Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
In der letzten Ansprache wurden bereits vier Anzeichen der menschlichen Liebe zu Gott erläutert, nämlich Enthaltung von Sünden, Gehorsam, der Vorzug Gottes vor allem anderen und die Liebe zu den göttlichen Sachwaltern besprochen. Nachfolgend werden nun weitere Anzeichen dieser Liebe besprochen.
Begegnung mit Gott
Der Mensch, der Gott liebt, zieht den Anblick seines Herrn dem eigenen Leben vor. Was mit dem „Anblick Gottes“ gemeint ist, geht aus diesem Vers hervor:
„O Mensch! Du strebst mit aller Mühe Deinem Herrn zu; und Du sollst Ihm begegnen.“[i]
„Gott zu treffen“ hat mehrere Bedeutungen, wie z. B. Tod, göttliche Belohnung, Ankunft im Jenseits, Antreffen der göttlichen Sachwalter oder Entwerden in den göttlichen Namen und Eigenschaften, so dass der Mensch, der auf dem göttlichen Weg voranschreitet und Gott liebt, alles, auch sich selbst, im Schatten Gottes sieht. Der Anblick Gottes ist demnach möglich, wenn der Diener Gott antrifft, und dieser Anblick variiert je nach Rang des Gottesdieners.[ii] Das ist eine der korrekten Bedeutungen des Begriffes „Begegnung mit Gott“, und wird auch in unseren Bittgebeten und Überlieferungen bestätigt. Gott selbst sagt:
„Dann näherte Er sich und kam weiter herab und war nur noch zwei Bogenlängen entfernt, oder sogar näher.“[iii]
Im Bittgebet für den Monat Scha’ban lesen wir: „O Herr, erleuchte mich mit dem entzückenden Licht Deiner Macht!“. Und im Kumayl-Bittgebet heißt es: „O mein Gott, mein Herr, mein Schutzherr und Schöpfer! Ich ertrage geduldig Deine Strafe, doch wie soll ich Deine Ferne ertragen?“
Wer auf seinen Körper verzichtet, dem gibt man eine Seele.
Wer seine Seele aufgibt, der kommt zum Schöpfer seiner Seele.
Wer die Bürde einer Reise auf sich nimmt,
Der wird mit dem Antlitz des Geliebten belohnt.
Wer alles auf dem Weg der Liebe verliert,
Dem wird im Haus seines Geliebten alles gegeben.
Stetes Gottgedenken
Ein weiteres Kennzeichen der Liebe zu Gott ist, dass der Liebende stets an seinen Geliebten denkt und Ihn in keinem Moment vergisst. Der edle Prophet (s.a.s.) sagte:
„Ein Zeichen der Liebe zum erhabenen Gott ist die Andacht und das Gedenken an Ihn. Wer Gott hasst, gedenkt Seiner nicht.“[iv]
Und in einer anderen Überlieferung des edlen Propheten heißt es:
„Wer Gott liebt, gedenkt Seiner häufig.“
Der Mensch muss sich selbst bewerten und feststellen, ob er Gott liebt oder nicht. Der liebende Mensch sieht immer, wenn er in sich hineinblickt, Seinen Geliebt und gedenkt Seiner, und diese Andacht reinigt sein Herz, bevor sie es letztlich zu einem Ort der göttlichen Manifestation macht.
O Du, mit Dessen Andacht die Herzen der Liebenden vertraut sind!
Nichts außer Dir ist im Herz des Liebenden.
Dein göttliches Wesen und Deine Eigenschaften
Sind das Gespräch im Zirkel Deiner Liebenden.[v]
Vertrautheit und Zufriedenheit mit Gott
Diese Andacht erfüllt das Herz mit Vertrautheit und Zufriedenheit. Die Vertrautheit bringt eine gewisse Ruhe, wenn man in Gesellschaft des Geliebten ist, und die Zufriedenheit Gottes verdient man sich, indem man auf seine eigene Zufriedenheit verzichtet und sich gänzlich dem Befolgen Seiner Anweisungen widmet. Jemand, der Gott mit dem Auge des Herzens gesehen und den Keim der Liebe zu Ihm in sein Herz gepflanzt hat, ist nur dann innerlich ruhig, wenn er in der Gegenwart seines Geliebten ist. Die göttlichen Anweisungen fallen ihm leicht, gleich wie schwer sie auch sein mögen, und befriedigen ihn. Er genießt die Worte seines Geliebten und ist sehr stolz darauf, einen Punkt erreicht zu haben, an dem Gott ihn anspricht und ihm Verantwortungen überträgt. Gottes Worte begleiten den, der Ihn liebt. Er rezitiert sie jeden Tag und denkt über ihre Inhalte nach:
„Der Qur’an ist ein göttlicher Vertrag mit der Schöpfung. Der Mensch sollte ihn sich öfter ansehen und an jedem Tag mindestens fünfzig Verse lesen.“[vi]
Sehnsucht nach Gott
Ein weiteres Zeichen der Liebe zu Gott ist, dass der Liebende seinen Geliebten begehrt. Er zieht sich in der Nacht gerne zurück und ist alleine mit ihm, um mit ihm ein Zwiegespräch zu führen. Es wurde überliefert, dass Gott Moses offenbarte:
„Wer sagt, dass er Mich liebt während er sich nachts hinlegt und den Schlaf der Sorglosigkeit schläft, der lügt. Ein Liebender begehrt, mit seinem Geliebten allein zu sein.“[vii]
Der Gottesdienst fällt dem Liebenden leicht; Imam aÈ-ÆÁdiq (a.s.) sagte diesbezüglich:
„Der beste Gottesdienst ist der, der aus Liebe verrichtet wird.“
Zu den weiteren Merkmalen der Liebe zu Gott, die wir hier nur kurz erwähnen können, gehören die Freundschaft mit Gottes Freunden, die Feindseligkeit Gottes Feinden gegenüber, die Liebe zur Ahlu-l-bayt (a.s.), das Vertrauen auf Gott, das Streben nach Wissen, die Gesellschaft der Gottesfürchtigen, die Freundschaft mit Denkern und Bedürftigen, das Vermeiden von Sündern, Zuverlässigkeit, Reinheit des Herzens und das Bemühen zum Verrichten obligatorischer Gottesdienste. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.


Anmerkungen:
[i] Sure al-InÊiqÁq, Vers 6.
[ii] Mirsa Djawad Agha-Maleki Tabrisi, Das göttliche Antlitz (Abhandlung) S. 6 und 7.
[iii] Sure an-Naºm, Verse 8-9.
[iv] MizÁnu-l-½ikma, Bd. 2, S. 226, ¼adÍÔ 3156.
[v] Diwan, Allameh Hassanzadeh Amoli.
[vi] KÁfÍ, Bd. 4, Kap. „Vorzüge des Qur’an“.
[vii] MizÁnu-l-½ikma, Bd. 2, S. 226, ¼adÍÔ 3152.
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