m Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Zu den Neigungen, die in jedem Menschen vorhanden sind, gehört die Neigung zum Umgang mit Artgenossen. Wichtig ist dabei, diese Neigungen so zu orientieren, dass sie zur Vervollkommnung und zum Wachstum beitragen, und zur Wahrheit führen. Es ist klarerweise die Liebe, die dazu führt, dass sich eine Gruppe von Menschen versammeln, sich gegenseitig beim Erreichen ihrer Ziele helfen, den Weg ebnen und Probleme beseitigen. Freundschaften sind aus mehreren Gründen notwendig. Zum einen führen sie dazu, dass die ethischen Prinzipien der Menschen zielführend durchgesetzt und Werte wie Gerechtigkeit, Fairness, Zusammenarbeit, Bescheidenheit, Einheit und Aufrichtigkeit zwischen den Menschen realisiert werden. Unter anderen Umständen kann es sein, dass solche Werte gar unrealisierbar sind. Gerade solche Freundschaften sind es, die den menschlichen Fortschritt verbessern und beschleunigen.

Freundschaften benötigt man auch, wenn man die religiösen Lehren praktizieren möchte. Die Religion erachtet Freunde finden als einen Gottesdienst und erkennt das Bedürfnis nach Freunden als ein der menschlichen Natur inhärentes Bedürfnis an, welches sich nicht viel vom Bedürfnis nach Nahrung, Wasser oder Schlaf unterscheidet. Imam Reza beschreibt, wie man für Freunde belohnt wird: „Wer der Nähe zu Gott willen einen Bruder dazu gewinnt, der hat sich im Paradies ein Haus erbaut.“[1] Eine mit den richtigen Kriterien und Maßstäben konforme Freundschaft ist nicht nur in dieser Welt nützlich, sondern auch im Jenseits.

Man braucht Freundschaften unter anderem auch deswegen, weil man das Bedürfnis nach Einheit zwischen Menschen verspürt. Ein Gläubiger muss sich nämlich von der individuellen Ebene in die gesellschaftliche befördern und Freundschaften ermöglichen dies. Von Imam Ali (a.s.) wurde überliefert: „Freunde sind eine einzige Seele in verschiedenen Körpern.“[2]

Besonders wichtig ist dabei, dass man einen echten Freund wählt bzw. findet. Ein Fehlgriff kann hier nämlich sehr schwere Folgen für die Psyche haben, davon abgesehen erfüllt ein wahrer Freund einen Teil der seelischen Bedürfnisse der Menschen. Sollte einem dabei also ein Fehler unterlaufen, so führt dies zu Unsicherheit, Unruhe und Einsamkeit. Ein Freund ist nämlich ein beschreibendes Symbol und Zeichen für die Identität eines Menschen bzw. eines Zustands in seinem Leben. Es wurde gesagt: „Sag‘ mir mit wem Du befreundet bist, und ich sag‘ dir, wer Du bist.“ Um die eigene, echte Identität zu bewahren bzw. sie zu stärken, ist die Wahl eines echten Freundes also notwendig. Diese Wahl wird noch bedeutsamer, wenn man bedenkt, dass man sich im Falle eines Freundes Mühe gibt, sich ihm anzupassen. Dies hat nämlich zur Folge, dass man sich schlechte, verwerfliche Eigenschaften und Gewohnheiten aneignen könnte, wenn man den falschen Freund gewählt hat. Man sollte seine Freunde also sehr genau wählen, und es in dieser Freundschaft nicht über- bzw. untertreiben weil man sonst schwere, geistige Schäden davontragen kann. Imam Ali (a.s.) sagt: „Übertreibe es in Deiner Freundschaft mit keinem Freund, so dass er nicht zu Deinem Feind wird. Und halte Dich in einer Feindschaft an Grenzen, dieser Feind könnte eines Tages Dein Freund werden.“[3]

Bei der Wahl eines Freundes muss man ihn an verschiedenen Gelegenheiten prüfen. Ein gutes Beispiel einer solchen Gelegenheit ist z.B. eine schwierige Phase, die zeigen wird, wie hilfsbereit dieser Freund ist. Imam Ali (a.s.) sagte: „Prüfe Deinen Freund in schwierigen Zeiten.“[4] Eine weitere Gelegenheit bei der man einen Menschen besser kennenlernen kann ist bei Zorn. Viele Menschen zeigen, wenn sie zornig sind, ihre wahre Identität. Imam Sadegh (a.s.) sagt: „Wird Dein Bruder 3 Mal zornig und sagt nichts unangenehmes über Dich, so behalte ihn als Freund.“[5] Auch bei einer Reise kann man den Freund prüfen, weil er sich dabei so verhält, wie er ist und man seinen Charakter daran erkennen kann, wie er einen behandelt. Man verbringt dabei schließlich viel Zeit mit ihm, und es wird ihm kaum möglich sein, einem die ganze Zeit über etwas vorzumachen. Eine weitere Gelegenheit, einen Freund zu erkennen, ist wenn einem die Macht oder die Position abhandenkommen. Die Freundschaft ist etwas wert, wenn sie diesen Umständen zu trotz fortbesteht. Von Imam Ali (a.s.) wird überliefert: „Beim Verlust der Macht unterscheiden sich Freunde von Feinden.“[6] Bei Freunden sollten wir auch auf ein paar andere Dinge achten, z.B. wie aufmerksam sie uns zuhören, ob sie unsere guten Taten bei anderen erwähnen, ob sie sich in unserer Gegenwart wohl fühlen und zufrieden sind, und ob sie sich Mühe geben, uns Freude zu bereiten und uns – soweit es ihnen möglich ist – mit unseren Problemen zu helfen. Von Luqman dem Weisen wird erzählt:


„Deinen Freund erkennst Du nicht, bis Du einmal auf ihn angewiesen bist.“[7]


Nicht der ist Dein Freund, der vorgibt
Dein Bruder zu sein im Wohlstand
Ein Freund ist der, der Freunden hilft
in Zeiten der Verwirrung und Verzweiflung


[1] Misan ul hikma, Band 1, S. 46, Überlieferung 177

[2] Misan ul hikma, Band 5, S. 296, Überlieferung 10219

[3] Nahdj ul balagha, Aphorismus Nr. 268

[4] Misan ul hikma, Band 5, S. 312, Überlieferung 10324

[5] Misan ul hikma, Band 5, S. 312, Überlieferung 10328

[6] Misan ul hikma, Band 5, S. 312, Überlieferung 10323

[7] Misan ul hikma, Band 5, S. 312, Überlieferung 10325

Zugriffe: 1833