sie jedoch um, dann bringen sie Spaltung, aber Allah wird dir sicherlich genügen gegen sie, denn Er ist der Allhörende, der Allwissende.“ Dieser Vers weist noch mal daraufhin, dass Juden und Christen nur rechtgeleitet werden, wenn sie so glauben wie die Muslime.

Wenn andere Religionen konkurrierende Wege zu Gott wären, hätte der Prophet des Islams nicht versucht die Menschen zum Islam aufzurufen. In seinen Briefen lädt er Nichtmuslime immer wieder zum geraden Weg (siratul mustaqim) ein. Nach dem Friedensvertrag von Hudaybiyya schickte der Prophet (ص) Botschafter zu den Führern und Stämmen auf der arabischen Halbinsel, um ihnen die endgültige Religion zu bringen. Laut Historiker verschickte der Prophet ungefähr 25 Einladungsbriefe. Auch beim Ereignis von Mubahala wird deutlich, dass es nur einen wahren Weg zu Allah (ص) gibt. Damals stritten die Christen von Nadschran mit dem Propheten (ص) über die Wahrheit. Es heißt, dass sie unter Führung von Abdul Masih (Diener des Messias) zu Prophet Muhammad (ص) gekommen waren und es einen Disput darüber gab, ob Jesus (ع) der Sohn Gottes sei, was von Prophet Muhammad (ص) abgelehnt wurde.

Der Glaube an den Islam als einzige authentische und wahre Religion bedeutet jedoch keinesfalls, dass alle Nichtmuslime in die Hölle kommen. Im Quran wird mehrmals darauf hingewiesen, dass Muslime sich um Toleranz bemühen müssen, besonders mit den Anhängern der Schriftreligionen. In diesem Vers geht es zum Beispiel um polytheistische Eltern und dem richtigen Umgang mit ihnen: „Doch wenn sie mit dir eifern, damit du Mir das zur Seite setzest, wovon du keine Kenntnis hast, dann gehorche ihnen nicht. In weltlichen Dingen aber verkehre mit ihnen auf geziemende Weise.“ (31:15) Muslime sollten aufpassen keine Übertretungen zu begehen, aber mit Nichtmuslimen trotzdem freundlichen Kontakt pflegen. Obwohl sich unsere Wege im Jenseits trennen werden, sind wir verpflichtet uns im Diesseits um eine friedliche Koexistenz zu bemühen

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