Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Freundschaften und gegenseitige Hilfe zwischen den Individuen einer Gesellschaft gehören zu den Dingen, die im Islam sehr betont werden. Es wird auch ein sehr großer Wert auf den richtigen Umgang in zwischenmenschlichen Beziehungen gelegt. Die Liebe und Freundschaft in gesellschaftlichen Beziehungen trägt auch viel zur Einheit bei und wird vom Islam besonders betont, durch dieses Verständnis und diese Art der Interaktion sind die Ziele und damit die Glückseligkeit nämlich in greifbarer Nähe.
Durch die Liebe zueinander kann man die Probleme besiegen und die Bedingungen für das Entstehen einer utopischen Welt, dem Traum aller Reformer und mitfühlender Menschen schaffen. Die islamische Kultur erachtet die Liebe als wichtigste Voraussetzung, wenn man eine ideale Gesellschaft unter den Menschen formen möchte. Der Qur'an beschreibt in einem Vers, der der Schlüssel zu allen Dingen ist, die mit gesellschaftlichen Beziehungen zu tun haben, die richtige Beziehung zwischen Glaubensbrüdern: "Die Gläubigen sind Brüder." 49:10 Dieser Vers vermittelt die Botschaft des Friedens und der Freundschaft unter den Muslimen, und in Anlehnung an diesem Vers war es, dass der hl. Prophet den Pakt der Brüderlichkeit zwischen den Muslimen besiegelte. Durch diese soziale Geste baute er auf beste Weise eine beständige Struktur unter den Individuen der Gesellschaft, damit alle unter dem Schatten der Einheit und Brüderlichkeit und fern von Feindseligkeiten und Neid, nebeneinander leben und die menschliche Vervollkommnung anstreben können.
Die Liebe ist in der islamischen gesellschaftlichen Ordnung von so großer Bedeutung, dass der hl. Prophet (s.) sagte: "So lange sich mein Volk liebt, sich beschenkt und vertraut, wird sie glückselig sein."[1]
In einer anderen Überlieferung sagt der Edelmutige: "Das zweite Prinzip der Vernunft ist, nach dem Glauben, die freundschaftliche Beziehung zu Mitmenschen."[2] Wir sollten auch beachten, dass die Liebe zu den Mitmenschen mit gewissen, ethischen und rechtlichen Pflichten behaftet ist, über die wir uns bewusst sein sollten, wenn wir sie einhalten wollen. Einige dieser Pflichten werden hier erwähnt.
Gegenseitiges Vertrauen ist eine dieser Pflichten. Der hl. Prophet (s.) sagte: "Mißtrauen ist die schlimmste Lüge, es gibt nichts falscheres als Mißtrauen."[3] Imam Ali (a.s.) sagte: "Wenn wir uns unserem Mißtrauen ergeben, wird keine Freundschaft beständig bleiben."[4]
Der wird, wenn er mißtrauisch ist
Keine Wahrheit hören, auch mit hundert Beweisen nicht
Der, der sich etwas Eingebildet hat
Wird seine Einbildung jedem Beweis vorziehen[5]
Soziale Ettikette ist eine weitere dieser Pflichten. Gläubige haben einander demnach zu respektieren, so wie von Imam Kasim (a.s.) überliefert wurde: "Lass' den Respekt zwischen Dir und Deinem Glaubensbruder nie ganz schwinden und behalte Dir etwas davon vor. Schwindet dieser Respekt, schwindet nämlich auch jede Scham. Der Fortbestand einer Freundschaft hängt vom Fortbestand des Respekts ab."[6]
Bewahrt man die Etikette, so bleibt man anderen gegenüber stets freundlich. Einer besinnlichen Überlieferung nach sagte Imam Sadegh (a.s.): "Ich suchte die Freundschaft zu allen Menschen, so fand ich den Schlüssel im freundlichen Verhalten."[7]
Zu den weiteren Pflichten der Menschen einander gegenüber gehört Treue. Sie befestigt die zwischenmenschlichen Beziehungen und läßt, wie Imam Ali (a.s.) schon sagte, Vertrautheit zwischen Menschen entstehen. Halten sich die Menschen an diese Verpflichtung, wird auch Gott seine Versprechen an die Menschheit halten.
