Der Koran bestätigt Botschaft und Botschaftsauftrag der anderen Propheten

Der Koran annulliert nur nicht die Schriften, die vor ihm von Gott aus herabgesandt wurden, sondern, im Gegenteil, er bestätigt die Botschaft und Mission aller vorangegangenen Propheten, wahrhaftigen religiösen Führer und Rechtgeleiteten. Er lobt die Mühen und die Ausdauer der Wegbereiter und großen Menschen.

Den geistigen Oberhäuptern der Juden und Christen wird wiederholt mit Respekt und Anerkennung im Koran gedacht. Daß er diese Persönlichkeiten in Ehren hält und lobt, während andererseits so manche Anhänger des jüdischen und christlichen Glaubens sich dem Koran und seiner Lehre entgegenstellten und sie heftige bekämpften, - spricht dies nicht für seine eigene Aufrichtigkeit und dafür, daß er das Gute und Wahre in Obhut hat, sowie jene Tatsache, daß sein Inhalt auf herabgesandter Offenbarung beruht? Zeigt dies nicht, wie sehr diese Schrift frei ist von den Neigungen der Menschen, einander zu übertreffen und miteinander zu konkurrieren? Zeigt dies nicht auch, wie fremd ihr die Orientierung nach ehrgeizigen und egozentrischen Motiven und blinden Leidenschaften ist?

Im Koran lesen wir in Sure Ma'ede, Aje 48:

"Und wir haben diese Schrift (den Koran) mit der Wahrheit zu dir herabgesandt, damit sie bestätige, was vor ihr vom Himmelsbuche da war(und damit sie dieses bewahrt )."

Religion liegt im Wesen, in der Natur des Menschen. Aufgrund dieser einen inneren Stimme, die im Strombett des Denkens und des Handelns ihre praktischen Formen annimmt, kann Religion nicht kunterbunt und vielgeschickt sein.

So spricht der Koran (Sure Rom, Aje 36):

"Richte dein Antlitz auf die (wahre) Religion. Die Religion ist die natürliche Art, in der Gott die Menschen erschaffen hat."

Wenn der Mensch auch miteingeschlossen ist in das System von Regeln, welches die Erscheinungen der Daseinswelt beherrscht und wenn er auch im Zusammenhang mit diesem Phänomen und angeschlossen an das Gesetz von der Evolution zu definieren ist, dennoch ist sein Weg zum Wohl und Wohlergehen immer nur einer gewesen und wird immer nur dieser eine sein. Die Religion ist es, die ihm ein ganz bestimmtes Ziel,.eine ganz bestimmte Richtung und einen ganz bestimmten Weg verleiht.

Montesquieu schreibt in seinem Werk "Geist der Gesetze"(S. 725):

"Das Wesen der von Menschen aufgestellten Gesetze liegt darin, daß sie den verschiedensten Ereignissen gehorchen, d.h., daß Geschehnisse dieses Gesetz beeinflussen, währenddessen die göttlichen Bestimmungen keine Modifizierungen aufgrund von Vorkommnissen oder aufgrund des veränderten menschlichen Willens erfahren.

Die menschliche Gesetzgebung strebt immer gute Lösungen an. Die göttliche jedoch weiß den besten aller Lösungswege anzugeben. Ein guter Lösungsweg kann verschiedenartig aussehen, denn das Gute hat unterschiedliche Aspekte und tritt in verschiedensten Nuancen und Arten in Erscheinung. Der beste Lösungsweg jedoch ist einmalig, und nur einer, und daher auch nicht variierbar.

Der Mensch kann an dem menschlichen Gesetz Änderungen vornehmen, da es möglich ist, daß ein Gesetz zu einer bestimmten Zeit sich als von Nutzen erweist, in einer anderen Epoche aber seine Vorteilhaftigkeit verliert. Das System der göttlichen Religion, demgegenüber, bietet immer die besten Gesetze an, und diese können nicht geändert werden; denn es lassen sich keine noch besseren finden als sie."

Wenn wir demnach den göttlichen Geboten und Vorschriften den Rücken zukehren und bei von Menschen geschaffenen Bestimmungen glauben, Zuflucht finden zu müssen, so haben wir in Wirlichkeit eine weite freie Ebene verlassen, um eine schmale, ungeebnete Gasse zu betreten, d.h. wir haben das große Terrain des universalen Gesetzes der Religion gegen die Begrenztheit und Einengung menschlichen Denkens und menschlicher Denkweise eingetauscht.

