Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Einer der wichtigsten Faktoren, die zur Erziehung der Menschen beitragen, sind Lehrer und Meister. Der Lehrer hat eine besonders wichtige Rolle in der Entwicklung des Verstands, der Emotionen und des sozialen Verhaltens der Menschen und dabei ist die Liebe die geheime Zutat, die notwendig ist damit der Lehrer seine Rolle in jeder Dimension und zu jeder Zeit am besten erfüllen kann.

Wenn der Lehrer nicht über- oder untertreibt, leitet er seine Schüler auf den Weg des gesunden, emotionalen Wachstums. Den Lehrlingen bleiben dabei Dinge wie Konflikte, Unruhen und Zweifel erspart und ihr emotionales Wachstum kommt auf einen Pfad, der unmittelbar zu ihrer Vervollkommnung beiträgt. Durch liebevolles Verhalten kann der Lehrer auch dazu beitragen, dass die Funktionen des Verstands der Lehrlinge, wie z.B. ihre Wahrnehmung, das Bilden von Bedeutungen und deren Analyse, Gedankengänge, Schlussfolgerungen, gedankliche Vorwegnahme, die Wahl von Zielen, Mitteln und Lösungen voll und ganz entfaltet werden. Es werden die notwendigen Bedingungen geschaffen und die Lehrlinge werden in Zukunft mithilfe ihres geübten, vorbereiteten Verstands ihre Probleme erfolgreich lösen können.

Auch in sozialer Hinsicht spielt der Lehrer eine wichtige Rolle. Er bereitet seinen Lehrling auf die Gesellschaft vor indem er ihn mit den Bräuchen und Sitten bekanntmacht und ihm ein Gefühl für Zusammenarbeit, Mitgefühl, Umgangsformen, Konkurrenz, Toleranz, Ordnung und Disziplin, Selbstlosigkeit, richtige Denkweise, Respekt vor den Rechten anderer und Problemlösung vermittelt. Durch die Liebe des Meisters kann der Lehrling in allen drei wichtigen Aspekten, nämlich dem emotionalen, dem gedanklichen und dem sozialen ausgezeichnete Resultate erzielen.

Die Anweisungen des Islam richten sich an der menschlichen Natur und betonen daher was die Erziehung und Lehre betrifft stets Dinge wie Liebe, Gewissenhaftigkeit, Sanftmut und Freundlichkeit als Grundlagen, weil dies eine Methodik darstellt, die die Talente der Studenten erfolgreich entfalten lässt. Der hl Prophet (s.) war als größter Lehrer der Menschheit stets liebevoll und mied jegliche Gewalt, und er empfahl dies auch allen anderen Lehrern: „Lehrt den Menschen neue Dinge, doch wendet niemals Gewalt an. Wisset, dass es wertvoller ist, ein Lehrer zu sein als Gewalt anzuwenden.“

Der Märtyrer Thani sagt über die Liebe des Meisters zum Lehrling: „Der Lehrer muss dieses seelische Bedürfnis der Lehrlinge beachten. Wenn er dieses Bedürfnis gut kennt, kann er ihm eine sinnvolle Richtung verleihen und es für die Lehre einsetzen.“[1]


Gibt der Meister seine Lehre mit Liebe wieder

Zieht es das sonst flüchtige Kind am Feiertag in den Unterricht

Ein Lehrer kann seine Liebe zu den Lehrlingen auf verschiedene Arten ausdrücken. Freundlichkeit ist z.B. eine der wichtigsten Methoden, um die Herzen anderer zu gewinnen und die beste Art, Kontakte mit jedem einzelnen Individuum der Gesellschaft zu knüpfen.

