Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
In den vergangenen Ansprachen wurde erwähnt, dass die Liebe bei Gott anfängt, weil Er Seine Geschöpfe, insbesondere den Menschen, sehr liebt; Seine Liebe für den Menschen ist etwas besonderes, weil Er dem Menschen die Fähigkeit gegeben hat, Sein Vertrauter zu sein. Die göttliche Liebe für Seine Diener manifestiert sich daher besonders stark, und dank der göttlichen Zuwendung und Güte wird dem Diener der Erfolg der göttlichen Rechtleitung und guten Taten beschert.[i]
Nach dieser Einleitung möchten wir uns mit einigen Kennzeichen dieser Liebe in den Worten von großen Persönlichkeiten befassen:
„Der Diener liebt Gott so, wie Gott den Diener liebt.“[ii]
Gott sorgt dafür, dass Seine Freunde den Gottesdiener lieben. Wenn die göttliche Liebe das Herz des frommen Gottesdieners erfüllt, wird es dadurch zarter und vom Licht der göttlichen Güte und Schönheit beleuchtet, das die Herzen der Gläubigen anzieht.
„Gott beschert Seinem Diener den Erfolg des Gehorsams.“[iii]
„Gott erleichtert dem Diener den Gottesdienst.
„Gott schenkt Seinem Diener, was er braucht.“[iv]
„Gott lässt den Diener viel leiden.“[v]
„Gott bedeckt die Mängel Seiner Diener und deckt sie nicht auf“.[vi]
„Gott beschenkt Seinen Diener mit einem geduldigen Herzen und tugendhaftem Verhalten.“[vii]
„Gott lässt Seinen Diener die Welt verachten, weil sie ihn von Ihm entfernt.“[viii]
„Gott schmückt Seinen Diener mit Tugenden wie Geduld und Ruhe.“[ix]
„Gott inspiriert Seinen Diener zu Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit.“[x]
„Gott offenbart Seinem Diener Wissen.“[xi]
„Gott schenkt Seinem Diener den Erfolg des gebührenden Gottesdienstes.“[xii]
„Gott lässt Seinen Diener vertrauenswürdig sein.“[xiii]
Die göttliche Liebe für Seine Diener ist so stark, dass wir sie nicht beschreiben können. Sie ist unendlich und übersteigt unseren beschränkten Verstand. Wir können uns nur durch das, was an uns weitergegeben wurde, und mithilfe unseres eigenen beschränkten Verstands ein Bild davon machen. Die ganze Wahrheit darüber können wir nicht vermitteln (über die Liebe zu Gott kann gesagt werden, dass sie mit dem Entwerden in Ihm tun hat und damit, dass sich der Mensch Ihm voll und ganz anvertraut). Dazu passt eine schöne Geschichte aus Rumis Mathnavi: Ein Verliebter ging zu seiner Geliebten und zählte ihr alles auf, was er aus Liebe zu ihr getan hatte. Er hatte gespendet, seine Macht verloren, Misserfolge über sich ergehen lassen und vieles anderes. Nach einem langen Gespräch sagte der Verliebte: Die Vergangenheit ist nun vergangen. Weise mir den Weg, und sag‘ mir, welche Pflichten ich Dir, meiner Geliebten, gegenüber habe.
Was Du mir befiehlst, dafür werde ich mit meinem Leben stehen,
Von Kopf bis Fuß habe ich mich Dir anvertraut.
Dir werde ich nie den Rücken zukehren, Dich nie verlassen,
Meinen Körper und meine Seele widme ich Deinem Befehl.
Die Geliebte sagte zu ihm: „Du hast viel getan, aber alles was Du bislang getan hast, ist nebensächlich. Das wichtigste hast Du nicht getan.“ „Was ist denn dieses Wichtigste?“ fragte der Verliebte. „Das Wesen der Liebe besteht darin, dass der Verliebte sein Leben für seine Geliebte gibt und aufhört, zu existieren.“ Natürlich bedeutet gerade dies die wahre Existenz und echten Fortbestand, dieser Tod ist nichts anderes als Unsterblichkeit und lässt den Namen des Liebenden bis zum Tage der Auferstehung weiterleben.
