Allah rettet Isa (Jesus) vor seinen Feinden

Die Gelehrten waren so verärgert, dass sie sogar eine Zeitlang ihre Streitereien und Diskussionen vergaßen. Sie beratschlagten, wie sie Isa zum Schweigen bringen konnten. Endlich beschlossen sie, eine Reihe von falschen Anklagen gegen ihn zusammenzustellen. Sie gaben einigen bösen, gierigen Menschen viel Geld, damit diese als Zeugen ihre Aussagen bestätigen. Dann, so dachten sie, würde Isa sicher eingesperrt oder aus dem Lande verwiesen oder sogar getötet werden, und keiner würde mehr ihren Hochmut und ihre Heuchelei stören.


Sie machten sich sogleich daran, eine lange Liste von Anklagen zu schreiben. „Betrug" stand darauf und „Vorführung magischer Tricks", aber am wichtigsten erschienen ihnen die beiden Hauptanklagen.


Isa hatte gesagt: „Es gibt keine wirkliche Macht außer bei Allah!"

Der römische Kaiser aber behauptete, der mächtigste Mann der Welt zu sein. Darum schrieben sie: „Beleidigung des römischen Kaisers." Und weil sie gesehen hatten, dass eine riesige Menschenmenge Isa zuhörte und viele ihm glaubten und Allahs Geboten folgten, schrieben sie: „Verführung zum Volksaufstand." Sie erwarteten, dass sie mit diesen beiden Anklagen sowohl den Zorn ihres eigenes Königs als auch den des römischen Kaisers gegen Isa erregen könnten. Ihr eigener König würde Isa dann zum Tode verurteilen, und die Römer würden ihre Einwilligung geben. So reichten sie die Anklageschrift am königlichen Hof ein. Der König schickte sogleich eine Schar Soldaten aus, Isa zu suchen und zu verhaften. Sie brauchten nicht lange zu warten. Schon bald kam ein Spion der heuchlerischen Gelehrten gelaufen und berichtete: „Isa befindet sich mit seinen zwölf Schülern in einem Haus, das einsam in einem großen Garten liegt, und will die Nacht dort verbringen. Ich kann euch den Weg zeigen." Die Soldaten ergriffen ihre Waffen, denn es war ihnen gesagt worden, sie müßten einen gefährlichen Aufrührer fangen. Sie folgten dem Spion durch die abendliche Stadt. Bald erreichten sie den großen Garten und das Haus, in dem Isa und seine Schüler übernachten wollten.

Die zwölf Schüler schliefen schon tief und fest, denn sie waren von der langen, anstrengenden Wanderung der letzten Tage müde. Nur Isa war noch wach und betete. Allah hatte ihn wissen lassen, dass seine Feinde ihn suchten, und dass Er ihn retten würde. Als aus
dem Dunkel des Gartens das Waffengeklirr der Soldaten hörbar wurde, erschien ein Engel und trug Isa fort in ein sicheres Versteck in der unsichtbaren Welt.
Inzwischen erreichten die Soldaten das Haus, zogen ihre Schwerter und drangen durch Türen und Fenster in die Zimmer ein. Erschreckt fuhren Isas Schüler aus dem Schlaf. Sie versuchten, sich ohne Waffen zu wehren, sahen aber bald, dass es aussichtslos war, und flohen in die Nacht hinaus. Die Soldaten durchsuchten das ganze Haus, um Isa zu finden. Nun verhielt es sich aber so, dass der Spion, der die Soldaten hierhergeführt hatte, Isa äußerlich sehr ähnlich sah, und Allah vermehrte noch seine Ähnlichkeit. So geschah es, dass die Soldaten in der Finsternis der Nacht und der allgemeinen großen Verwirrung den Spion verhafteten, weil sie ihn für Isa hielten. Gefesselt schleppten sie ihn ins Gefängnis und stellten ihn am nächsten Tag vor Gericht, wo die falschen Anklagen vorgelesen wurde.