Der wesentliche Unterschied zwischen der vom Propheten des Islams überbrachten Botschaft und der der übrigen Propheten liegt darin, daß das, was zuvor den anderen Gottgesandten offenbart wurde, sich im Rahmen eines nur zeitweiligen, vorübergehenden Planes und Programmes bewegte. So wiesen die Lehren der vorangegangenen Propheten im Vergleich doch Unzulänglichkeiten in ihren gedanklichen und Glaubensstrukturen auf, ebenso wie ein zeitliches Abknicken, so daß man sich beim In-Erscheinung-Treten des Islams jenen zum Teil überholten, vorübergehenden Vorschriften und Sitten nicht mehr unterwerfen konnte und kann.

Die Werteordnung des Islams stellt eine Ordnung dar, deren Ziel in der Vervollkommnung aller vorherigen prophetischen Missionen liegt. Sie umschließt sämtliche Dimensionen des Prophetentums mit der Ausgedehntheit einer jeden einzelnen von ihnen; vereinigt sie zur logischen Harmonisierung, zur abgesicherten Festung, und bildet den Komplex nicht nur eines prophetischen Konzeptes sondern der Gesamtheit aller dieser Konzepte.

Der Mensch ist durch die Werteordnung des Islams weder im sozialen Bereiche mehr auf andere Erläuterungen angewiesen, noch in bezug auf seine sonstigen Bedürfnisse in der materiellen und immateriellen Lebenssphäre. Bei den anderen Religionslehren kann jedoch keine solche

Universalität in geistiger und nicht-geistiger Hinsicht beobachtet werden.

Den Propheten oblag eine ganz bestimmte Verantwortung. Sie hatten im Laufe ihres Lebens die Pflicht, Fehlentwicklungen und Abgleisungen in der Gesellschaft zu korrigieren und die Bahn und Richtung zur Vorwärtsentwicklung im Denken und Handeln festzulegen.

Die Großen unserer Religion übernahmen und übernehmen diese Funktion und Aufgabe. Sie führen sie fort, indem sie aus den lebendigen, nie versiegenden Quellen des Islams schöpfen. Seine Werteordnung, die Werteordnung des Islmas, wird in allem aus dem Koran gespeist. Der Koran verleiht ihr ihre Zuverlässigkeit. Bestimmt die Richtung aller Bewegungen und Entwicklungen und aus ihm werden die einzelnen islamischen Gesetze herausgeboren.

Kein Problem liegt außerhalb des Radius seiner Grundsätze, seiner ausgeglichenen universalen Prinzipien. Er, der Koran, enthält den Bedeutungsinhalt aller Lehren, die von den vielen großen und durch Gott zum Propheten auserwählten Menschen überbracht wurden.

Als die Menschheit den notwendigen Entwicklungsgrad an Humanität erreicht und die Fähigkeit zur Erfassung der grundlegenden Wahrheiten und der Lehrsätze und Gesetze Gottes erlangt hatte, waren es die religiösen Gelehrten (die Ulamas) und gläubigen Wissenschaftler, die den Rang des

Stellvertreters des Propheten einnehmen mußten. Ihre Aufgabe lag und liegt darin, im geistigen und gedanklichen Bereich der Menschheit die echten religiösen Maßstäbe anzulegen. Bei gleichzeitigem Anstreben der erhabenen, religiösen Ideale übernehmen sie den Kampf gegen Verfälschungen der Gotteslehre und bemühen sich, sie, die Lehre, genau zu erforschen und durch ihre Interpretation neue Rechtsfragen zu klären. Sie verbreiten mit dem richtigen, wahrhaftigen Ziele die vom Himmel herabgesandten Rechtlinien.

In zahlreichen Ajat des heiligen Korans wird das Volk aufgefordert und ermuntert, Erscheinungen und Phänomene genau zu beobachten und Einsicht in den die Daseinswelt beherrschenden Geist zu gewinnen. Seine Existenz logisch zu begründen, ihn zu erkennen.

