Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Durch ihre Natur und ihre inneren Neigungen dürstet die Frau nach Liebe. Ihr Wesen ist mit Liebe und Zärtlichkeit erfüllt und sie liebt es daher und genießt es, von anderen Geliebt zu werden. Je mehr sie geliebt wird, desto glücklicher ist sie. Wird sie jedoch nicht geliebt, wird sie sehnsüchtig und deprimiert, daher sagte der hl. Prophet (s.): "Sagt ein Mann zu seiner Frau, dass er sie liebt, wird er immer in ihrem Herz bleiben."[1]
Drei Dinge sollte der Mann stets in seinem Leben beachten. Erstens sollte er seine Sichtweise korrigieren und das Leben stets positiv betrachten. Seine philosophische Ansicht über das Phänomen des Lebens sollte stets eine positive sein, und er sollte das Leben als eine vernünftige Sache auffassen. Dies sollte auch dazu führen, dass er sich nicht auf eventuelle Mängel seiner Ehepartnerin konzentriert, sondern auch hier das positive sieht.
An zweiter Stelle ist seine Ansicht der Ehe. Er sollte diese menschliche Angelegenheit und diesen Brauch heilig wissen. Er muss einsehen, dass sich seine Verantwortungen durch die Ehe ausgedehnt haben und dass es hier nicht mehr um ihn selbst geht. Aus einem individuellen "Ich" wurde nun ein "Wir", was seine Folgen und Implikationen für das Leben hat. Nachdem er heiratet sollte er also seine Verantwortungen erkennen und voller Hoffnung den weiteren Verlauf seines Lebens planen.
Drittens sollte er seinen Ehepartner realistisch betrachten und sich entsprechend verhalten. Sie ist nun sein Lebenspartner, und nicht ein Diener oder Sklave. Er hat unbedingt ihre Position als Partner und Mitmensch wertschätzen, sie also mit dem gebührenden Respekt behandeln, niemals von oben auf sie herabblicken und sie niemals durch abwertendes Verhalten verletzen.
Betrachtet man seine Ehefrau mit einem über die menschliche Existenz aufgeklärten und bewussten Blick, gesteht man ihr ihre hohe Position als Mensch zu. Sie als einen Menschen, als ein Individuum zu betrachten welches sich auf die Weiterentwicklung und auf den Fortschritt auswirken kann, hat auch eine Wirkung auf die Sichtweise. Die Frau zu verteufeln ist völlig unbegründet, nicht-qur'anisch und un-islamisch. Der Qur'an besagt nämlich, wenn er die Geschichte Adams und Evas erzählt nicht, dass der Teufel zunächst Eva hinters Licht führte und dass Eva anschließend Adam zur Sünde verleitete. Gott sagte Adam, er soll sich mit seiner Frau im Paradies niederlassen und die Früchte des Paradieses verzehren. Immer wenn die teuflischen Versuchungen erwähnt werden, benützt der Qur'an die zweite Form des arabischen Verbs, nämlich "Der Teufel brachte sie beide in Versuchung", "der Teufel gab den beiden trügerische Ratschläge" und "der Teufel schwur ihnen beiden, dass er ihnen gegenüber nur wohlwollend gesinnt ist".
Was noch beachtet werden muss, ist dass die Behauptung, die Frau sei für den Mann erschaffen worden nicht ganz im Einklang mit den Qur'anversen ist. Der Qur'an sagt nämlich Frau und Mann seien füreinander geschaffen worden: "Ihr seid ihre nahen Gefährten, und sie sind eure nahen Gefährtinnen"[2] Der Qur'an sagt, die Frau beruhige den Mann: "Er ist es, Der euch aus einem einzigen Wesen erschaffen hat, aus dem Er diesem seine Gattin machte, bei der er Geborgenheit finden sollte."[3]
Der Qur'an bezieht sich hier auf die beruhigende Wirkung der Frau und bestimmt sie als grundlegendes Element in dieser spirituellen, geistigen und emotionalen Angelegenheit, der Mann wird von der Liebe der Frau angezogen.
Wichtig ist, dass man die Verhaltenseigenheiten und -Position der Ehepaare, und die defensive Haltung die sie einander gegenüber einnehmen, wenn es um ein empfindliches Thema geht, versteht. Dies außer Acht zu lassen führt zu vielen Ungereimtheiten und daher sollten beide bemüht sein, ihr Verhalten gegenseitig zu verstehen und Einblicke in die Ursachen dieses Verhaltens zu bekommen, damit sie sich gegenseitig den Weg zur Weiterentwicklung und zum Fortschritt ebnen und ihr Leben auf dem Fundament der göttlichen Liebe aufbauen.


[1] Vasayel ul schia, Band 14, S. 10
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