Vergeblich versuchte der Spion, sich zu verteidigen. „Ich bin doch gar nicht der, für den ihr mich haltet!" rief er immer wieder. Aber niemand hörte auf ihn. Er wurde wie erwartet zum Tode verurteilt, und der römische Statthalter gab die Erlaubnis, ihn hinzurichten. Am folgenden Tag wurde er gekreuzigt, wie es damals bei den Römern üblich war.

Die vielen Leute, die damals der Kreuzigung zusahen, erlagen alle der Täuschung, Isa sei gekreuzigt worden. Die Armen und die Gottesfürchtigen waren entsetzt und traurig. Die heuchlerischen Gelehrten waren zufrieden, denn sie meinten, sie hätten ihr Ziel erreicht. Wieder andere hatten ein schlechtes Gewissen. Sie nahmen den toten Mann, den sie für Isa hielten, vom Kreuz ab, wuschen ihn und begruben ihn mit großen Ehren. Allah ließ Isas Schüler und seine Mutter Maryam wissen, dass Isa lebte und in Sicherheit war.
Die heuchlerischen Gelehrten und ihre Helfer konnten sich nicht lange über ihren scheinbaren Erfolg freuen. Nicht viele Jahre später fanden die Römer einen Anlaß, Palästina zu erobern und zu einem Teil ihres Reiches zu machen. Sie zerstörten die Hauptstadt Jerusalem, machten den Tempel dem Erdboden gleich und raubten die Tempelschätze, die sie nach Rom schleppten.

Die Bani Israel wurden in alle Welt verstreut, teils als Flüchtlinge, teils als Sklaven, teils als Kaufleute. In den folgenden Jahrhunderten sollten viele von ihnen lernen, dass es keinen Grund gibt, sich hochmütig über andere Menschen stellen zu wollen.
Bis heute glauben viele Menschen, Isa sei gekreuzigt worden und gestorben. Diese Menschen nennt man Christen. Einige von ihnen folgen dem, was Isa gelehrt hat, und sind bescheidene, ehrliche Menschen. Aber viele haben Isas Worte vergessen und folgen ihren eigenen Ideen. Obwohl Isa arm war und die Menschen aufforderte, nicht an irdischen Schätzen zu hängen, streben sie nach Reichtum und Macht. Obwohl Isa sie gelehrt hat, den Menschen zu verzeihen und sie zu lieben, haben sie Kriege geführt, viele fremde Länder erobert und viele Völker unterdrückt. Und obwohl Isa ihnen gesagt hat, dass Allah nach ihm noch einen Gesandten schicken wird, wollen sie nicht auf den Propheten Muhammed hören. Statt dessen haben sie angefangen, von Isa Bilder anzufertigen und ihn anzubeten, indem sie behaupten, Isa sei Allah selbst oder doch wenigstens Sein Sohn! Allah ist erhaben über das, was sie von Ihm behaupten! Er ist allmächtig und lebt ewig und braucht weder einen Sohn noch einen Partner! Am Tag der Auferstehung wird Allah dereinst Seinen Gesandten Isa fragen: „O Isa, Maryams Sohn, hast du jemals zu den Menschen gesagt: .Betet außer Allah mich und meine Mutter an'?" Und Isa wird antworten: „Lob sei Dir! Nie hätte ich so etwas sagen können! Und hätte ich es jemals gesagt, dann wüßtest Du es, denn Du weißt, was in meinem Herzen ist, während ich nicht weiß, was in Deinem Herzen ist. Denn Du weißt alles, auch das, was wir verheimlichen. Niemals habe ich den Menschen etwas anderes gesagt, als was Du mir befohlen hast. Ich habe gesagt: .Dient Allah, meinem und eurem Herrn', und ich war ein Zeuge für sie, solange ich unter ihnen wohnte. Nachdem Du mich zu Dir geholt hast, hast Du über ihnen gewacht, und Du hast alle Dinge gesehen. Wenn Du die Menschen bestrafen willst sie sind Deine Diener.

Wenn Du ihnen vergibst Du bist der Mächtigste, der Weise." Allahs Friede sei mit Isa.