Ständig legt der Koran Nachdruck auf die Größen "Vernunft" und "Erfahrung". Lenkt die Aufmerksamkeit des Menschen auf sie. Zeigt ihren Stellenwert, ihr Leistungspotential auf. Natur und Geschichte stellt er als Quelle menschlicher Weisheit, als ein Lehrbuch dar, und so bringt er indirekt auf die verschiedenste Art und Weise zum Ausdruck, daß diese seine Botschaft die letzte aller Botschaften bedeutet, daß sie die Herrschaft einer neuen modernen Denkweise in der Geschichte der Menschheit aufzeigt.

Und die Menschheit hat wirklich in den fast 15 inzwischen verstrichenen Jahrhunderten hinsichtlich der harmonischen Koordinierung geistiger Entwürfe mit gegebenen externen Bedingungen ihre Kompetenz und Eignung unter Beweis stellen, hat hohen nutzvollen Funktionserfüllungen nachkommen können. Es hat sich erwiesen, daß sie ihr Erbe an Religion und Wissen zu bewahren vermochte und auf der Bereichsstufe "Analyse und Interpretation" sich einer tiefen Wahrheitsliebe und Treue zur Realität erfreuen kann.

Schon dies bedeutet nichts anderes, als daß der Mensch unabhängig und vorbereitet genug wurde und die ausreichende Eignung fand, Gottes Ajat(= "Zeichen" oder "Koran-Verse" - d. Übers.) mit einem Maximum an Genauigkeit zu wahren und zu hüten. Daß er nunmehr die Verantwortung übernehmen konnte und kann, die Religion Gottes zu verbreiten, sie zu lehren. Für sie zu werben und das Offenbarte richtig zu interpretieren.

Ja, wenn die letzten Gebote und Verbote Gottes der Menschheit erteilt werden, dann entfällt doch die Notwendigkeit des In-Erscheinung-Tretens eines weiteren Propheten. Die hierzu erforderlichen Bedingungen wird es danach nicht mehr geben.

Nehmen wir zum Beispiel an, man hat an einem Stück Erdreich alle notwendigen und exakten Untersuchungen zwecks archäologischer Funds durchgeführt. Man weiß: es ist nichts mehr in diesem Erdreich enthalten, so daß auch die Voraussetzung für eine neue Untersuchung, Forschung und Entdeckung wegfällt. Mit der Offenbarung verhält es sich ähnlich.

Wenn das Prophetentum, die verschiedenen Phasen überwindend, schließlich in dem Grad seiner Vervollkommung gipfelt und durch die Offenbarung alle verschwommenen dunklen Winkel, die für den Menschen erfaßbar und gedanklich von ihm erreicht werden können, erleuchtet hat, ja, dann bleibt kein Punkt mehr im unklaren und kein Weg mehr übrig, der noch neu ins Auge gefaßt und begangen werden müßte.

Angesichts der Tatsache, daß die kleineren Suren teilweise nur aus einigen wenigen kurzen Sätzen bestehen, beweist diese letzte Mahnung des Korans deutlich die Unfähigkeit der Menschen, selbst nur eine dem Koran vergleichbare Sure zustandezubringen.

Der Prophet und Überbringer dieses wertvollen Schriftwerkes, der seine Gegner unentwegt zum harten Wettstreit auffordert, war - und das ist geradezu wundersam - ein Mensch, der in den vorangegangenen 40 Jahren seines Lebens in der Gesellschaft weder an irgendeinem der literarischen Wettkämpfe teilgenommen noch, was die Kunst des Redens anging, einen - die anderen übertreffenden Rang erlangt hatte.

Gleichzeitig sei daran erinnert: Die Herausforderung zur wetteifernden Opposition erging an eine Umwelt, die von den Fahnenträgern der Götzenanbetung

beherrscht wurde. Gegen diese waren die zielsicheren Angriffe des Korans gerichtet. Ihr Reichtum und ihr Leben, ihre alten, morschen Bräuche aus Urahnezeit sowie ihre soziale Höherstellung wurden ernster Gefahr ausgesetzt. Es gab seinerzeit genug Meister in Redegewandtheit und Sprache, und wären die Araber wirklich in der Lage gewesen, mit dem Koran zu wetteifern, so hätten sie dies sicherlich unter Zuhilfenahme dieser Redekünstler und mit deren blinden Unterstützung getan. Sie hätten den Ruf des Korans erwidert, um seine Argumente zu brechen, seine Beweisführung zu entmachten und als Sieger in die Geschichte einzugehen.