Die Lehrer können, indem sie ihren Studenten gegenüber freundlich sind, und zwar sowohl in ihren Worten als auch in ihrer Gestik, und indem sie ihnen ihre Fehler verzeihen, ihren Respekt und ihre Zuneigung gewinnen, wodurch sie um ein Vielfaches mehr Einfluss auf ihre Lehrlinge ausüben können. Der hl. Prophet (s.) sagte: "Zu verzeihen bringt einem [Gottes]Diener nichts außer Würde, so verzeiht, damit euch von Gott Würde gegeben wird."[2] Indem man die Lehrlinge gleich behandelt und Fairness zwischen ihnen walten lässt, gewinnt man eine höhere, spirituelle Position unter ihnen und dies bringt die Herzen einander näher[3], befestigt die Liebe[4]. Klarerweise ist es nicht ungerecht, den fleißigeren, disziplinierteren und höflicheren Studenten gewisse Vorteile zu gewähren.

Die Liebe des Meisters zu den Lehrlingen sollte auch den Effekt haben, dass er ihnen gegenüber jegliche Gewalt meidet, weil dies nur zur Folge haben wird, das die Lehrlinge ebenfalls Geschmack an Gewalt finden. Dies würde ihren Seelen die Lebendigkeit nehmen, und Müdigkeit und einzelgängerisches Verhalten unter ihnen verbreiten. Die Lehrlinge werden sich dann hinter Lügen verbergen, weil sie befürchten, dass sie sonst anderen unterlegen sind. So würden die Lehrlinge also mit Dingen wie Betrug und Täuschung in Kontakt kommen und in Zukunft all ihre Taten darauf aufbauen. Es ist wichtig, dass Lehrer beim Unterrichten ihrer Schüler sowie Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder nicht gewalttätig sind und unnötige Strenge meiden. Sie sollten ihre Lehr- und Sprösslinge sanft behandeln.[5] Der hl. Prophet (s.) sagt aus diesem Grund auch:

"Behandelt den der von euch lernt und den, von dem ihr lernt stets mit Sanftmut."[6]

Die Lehrer sollten ihre Lehrlinge anspornen und auch ihre Zuneigung gewinnen. Ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Lehrer und Lehrling fördert nämlich den Lern- und Erziehungsprozess. Davon abgesehen legt jede Person großen Wert auf seinen Charakter, so sollte der Lehrer auch den Charakter seiner Lehrlinge respektieren und alles tun, damit dieser Respekt bewahrt bleibt. Er sollte strengstens alles, was seine Lehrlinge erniedrigen oder beleidigen würde strengstens meiden und ihre Herzen mit seiner Bescheidenheit erobern. Er sollte seinen Lehrlingen niemals sein Wissen vorhalten, weil sein Wissen dann absolut keinen erzieherischen Wert mehr haben wird. Sehen die Lehrlinge, dass Wissen nur Eitelkeit und eine Illusion der Überlegenheit mit sich bringt, verlieren sie ihr Interesse daran. Selbstverständlich ist niemand frei von Mängeln, doch weisen die Lehrlinge oft viel mehr Fehler auf und der Lehrer und Meister sollte daher bemüht sein, diese auszubessern indem er sanft und tolerant ist.

Der Lehrer kann seine Liebe zu seinen Lehrlingen kundtun, indem er Interesse an ihrem Wohlbefinden und auch an ihrer Identität zeigt. Dies führt dazu, dass sich die Studenten umso mehr ihrem Lehrer anvertrauen und mehr von ihm lernen. Basiert die Beziehung zwischen Lehrer und Lehrling also auf Liebe, wird das geistige und soziale Wachstum der Lehrlinge gefördert, was ihnen wiederum eine Gelegenheit bietet, sich umso mehr zu steigern.



[1]

[2] Kans ul a'maal, Band 3, S. 368, Überlieferung 12883

[3] Ebd, Band 10, S. 64, Überlieferung 19896

[4] Ebd, Überlieferung 19897

[5] Ibn Khaldun, Einführung, s. 540

[6] Misan ul hikma, Band 6, S. 487, Überlieferung 13588

Zugriffe: 1652