Itikaf - innere Zurückgezogenheit in der Moschee

 

„Und als Wir das Haus zu einem Ort der Einkehr für die Menschen machten sowie zu einer Sicherheit (sprachen Wir): ‚Nehmt euch die Stätte Abrahams zum Gebetsort.’ Und wir haben Abraham und Ismael auferlegt: ‚Reinigt Mein Haus für die es Umkreisenden und (sich dorthin) Zurückziehenden, die Sich-Verneigenden und Sich-Niederwerfenden.“

(Sure al-Baqara, Vers 125).

 

Im Islam wird jede Art von Mönchsleben und Flucht aus der Gesellschaft abgelehnt und nicht akzeptiert. Im Gegensatz zu manchen anderen Schulen sieht der Islam die Nähe zu Gott niemals im Widerspruch zu engen Beziehungen mit den Menschen und der Gesellschaft, sondern  er betont, dass einer der wichtigsten Aspekte in der Vervollkommnung und Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit und der Pflege seiner gesellschaftlichen Kontakte liegt.

 

Der Prophet des Islam (k) hat diejenigen, die sich der Arbeit und gesellschaftlicher Aktivitäten und Verantwortungen enthielten mit der Argumentation, sie seien mit dem Gebet und der Annäherung an Gott beschäftigt, sich selbst überlassen und darauf hingewiesen, dass er selbst als Prophet und Vorbild für die Gläubigen nicht so lebe, sondern Verbindung mit den Menschen habe, heirate und sich für das Leben bemühe und engagiere. Gleichermaßen betont der Islam die innere Läuterung und Reinigung des menschlichen Wesens von jeglicher Verschmutzung.

 

Aus islamischer Sicht basieren das positive und nützliche Engagement des Menschen in der Gesellschaft auf seiner Selbstentwicklung und inneren Reinigung von allen Schlechtigkeiten. Wenn der Mensch sich selbst vergisst und sich nicht kontinuierlich verbessert, wird er sich nicht nur in seinem individuellen und privaten Leben mit Problemen konfrontiert sehen, sondern auch im Umgang mit der Gesellschaft, und er kann seine Funktion als Mitglied der Gesellschaft auf keine positive und nützliche Weise wahrnehmen. Aus diesem Grund hat der Islam neben gesellschaftlichen Geboten auch Zeremonien vorgesehen, deren wichtigste Funktion die innere Reinigung des Menschen und die Verstärkung der Spiritualität im Menschen ist, und letztlich werden die Ergebnisse dieser positiven Eigenschaften des Menschen in der Gesellschaft reflektiert.

 

Es ist interessant, dass der Islam diese Vorschriften, die eigentlich das Individuum betreffen, oft als kollektive Anbetungen empfiehlt, und eine dieser Formen der Anbetung und Verehrung Gottes, die eine entscheidende positive und konstruktive Wirkung für den Menschen hat, indem er geläutert wird und seine innere spirituelle Kraft stärkt, ist IþtikÁf, die innere Zurückgezogenheit in der Moschee.

 

Einige wesentliche Aspekte von IþtikÁf

 

· Die Mindestzeit zum Praktizieren von IþtikÁf in der Moschee beträgt drei Tage.

· Die beste Zeit zum Praktizieren der inneren Zurückgezogenheit sind der 13., 14. und 15. Raºab, die als Tage der Helligkeit und des Lichtes bezeichnet werden.

· Die Monate Raºab, ÉaþbÁn und Rama±Án sind die besten Monate des Jahres, und der Rama±an ist der wertvollste von ihnen.

· IþtikÁf gibt dem Menschen die Möglichkeit, sich zu besinnen.

· IþtikÁf verstärkt die Verbindung des Menschen zu Gott, und mit der Hinwendung zur spirituellen Welt gelangt der Mensch zu neuen Erfahrungen.

 

 

Voraussetzungen und spezifische Rituale von IþtikÁf

 

Absicht

IþtikÁf ist eine Art der Anbetung. Alle Anbetungen können nur mit der Absicht, die Nähe Gottes erlangen zu wollen, praktiziert und akzeptiert werden. Deshalb soll auch zum Praktizieren der inneren Zurückgezogenheit die Absicht, Gottes Nähe zu erstreben, vorhanden sein.

 

Dauer des IþtikÁf

IþtikÁf beginnt mit dem Gebetsruf zum Morgengebet und endet mit dem Gebetsruf zum Abendgebet.