Zudem: Die Beständigkeit in Stil und Form einer Rede oder eines Textes versetzt den Menschen normalerweise in die Lage, ähnliches abzufassen. Dies ist eine Regel. Jedoch in Bezug auf den Koran trifft sie nicht zu.

Versuche, den Stil des Korans einzuüben und ihn sich anzugewöhnen, wird niemandem die Fähigkeit geben, seinesgleichen zustandezubringen. Auch dieser Umstand lüftet den Schleier über jener tiefen Wahrheit, daß eine Nachahmung des Korans nicht im Rahmen des Erlernbaren liegt. Dieses vom Himmel herabgesandte Wunder blieb über alle Zeiten hinweg unantastbar, unzerstörbar, und die Geschichte hat keine Schrift vorlegen können, die gleichen Ranges gewesen wäre. Ja, selbst in den Reden des Propheten läßt sich kein Wort finden, daß hinsichtlich des Stils und der Sprache

des Korans, mit diesem Ähnlichkeit besäße.

Wären Gegner und Redemeister in der Lage gewesen, ein dem Koran gleichwertiges Werk zu schaffen, so hätte dies schon genügt, um die Bewegung Mohammads innerhalb von Mekka und an ihrem Ausgangspunkt zu vernichten und einzufrieren. Mehr als eines kalten Krieges und eines agitatorischen Angriffes hätte es nicht bedurft. Die durch die blutigen Auseinandersetzungen entstandenen materiellen und menschlichen Verluste wären gar nicht nötig gewesen, ebensowenig wie die brutalen Druckausübungen und Enteignungen vonseiten der feindlich Gesinnten. Weder wäre es soweit gekommen, daß die Mosleme ihre Heimat hätten verlassen müssen, noch hätte die Situation der jungen islamischen Gemeinde den geleisteten Widerstand abverlangt.

Man erprobte freilich seine ganze Kraft und alle Möglichkeiten, um es dem Koran gleichzutun. Jedoch: Alles Können und alle Befähigung entpuppte sich letztendlich doch als Versagen.

Nicht einen Fehler und nicht einen Mangel waren die Gegner des Korans in der Lage, in ihm ausfindig zu machen, und sie gaben selbst zu, daß sein Wort menschliches Denken und Sprechen überragt und sich auf einer höheren Rangstufe bewegt.

Auf ungewöhnlichem und schnellem Wege verschafften sich die Verse des Korans Zugang bis in die Tiefe der Herzen, so rasch, daß die mutigen

freiheitlich denkenden Menschen und Helden jenes außergewöhnlichen, ereignisreichen Abschnittes in der Geschichte sich bereitfanden, alles und selbst ihr Leben für ihn, den Koran, zu opfern.

Und es waren die Freunde der Unwissenheit und geistigen Stagnation, jene, die so gut wie keinen Wert auf Weisheit, Überlegung und Denken legten, und deren Leben im abgestandenen Sumpfwasser der Ignoranz und geistiger Nachlässigkeit verlief - es waren sie, die in der Hauptsache gegen den Koran hetzten und sich ihm entgegensetzten. Sie nannten ihn "Zauberei", um so seine wundersame Wahrheit zu verschleiern, zu vertuschen. Aber mit "Zauberei" war auch nicht weniger gemeint als daß die Verse Gottes außergewöhnliche Anziehungskraft und einzigartigen Einfluß auf die Menschen ausübten.

Die, die sich zum Islam bekannten, attackierte man mit Verleumdungen und Verhöhnungen, quälte und erniedrigte sie. Druck- und Zwangsausübung wurden eingesetzt, um dem Verstand des Volkes und seinem freien Denken einen Riegel vorzuschieben. Man griff, den Koran bekämfen wollend, zu regelrecht kindischen Methoden, deren Naivität für die Hilflosigkeit und Inkompetenz seiner Gegner zeugte.

So zum Beispiel hatte eine Gruppe den Auftrag, durch künstlichen Lärm, durch Pfeifen und fortwährendes Händeklatschen, den Propheten,

Wenn immer er die göttlichen Verse des Korans vortrug, zu übertönen, und man gedachte, auf diese Weise zu verhindern, daß Wundersamkeit und Zauber des Korans die Menschen anzöge.

Den Stammesobersten der Qureisch ging es darum, daß die koranische Botschaft dem Volke nicht zu Gehör kam. Die Hartnäckigkeit und Vorgehensweise, mit denen sie dieses Ziel verfolgten - beide verdeutlichen, wie ernsthaft und wie schicksalsbestimmend diese Auseinandersetzung war. Eine Auseinandersetzung zwischen Recht und Unrecht.

