Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Eine wichtige Frage zum Thema Gottesliebe ist, wie man sie erreicht. Den Qur’anversen und Überlieferungen kann man entnehmen, dass es zwei Wege gibt, einen theoretischen und einen praktischen Weg. Hinsichtlich des theoretischen Ansatzes wurde erwähnt, dass Liebe aus Kenntnis resultiert und der Islam die Gotteskenntnis als höchste und wichtigste Kenntnis ansieht. Imam Ali (a.s.) sagte:
„Kenntnis von Gott, dem Gepriesenen, ist die höchste Form der Kenntnis.“[1]
Der Stellenwert des Wissens hängt vom Subjekt des Wissens ab, und da es nichts Größeres und Wertvolleres gibt als Gott, ist die Kenntnis von Ihm und Seinen Eigenschaften auch das höchste Wissen. Die Gnostik, welche sich mit dem Wesen, den Eigenschaften und Beinamen Gottes befasst, ist das höchste Wissen.
Die Erkenntnis und das Wissen über das Herz werden von Gnostikern besonders betont. Sie sind der Überzeugung, dass der Mensch durch Geistesläuterung und Illumination des Herzens die Wahrheiten dieser Welt aufdecken kann. In diesem Punkt differieren Gnostiker und Philosophen. Die Gnostiker glauben an die Kraft der natürlichen, immanenten Liebe, versuchen diese zu stärken und deren Hindernisse mittels Entsagung zu beseitigen.
Rationale Argumente sind die beste und sicherste Methode zur Gotteskenntnis, obgleich sich diese als schwierig erweisen und erhebliches Vorwissen erfordern kann. Geht es um eine leichtere, klare Methode, sind die Sinneswahrnehmungen und Erfahrungen, die man durch das Studium des Geschehens in der materiellen Welt und der darin herrschenden Ordnungen erlangt, der beste Ansatz. Diese Methode eignet sich jedoch nur für ein Studium der Wirkungen der göttlichen Schöpfung. Dieser Ansatz führt uns zum Schluss, dass es zwar einen weisen, wissenden Schöpfer gibt, kann aber weder bestätigen noch widerlegen, dass es sich bei diesem Schöpfer um Gott handelt, bzw. ob dieser Schöpfer selbst durch einen anderen Schöpfer geschaffen wurde. Diese Frage kann man nur durch Philosophie und Argumentation korrekt beantworten. Für einzelne Individuen sind das Herz und die natürliche Veranlagung der vollkommene Weg und für jede einzelne Person möglich und effektiv. Diese Art der Erkenntnis kann aber nicht die Form einer vermittelbaren Wissenschaft annehmen, während Wissen oder Philosophie an andere vermittelt werden kann.
Bezüglich der praktischen Methode der Liebe zu Gott sollte gesagt werden, dass sie nur durch Verzicht auf irdische Neigungen realisierbar ist. Das menschliche Herz stellt ein Gefäß dar, das nicht mit widersprüchlichen Dingen gefüllt werden kann. In einem Herz können keine zwei sich widersprechenden Lieben vereint werden. Ist das Herz bereits von der Liebe zur irdischen Welt erfüllt, findet sich darin kein Platz mehr für die Liebe zu Gott. Der edle Prophet (s.a.s.) sagte diesbezüglich:
„Die Liebe zur Welt und die Liebe zu Gott lassen sich niemals in einem Herzen vereinen.“[2]
Imam Ali (a.s.) sagte:
„Wenn ihr Gott lieben wollt, so leert eure Herzen von der Liebe zur Welt.“[3]
Und von Imam Sadegh (a.s.) wurde überliefert:
„Bei Gott! Wer die Welt und etwas anderes außer uns liebt, liebt Gott nicht.“[4]
Die Liebe zur Ahlu-l-bayt (a.s.) ist ein Mittel zum Erlangen der Liebe zu Gott und liegt auf diesem Weg. Mit anderen Worten ist die Liebe zur Ahlu-l-bayt (a.s.) in einer Linie mit der Liebe zu Gott. Diese Liebe stellt kein Hindernis zur Gottesliebe dar, sondern ist vielmehr ein Anfang und eine Grundlage dafür. Der Mensch der Gott liebt, liebt auch die Menschen, die von Gott als die Reinsten angesehen werden und nutzt diese Liebe, um die Nähe zu Gott zu gewinnen. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.


Anmerkungen:
[1] Mizanu-l-Hikma, Bd. 6, Hadith11935.
[2] Ebd., Bd. 228, Hadith 3162.
[3] Ebd., Hadith 3167.
[4] Ebd., Hadith 3156.
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