Die Mindestzeit zum Praktizieren von IþtikÁf sind drei Tage. D. h. ein oder zwei Tage sind für diese Art der Anbetung nicht ausreichend.

 

Ort

IþtikÁf kann nicht überall praktiziert werden, sondern nur an bestimmten Orten wie der Heiligen Moschee in Mekka, der Moschee des Propheten in Medina, der Moschee in Kufa, der Moschee in Basra und in jeder Hauptmoschee (Masºid ul-¹Ámiþ) eines jeden Ortes.

 

Hauptmoschee (Masºid ul-¹Ámiþ)

Hauptmoschee ist eine Moschee, in der sich alle Bürger und Bewohner der Stadt, ungeachtet ihrer Rechtsschule und Nationalität, versammeln.

 

Wie alt muss man sein, um IþtikÁf praktizieren zu können?

Jeder, der entscheidungsfähig ist, darf IþtikÁf praktizieren.

Wie wird IþtikÁf praktiziert?

 

1. Zu den wichtigsten Bedingungen des IþtikÁf gehört das Fasten. Ohne Fasten ist das Praktizieren von IþtikÁf nicht möglich. Derjenige, der IþtikÁf im Rama±Án praktiziert, kann pflichtgemäß fasten. Wenn IþtikÁf nicht im Rama±Án praktiziert wird, kann man mit der Absicht, Fasten nachzuholen, fasten.

2. Nach Ablauf von zwei Tagen ist der Muþtakaf (d. h. derjenige, der IþtikÁf praktiziert) verpflichtet, auch am dritten Tag zu fasten.

3. Wenn jemand ein Gelübde abgelegt hat, ist er verpflichtet, sich daran zu halten, es sei denn, er hat in seinem Gelübde vorgesehen, früher damit aufzuhören. In diesem Fall kann IþtikÁf vorzeitig beendet werden.

4. Eine der Bedingungen von IþtikÁf ist, dass man die Moschee nicht verlässt, es sei denn für eine Notwendigkeit, die erfüllt werden muss.

 

Anmerkung

 

1. Diejenigen, die aus anderen Städten nach Hamburg anreisen, können IþtikÁf nur praktizieren und fasten, wenn sie schon vorher ein Gelübde abgelegt haben, dass sie drei Tage lang fasten wollen.

2. Diejenigen, die nicht an drei Tagen IþtikÁf praktizieren können, können einen Tag IþtikÁf praktizieren und sich in der Moschee aufhalten.

 

 

Verbotene Handlungen, die IþtikÁf ungültig machen

 

1. Riechen eines Duftes.

2. Betreiben von Geschäften.

3. Selbstverherrlichung, Heuchelei.

4. Streiten oder diskutieren, um sich zu behaupten.

5. Beischlaf, intime Berührung.

6. Alle Handlungen, die auch Pilgern verboten sind.

7. Alle Handlungen, die auch während des Fastens verboten sind.

8. Die Moschee darf nicht verlassen werden.

9. Wenn IþtikÁf nach zwei Tagen ungültig wird, kann man IþtikÁf zu einem späteren Zeit-
punkt vollständig wiederholen

 

Der 13., 14. und 15. des Monats Raºab werden als ayÁm al-bay± bezeichnet, d. h. die Tage der Helligkeit und des Lichts. In diesen Tagen kann der Mensch durch Gebet und Fasten und die dafür vorgeschriebenen Zeremonien sein Wesen reinigen und erstrahlen lassen. Eine der am meisten empfohlenen und nützlichsten göttlichen Vorschriften für diese drei Tage ist IþtikÁf, (innere Zurückgezogenheit), das bestimmte Voraussetzungen hat. IþtikÁf hat an diesen drei Tagen besonderen Wert, und diejenigen, die IþtikÁf machen, können ein empfohlenes Gebet mit dem Namen Umm al-DÁwud-Zeremonie durchführen. Das ist ein Gebet, das ImÁm ¹aþfar aÈ-Æadiq eine muslimische Frau für die Beilegung ihrer Probleme gelehrt hat. Das vollständige Gebet ist in allen Gebetsbüchern wie z. B. in MafÁtͽ al-¹inÁn aufgeführt. Dieses Gebet ist kein notwendiger Bestandteil von IþtikÁf ist, d. h. die MuþtakefÍn können darauf verzichten wie gleichermaßen auch jeder, der nicht IþtikÁf praktiziert, diese religiöse Zeremonie praktizieren kann.

 

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