Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Der Qur’an gebietet, die Eltern zu respektieren und zu ehren, und betont dies besonders. Es ist laut Qur’an eine religiöse Pflicht:

“Dein Herr hat geboten: Verehret keinen denn Ihn, und (erweiset) Güte den Eltern.”[1]

Und über das liebevolle Verhalten den Eltern gegenüber sagt der Qur’an: “Und neige gütig gegen sie den Fittich der Demut.”[2]

In den Überlieferungen wird dieses Thema auf verschiedene Arten angesprochen, wir werden uns hier zwei Fälle davon ansehen. Abdullah Ibn Masoud erzählte:

“Ich fragte den hl. Propheten (s.), welche Tat denn am wünschenswertesten ist. Der edelmutige antwortete: “Das Gebet rechtzeitig zu verrichten”. Ich fragte: “Und was kommt danach”? Der Prophet antwortete “Güte den Eltern gegenüber”[3].

Und von Imam Reza (a.s.) wird überliefert: “Wer seinen Eltern gegenüber nicht dankbar ist oder diese nicht ausdrückt, der ist Gott gegenüber undankbar.”[4]

Die Eltern zu ehren ist eine Aufgabe, mit der man sein Leben lang betraut ist. Die Zuwendung und das Wohlwollen, dass man ihnen zeigt, soll auch der Dankbarkeit wegen sein, die man für ihre unendlichen Bemühungen empfindet, und nicht um ihnen etwa einen Gefallen zu tun und es ihnen vorzuhalten. Der Qur’an sagt: “Sei Mir und deinen Eltern dankbar!”[5] Für die Liebe der Eltern wird man sich niemals revanchieren können, man kann es ihnen danken, wo man nur kann. Etwas wird man ihnen immer schuldig bleiben, und die Dankbarkeit sollte man auch nicht nur in Worten zeigen, sondern indem man ihnen gehorcht und ihre Liebe in Taten schätzt.

Es gibt viele Wege, die Liebe zu den Eltern in Taten zu zeigen. Einer davon ist, sich ihnen gegenüber freundlich zu verhalten, was auch im Qur’an erwähnt wird: “…stoße sie nicht zurück, sondern sprich zu ihnen ein ehrerbietiges Wort.”[6] Man sollte ihnen also Aufmerksamkeit zeigen und sie stets sanft ansprechen, niemals soll man sie anfahren. Als ihre Kinder dürfen wir niemals mit einer lauteren Stimme als ihre sprechen.[7] Sie hässlich anzureden oder gar zu beschimpfen gehört zu den schwersten Sünden.[8]

Sanftmut wird als nächstes erwähnt, die Eltern liebevoll anzusehen gilt als Gottesdienst[9], und von Imam Sadegh (a.s.) wird überliefert: “Blicke nie zu deinen Eltern außer mit Sanftmut und Liebe.”[10]

Eine andere Art, den Eltern seine zu zeigen, ist Dankbarkeit. Die Liebe, die sie ihren Kindern gezeigt haben verpflichtet diese zur ewigen Dankbarkeit, selbst wenn die Eltern Dinge tun oder sagen, die man nicht gerne sieht bzw. hört.[11]

Eine weitere Art, wie man seiner Liebe zu den Eltern Ausdruck verleihen kann, ist Gehorsam. Sie ist ein eindeutiges Anrecht der Eltern über ihre Sprösslinge, mit der Ausnahme, dass ihre Wünsche die Kinder von der Gehorsam Gott gegenüber abhalten oder gar zum Polytheismus neigen, ansonsten muss ihnen gehorcht werden und zwar mit größtem Respekt, wenn man seine Pflicht als Tochter oder Sohn erfüllen möchte. Eltern besitzen wie jeder andere Mensch eine Persönlichkeit, und wollen von anderen, vor allem von ihren eigenen Kindern respektiert werden, erst recht angesichts der Tatsache dass sie sich während der emotionalen, ethischen, gesellschaftlichen und rationalen Erziehung ihrer Kinder viel Mühe gegeben haben, ihren Respekt zu bewahren.

Die Liebe zu den Eltern ist so wichtig, dass sie von Gott gleich neben den monotheistischen Glaubensgrundlagen erwähnt wird. Weitere Beispiele, wie man den Eltern gegenüber Respekt erweist, ist dass man nicht vor ihnen geht, sich nicht hinsetzt bevor sie es tun, sich erhebt wenn sie den Raum betreten, seinen Zorn in ihrer Gegenwart verschlingt, ihnen seine Stimme nicht erhebt und sie niemals beim Vornamen ruft.

Ein Kind kann seine Eltern auch beschenken und seine Liebe mit dieser spirituellen Tat demonstrieren, vielleicht kann er damit auch etwas wieder gut machen, womit es die sanften und liebevollen Herzen seiner Eltern verletzt haben könnte.

Die Eltern regelmäßig zu besuchen wird im Qur’an und in den Überlieferungen oft betont. Selbst wenn sie einem nicht viel Beachtung schenken, sollte man sie aufsuchen. Des Weiteren sollte man sie nie traurig machen oder kränken, denn dies gehört zu den schweren Sünden.

Den Eltern gegenüber liebevoll zu sein ist zu jedem Zeitpunkt erforderlich und beschränkt sich nicht nur auf ihre späteren Jahre. Man sollte stets bemüht sein, sie zu pflegen und dabei nie Müdigkeit oder gar Ärger und Abscheu empfinden. Die Liebe zu den Eltern setzt sich auch nach ihrem Tode fort, indem man z.B. Gott für sie um Vergebung bittet, ihre versäumten Gebete nachholt oder nicht-obligatorische Gebete in ihrem Namen verrichtet, oder in ihrem Namen spendet, an ihrer Stelle die Pilgerfahrt unternimmt, fastet, ihre Schulden bezahlt und ihre Freunde respektiert.


[1] 17:23

[2] 17:24

[3] Misan ul hikma, Band 10, S. 709, Überlieferung Nr. 22375

[4] Misan ul hikma, Band 10, S. 709, Überlieferung Nr. 22378

[5] 31:14

[6] 17:23

[7] Misan ul hikma, Band 10, S. 715, Überlieferung Nr. 22404

[8] Ebd.

[9] Misan ul hikma, Band 10, S. 73, Überlieferungen Nr. 19966 und 19967

[10] Misan ul hikma, Band 10, S. 715, Überlieferung Nr. 22404

[11] Tohaf ol oghul, S. 238

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