Der Koran selbst bringt die Taktiken dieser streitsüchtigen Elemente an den Tag und spricht über ihren negativen Einfluß (Sure Fasilat, Aje 26):

"Die Ungläubigen sagten: "Hört nicht auf die Verse des Korans. Schwatzt vielmehr dazwischen. Vielleicht werde ihr die Oberhand gewinnen."

Aber diese durch Druck und Zwang erzielte geistige Trennung der Bevölkerung vom Koran war von kurzer Dauer. Und als die Ketten der eingeflößten und die Gemüter fesselnden Angst und Abneigung abfielen, da begab sich sogar manch einer von den Anführern des Ungläubigenlagers zu den die Kaaba verhüllenden Vorhängen und versteckte sich in ihnen, um dem beseelenden Ruf der Koranverse zu lauschen, die der Prophet beim alltäglichen Gebet in nächster Nähe sprach.

Der Umstand, daß auch sie, die doch fest an den alten

Bräuchen und Zwängen aus der Zeit der Unwissenheit hingen, sich vom Koran angezogen fühlten, zeigt den Eindruck, den er hinterließ und ist ein Zeichen dafür, wie tief er in die Seele des Volkes einzudringen vermochte.

Die Ungläubigen hatte er zur Opposition aufgefordert, zu einem für das Schicksal entscheidenden Existenzkampf. Aber es blieben diese in der Praxis unfähig, eine effektive Reaktion zustandezubringen und irgendeinen Gegenschlag zu erteilen.

Soweit die Unfähigkeit der Feinde zur Zeit der islamischen Anfänge, und damit in einer Zeit, in der die Großen der Redekunst erkannten, deß sie nicht in der Lage waren, mit dem Koran zu konkurrieren oder ihn irgendwie nachzuahmen.

In unserer heutigen Epoche, 13 Jahrhundert nach der koranischen Herausforderung zum Kampf und in einer Ära, in der fortgeschrittenes Wissen dem menschlichen Denken neue Horizonte erschloß, können wir die göttliche Herkunft und im Koran enthaltenen unbegrenzten Werte nicht nur auf dem Gebiete seiner einmaligen unnachahmbaren Struktur und seiner rednerischen Gewandtheit sondern auch in den verschiedenen anderen Bereichen herausspüren. Wir sind in der Lage zu erfassen, daß der Koran ein ewiges, endloses Wunder bedeutet. So blieb auch der Standpunkt der Gottesoffenbarung gegenüber den Gegnern und ablehnenden Elementen weiterhin fest bestehen, und der himmlische Rufe des Korans schwingt durch die Luft und verkündigt nach wie vor mit lauter Stimme den Weltbewohnern:

"Wenn ihr daran zweifelt, daß der Koran vom Himmel herabgesandt wurde, so bringt(nur) eine Sure wie die seinigen hervor."

(Sure Baghara Aje 23)

Obwohl die Menschheit von heute diese Aufforderung erfolgreich erwidern kann? Ob sie durch Zustandebringen auch nur einer ähnlichen "Sure" den Schützenwall des Islams zu erobern und die Prophetenschaft Mohammads(s.a.s.) annullierend zu durchkreuzen vermag?

Es gab und gibt sowohl in der Vergangenheit als auch heute unter den Kennern und Fachmännern der arabischen Sprache und Literatur genug eingefleischte und schamlose Feinde des Islams, die zweifelsohne mit Leib und Seele dieser Religion Gottes den entscheidenden Schlag versetzt hätten oder versetzen würden, wenn sie nur die Herausforderung des Korans durch die Niederschreibung einer gleichwertigen "Sure" in der Lage gewesen wären zu erwidern. Aber nie waren sie hierzu fähig. Der Koran ist und bleibt ein Wunder, das ewig gilt und in jeder Zeit hineinpaßt.

Der Weg, den der Islam als Kampfmittel gegen sich selbst vorschlägt, ist wirklich einfach. Warum dann versuchen seine Gegner auf Umwegen die göttliche Gesandtschaft des Propheten als angeblich nichtig nachzuweisen und lassen diese problemlose Methode, die den Islam mit einem Schlag zunichte machen

könnte außer acht?