Wenn du treu deinen Bund mit Gott eingehalten hast
Wird Gott seinen Bund mit dir gnädig einhalten
Du hast deine Augen vor dem Glauben an Gott verschlossen
Du hast nicht auf "Gedenket Mein, dass Ich eurer gedenke" gehört
Öffne das Ohr, höre auf "Haltet Meinen Bund"
Damit 'So will auch Ich den Bund mit euch halten' vom Freund kommt[8]
Gerechtigkeit gehört zu den weiteren Dingen, zu denen sich die Menschen in ihren Beziehungen zueinander verpflichten sollten. Sie bringt die Herzen einander näher und lässt Bindungen zwischen ihnen entstehen. Gerechtigkeit beseitigt Streitigkeiten und stärkt die Vertrautheit zwischen den Menschen.[9]
Auch andere Dinge tragen zu einer korrekten, zwischemnenschlichen Beziehung bei, wie z.B. Wahrheitstreue, Nachsicht und Toleranz, Güte und Hilfsbereitschaft, liebevolles Verhalten u.Ä. spielen eine besondere Rolle in einem gesunden Zusammenleben der Menschen.
In der islamischen Kultur lässt sich der Begriff der Nächstenliebe sehr weit ausbreiten, die Nächstenliebe ist aber nichtsdestotrotz viel mehr betont worden, wenn es um Arme und Bedürftige geht. In diesem Zusammenhang ist z.B. vom hl. Propheten (s.) überliefert worden: "Ich lege rate Dir zur Freundschaft mit Bedürftigen und zum Umgang mit ihnen."[10] In einer anderen Überlieferung vom hl. Propheten (s.) heißt es: "Mein Herr gebot mir, mir sieben Eigenschaften anzueignen. Eine von ihnen war die Freundschaft und Nähe zu den Bedürftigen."[11] In der Nacht des Aufstiegs des hl. Propheten (s.) zum Himmel, fragte er Gott: "Welche der Taten ist die beste?" Ein Teil von Gottes Antwort lautete: "O Muhammad, meine Freundschaft ist die Freundschaft zu den Bedürftigen, so nähere dich ihnen und bleib ihnen nah."[12] Damit sind allerdings Bedürftige gemeint, die mit wenig zufrieden sind, die Hunger und Durst über sich ergehen lassen und dennoch ihre Würde bewahren und ihre Umstände vor anderen verbergen, so dass andere glauben, sie seien wohlhabend. Sie sind für jede Gabe und jede Zuwendung dankbar und klagen nie über Durst und Hunger. Sie lügen nicht und sind nie wütend über ihren Herrn, und binden sich auch nicht allzu sehr an etwas, was sie erworben haben.
Abschließend sollte auch daran erinnert werden, dass Gott im Qur'an verschiedenen Gruppen von Menschen seine Freundschaft erklärt; es folgen einige Beispiele:
"Allah liebt die sich Bekehrenden ..."[13]
"Gott liebt die Gerechten."[14]
"Allah [...] liebt die sich Reinhaltenden."[15]
" ... wahrlich, Allah liebt die Gottesfürchtigen."[16]
" ... und Allah liebt, die da Gutes tun"[17]
"Und Allah liebt die Standhaften."[18]
" ... Gott liebt diejenigen, die sich auf Ihn verlassen."[19]
" ... Wahrlich, Allah liebt jene, die Gutes tun."[20]
Wendet man sich an den Qur'an, findet man nicht nur die, die von Gott geliebt werden, sondern auch die, die Gott NICHT liebt:
" ... und Allah liebt nicht die Ungerechten;"[21]
"Gott liebt nicht diejenigen, die Unheil stiften."[22]
"Er liebt nicht die Unmäßigen."[23]
"Wahrlich, Allah liebt nicht die Verräter."[24]
"Wahrlich, Er liebt nicht die Hoffärtigen."[25]
"Gott liebt keinen, der selbstherrlich und prahlerisch ist."[26]
"Wahrlich, Er liebt nicht die Leugner."[27]
"Allah liebt keinen Treulosen, Undankbaren."[28]


[1] Die Lichtermeere, Band 73, S. 400, Überlieferung 43
[2] Al-muhabbat fi kitab was'sunna, S. 33, Überlieferung 11
[3] Al-muhabbat fi kitab was'sunna, Überlieferung 370 u. 371
[4] Ebd, Überlieferung 548
[5] Matnawi, II. Buch, Verse 2714-2715
[6] Al-muhabbat fi kitab was'sunna, Überlieferung 207
[7] Ebd, Überlieferung 192
[8] Matnavi, V. Buch, Verse 1181-1183
[9] Al-muhabbat fi kitab was'sunna, Überlieferungen 215, 216 und 219
[10] Ebd, Überlieferung 644
[11] Ebd, Überlieferung 647
[12] Ebd, Überlieferung 648
[13] 2:222
[14] 60:8
[15] 2:222
[16] 3:76
[17] 3:134
[18] 3:146
[19] 3:159
[20] 5:13
[21] 3:140
[22] 5:64
[23] 7:31
[24] 8:58
[25] 16:23
[26] 31:18
[27] 30:45
[28] 22:38
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