Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Den Qur’anversen und Überlieferungen wird entnommen, dass eine Freundschaft auf Glauben basieren muss, wenn sie fortbestehen will, daher sind Glaube und Frömmigkeit die wichtigsten Kriterien in einer Freundschaft.[1] Der Qur’an zählt diese beiden Dinge zu den wichtigeren Eigenschaften glückseliger Menschen[2] und erinnert daran, dass Gott die Herzen derer, die diese Eigenschaften besitzen mit Liebe erfüllt: „Diejenigen, die da glauben und gute Werke tun - ihnen wird der Gnadenreiche Liebe bereiten.“[3] Klarerwiese sollte man jemanden als Freund wählen, der gut und positiv auf einen wirkt und besitzt jemand diese Tugenden nicht, so wäre eine Freundschaft mit ihm sinnlos. Der Glaube, der also Wissen, sichere Kenntnis, Ergebenheit und Demut Gott gegenüber bedeutet[4] wird als Kriterium für eine Freundschaft gewählt, was sich auf die individuellen und gesellschaftlichen Aspekte auswirkt. Auch das Wissen eines Freundes sollte beachtet werden, weil der Umgang mit jemandem von dem man gar nichts lernen kann nicht nützlich ist. Imam Ali (a.s.) sagt:
„Ich wundere mich über den, der viele Freunde möchte, die Gesellschaft von Wissenschaftlern aber meidet.“[5]
Wie schön ist es, wenn jemand einen weisen Freund wählt, so dass ihm seine Lebenserfahrungen und sein gemäßigtes Verhalten zu Gute kommen. Imam Ali hat darüber gesagt: „Verkehre mit weisen und geduldigen Menschen, und kehre der Welt den Rücken zu.“[6] Die Weisheit eines Freundes ist ein weiteres, wichtiges Kriterium, weil diese beiden Eigenschaften eine sehr wichtige Rolle im Leben spielen. Von Imam Ali (a.s.) wird überliefert:
„Ein weiser Feind ist einem dummen Freund vorzuziehen.“[7]
Zu den Kriterien der Wahl eines Freundes gehören die Gottesfurcht und die Verpflichtung zur göttlichen Ethik, das Einhalten der Gebote und Verbote. Ein Mensch der diese Bedingungen erfüllt, erkennt die Ratsamkeit hinter den Dingen, zu denen er religiös verpflichtet ist, genauso wie er die Korruption hinter den verbotenen Dingen sieht. Er ist also stets bemüht, ihren Verpflichtungen nachzugehen, und so wird überliefert: „Seht ihr einen Frommen Mann, der die Welt nicht beachtet, nähert euch ihm, denn ein solcher Mann lehrt euch Weisheit.“[8]
Die Gottesfürchtigen sind diejenigen, die andere Gut behandeln und ihnen dienlich sein wollen. Die Nähe zu ihnen hat die Folge, dass man ihre Eigenschaften dazugewinnt und sich daher ähnlich verhält.
Die Gottesfürchtigen sind aufrichtige Menschen, deren Freundschaft man niemals bereut. Sie sind vertrauenswürdig und man kann sich auf sie verlassen und ihnen seine Probleme anvertrauen.
Mit dem, was bislang erwähnt wurde, wird klar, dass die Freundschaft mit dummen[9], geizigen[10], unfrommen[11], verlogenen[12], heuchlerischen[13], verräterischen, indiskreten und ungerechten[14] Menschen uns nur vom Weg des richtigen und aufrichtigen Lebens abbringen wird.
Über das Meiden von schlechten Freunden gibt es eine schöne Geschichte, die ich hier erzählen möchte.
Eines Tages sagte Jalinus der Weise zu seinen Freunden: „Bringt mich zu jenem Art damit er mir jenes Medikament geben kann, was mich heilen wird.“
Seine Freunde erwiderten: „Du bist selbst ein weiser Meister und weißt daher besser als wir, dass dieses Medikament von dem Du sprichst, verrückten Menschen verschrieben wird, Du bist doch nicht verrückt!“
„Heute begegnete ich einem Verrückten, der mich zuerst eine Weile anzwinkerte und dann freundschaftlich so fest an meinem Ärmel zog, dass er ihn zerriss. Dies zeigt mir, dass er etwas gemeinsames zwischen uns gesehen haben muss, und ich daher verrückt bin und dafür eine Heilung benötige.“
Hätte er nicht etwas von sich in mir gesehen
Hätte sich der Hässliche nicht an mich gewendet
Kein Vogel fliegt mit Vögeln anderer Art
Sich mit Ungleichen abzugeben ist ein schneller Weg ins Grab[15]


[1] 4:24, 4:57, 4:122, 2:103, 9:72, 10:26
[2] 19:96
[3] Ebd
[4] Siehe Mohsen Djawadi, „Die Theorie des Glaubens“, S. 185-192
[5] Misan ul hikma, Band 5, S. 302, Überlieferung 10248
[6] Ebd S. 301, Überlieferung 10245
[7] Ebd S. 304, Überlieferung 10268
[8] Husseini Schirasi, „Fadhila al islamiya“, Band 1, S. 118
[9] Die Lichtermeere, Band 71, S. 191
[10] Ebd S. 196
[11] Ebd S. 199
[12] Ebd S. 196
[13] Ghurar ul hikam, S. 811 und Safinat ul bahar, Band 2, S. 605, 606
[14] Tohaf ul oghul, S. 366
[15] Geschichten aus dem Matnavi, Band 1, S. 125-126
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