Kann ein anderer Grund dafür vorliegen als der, daß dem Menschen nach wie vor das Tor zum erfolgreichen Kampfe gegen den Koran verschlossen blieb?

"Der christliche Gelehrte Kipp schreibt:

"Sogar wenn wir die Wörter des Korans durcheinanderbringen, wären wir außerstande, ihn wieder zusammenzustellen, es sei den wir würden sie genau dort einsetzen, wo sie zu Anfang gestanden haben."

Trotz des verstrichenen Zeitraumes liegt dank der geschichtlichen Dokumente und Urkunden ein derart deutliches Bild von den dem Propheten des Islams innewohnenden Besonderheiten vor, daß alle Historiker einstimmig bestätigen, daß er, der Prophet, sich aus den Reihen der Analphabeten erhob. Daß er weder mit Büchern noch mit einem Lehrmeister vertraut war und auch das Schreiben nicht erlernt hatte.

Hier hat das Prophetentum die Ziellinie der Erfüllung seiner außergewöhnlichen Aufgabe und seiner ununterbrochenen Funktion erreicht. Und überdiese Ziellinie hinaus wird die göttliche Mission, mit ihrer Werteordnung und dem einheitlichen kulturellen und sozialen Konzept, ihr Leben - dank der nicht versiegenden Quelle dieser Offenbarung - unabhängig von der Zeit - fortsetzen können.

Oder wie es der Prophet des Islams ganz klar und anschaulich beschreibt:

"Das Prophetentum gleicht einem Haus, dessen Bau zu Ende geht, und in dem nur noch ein Ziegel fehlt. Und dieser letzte Ziegel wird durch mich gelegt."

(Tafsire Madjmeh-al-Bajan, Sure Ahzab, Aje 40)

Der Auftrag der Propheten, welcher in der Überbringung und Verbreitung der Kunde Gottes bestand, ging in einer Zeitepoche zu Ende, in der den Menschengeschöpfen die geistige Reife zu Hilfe kam, sie erwachsen wurden und sich zu entfalten begannen.

Dennoch: die gesitig-seelische Beziehung zwischen der Welt des Menschen und der Welt des Verborgenen wurde nicht abgebrochen. Ebensowenig wie der Weg, welcher durch Läuterung der Seele und Streben nach aufrichtiger Überzeugtheit zur Erlangung erhabener Rangstellungen menschlicher Würde führt.

Dank eines solchen unermüdlichen seelischen Strebens und Sich-Mühens vermag der Mensch, dem ja ohnehin große Dimensionen und schöpferische Gaben verliehen wurden seine potentiellen Kapazitäten und sein Können einzusetzen, und durch sie wird ihm der Kontakt mit der Welt des Verborgenen ermöglicht. Durch sie sieht und erkennt er das, was die, die sich von den Äußerlichkeiten der materiellen Welt blenden lassen, nicht wahrnehmen. Diese seine Anstrengungen bilden die Gußform, aus der sein wahrhaft humanes Gesicht hervorgeht, das Gesicht des Menschen,

den Gott als seinen Kalifen auf Erden ausersehen hat. Er, der Mensch, wird auf diesem Pfade neue Werte antreffen und erreichen, die seinem Dasein

Sinn und Inhalt verleihen. Und so gibt es sehr viele, deren religiöses Denken sich auf äußerst hoher Stufe bewegt. Menschen, die ohne den Grad eines religiösen Führers und die erhabene Stellung eines Propheten und Gesandten Gottes zu erreichen, dennoch zu einem Vielfachen an echter Gesitigkeit und seelischem Range gelangten.

Die Tore zur Erleuchtung und Inspiration werden immer offen bleiben für alle die, die ihr Wesen und ihren Namen von dem Schmutz und der Häßlichkeit des Sündigen läutern wollen. Die, die ihren Geist und ihre Seele dem belebenden Windhauche der göttlichen Lehre anvertrauen.

Weder wird der geistig-seelische Segen je abbrechen, noch wird er Knappheit oder einen Mangel aufweisen. Es hängt vielmehr von der inneren Neigung, Kraft und Kapazität eines jeden einzelnen ab, inwiefern er aus diesen göttlichen Gnaden, die für alle gegeben sind und nicht abreißen, ständigen Segen erlangen kann. Was der Mensch in einem vertieften Kontakt mit jenem reinen, sprudelnden Urquell schöpft, das hängt hier von ab.

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