Was, fragte der Verliebte, ist das Prinzip -
Der Tod, das Ende der Existenz?
Wenn Du stirbst, findest Du wahres Leben,
Dein Name wird bis zur Auferstehung in Würde fortleben.
Als der Verliebte dies hörte, seufzte er und gab sein Leben auf.
Sofort lag er und gab sein Leben
Wie eine Blume wurde er, die lebendig lacht;
Sein Lächeln begleitete ihn ewig
Wie die Seele und Verstand des sorglosen Gnostikers[xiv]
Darum gilt auch der edle Prophet als der größte Liebende des erhabenen Herrn. Er nahm alle Probleme und Schwierigkeiten für die Rechtleitung der Menschen auf sich und bemühte sich am meisten, um die Herzen der Gottesdiener zu beleben und sie zu leiten. Er war stets geduldig und ertrug 23 Jahre lang alle Schwierigkeiten. Manchmal wurde ihm vorgeschlagen, jene zu verfluchen, die ihn übermäßig schikanierten doch der Edelmutige sagte darauf: „O Herr, zeige meinem Volk den Weg, denn sie sind unwissend.“
Maulawi sagte darüber:
Muhammad (s.a.s.) liebte seinen Geliebten am reinsten,
Ihm zuliebe schuf Gott die Himmel.
Da er in Liebe einzigartig war,
Wählte Er ihn zum Propheten.
Gäbe es diesen reinen Ozean der Liebe nicht,
Hätte Ich die Himmel nicht geschaffen.
Aufgrund der Wirkungen der Liebe legt der Qur’an großen Wert auf die Liebe zu Gott, und nennt diejenigen, die von ihm geliebt werden. Zugleich tadelt der Qur’an die Liebe für etwas anderes außer Gott. Allerdings wird die Liebe zu manchen Menschen und Gruppen, die auf der Liebe zu Gott basieren empfohlen, wie z. B. die Liebe zum edlen Propheten (s.a.s.), zur Ahlu-l-bayt (a.s.), zum Ehepartner, zu Kindern, Lehrer, Volk, Eltern und Freunden. Wichtig ist dabei, dass die Liebe zu anderen Menschen deswegen beachtet wurde, weil sie eine leitende und vervollkommnende Rolle spielt und die Menschen Gott, dem wesentlichen Geliebten, näher bringt. So tadelt Gott, der Erhabene, die Liebe zu etwas, was auf Versuchung und auf der Triebseele basiert, weil dies vergänglich ist und zweifellos aufhören wird, zu existieren. Eine solche Liebe ist nicht beständig, doch jede Liebe, die mit dem göttlichen Willen vereinbar ist, wird ewig fortbestehen. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.


Anmerkungen:
[i] I½yÁ’ þulÚmu-d-dÍn, Bd.4, S. 304.
[ii] MizÁnu-l-½ikma, Bd. 2, S. 224, 3147. Überlieferung.
[iii] Ebd., Überlieferungen von Imam Ali (a.s.).
[iv] Ebd., S. 223, Überlieferung von Imam aÈ-ÆÁdiq (a.s.).
[v] Ebd., S. 224, Überlieferung vom hl. Propheten (s.a.s.).
[vi] Ebd., S. 223, Überlieferung von Imam aÈ-ÆÁdiq (a.s.).
[vii] Ebd. S. 224, Überlieferung von Imam Ali (a.s.).
[viii] Ebd., S. 223, Überlieferung von Imam Ali (a.s.).
[ix] Ebd.
[x] Ebd.
[xi] Ebd.
[xii] Ebd.
[xiii] Ebd.
[xiv] Mathnavi Maulawi, 6. Heft.
Zugriffe: 1445