Und (denke der Zeit), da die Ungläubigen gegen dich Pläne schmiedeten, damit sie dich fangen oder dich töten oder dich vertreiben;
ja, sie schmiedeten Pläne, und GOTT schmiedete Pläne, und GOTT
ist der beste aller Planenden.
Sure 8, Vers 30

Allahs Gesandte an andere Völker

Von den Bani Israel haben wir nun viel gehört. Aber ihre Geschichte ist noch nicht zu Ende. Allah hatte die Bani Israel unter allen Völkern auserwählt, um der
Menschheit ein Zeichen zu setzen, damit alle daraus eine Lehre ziehen. Wie viele Gesandte hat Allah zu den Bani Israel geschickt, um sie zu ermahnen und zu erinnern, und wie oft hat Allah eine warnende Strafe über sie hereinbrechen lassen! Dennoch sind nur die wenigsten von ihnen treu Allahs Rechtleitung gefolgt. Die meisten haben Ihn sehr schnell vergessen und Seinen Geboten nicht gehorcht, um statt dessen ihren eigenen Launen zu folgen.

Allah hat ihnen oft verziehen und ihnen immer wieder Gelegenheit gegeben, sich zu besinnen und Gutes zu tun, aber die meisten von ihnen waren undankbar und achtlos.
Die Bani Israel sind wie ein Spiegel für die Menschheit. Wir sollen ihre Geschichte betrachten und daraus lernen, nicht die gleichen Fehler zu machen wie sie. Wir sollen darauf achten, dass wir nicht hochmütig, gierig, neidisch, selbstgerecht und undankbar werden, sondern auf Allah vertrauen. Seinem Gesandten gehorchen und Gutes tun. Allahs Strafe sollen wir fürchten, aber wir sollen auch nicht die Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit aufgeben.

Nachdem die Römer Jerusalem zerstört hatten, wurden die Bani Israel in alle Welt verstreut und unter alle Völker vermischt. Sie sind die Vorfahren der heutigen Juden. Unter ihnen gibt es gottesfürchtige Menschen, die neben Allah keine anderen Wesen anbeten, ehrlich und bescheiden sind und das einhalten, was von der Taurat übriggeblieben ist. Sie werden weder Furcht noch Trauer kennen. Aber es gibt unter ihnen auch viele, die nicht wirklich an Allah glauben, sondern an Macht und Reichtum. Sie bilden sich ein, immer noch Allahs auserwähltes Volk zu sein und sich darum anderen Völkern gegenüber hochmütig verhalten zu dürfen. Aber kein Mensch ist besser als der andere, es sei denn in seiner Liebe zu Allah.


Manche Juden behaupten auch, Allah hätte außer ihnen kein anderes Volk geliebt und nur zu ihnen Gesandte geschickt. Aber zur Zeit von Ibrahim gab es noch gar keine Bani Israel, und zur Zeit von Idris, Nuh und Adam gab es nicht einmal verschiedene Völker auf der Erde, sondern eine einzige Menschheit. Hud, Salih, Lut, Shuaib, Dhulkarnein und Luqman sind einige der Gesandten, die Allah zu anderen Völkern geschickt hat. In Wirklichkeit hat Allah zu allen Völkern der Welt Gesandte geschickt. Allahs letzter Gesandter, unser geliebter Prophet Muhammad, hat einmal gesagt, Allah habe im Laufe der Menschheitsgeschichte 124 000 Gesandte an die verschiedenen Völker geschickt. Kein Volk hat Allah jemals bestraft oder untergehen lassen, ohne es zuvor durch einen Gesandten zu warnen.
Allahs Gesandte waren vollkommene, aufrichtige Menschen. Sie kannten keine schlechten Gedanken, Worte oder Taten. Zu ihren Mitmenschen waren sie stets mitleidig, freundlich und hilfsbereit. Sie ertrugen mit Geduld alle Schwierigkeiten, welche die Völker ihnen bereiteten, und waren tapfer im Kampf auf Allahs Weg. Wenn sie arm waren, arbeiteten sie für ihren Lebensunterhalt und vertrauten auf niemanden außer Allah, aber wenn sie etwas be-

saßen, gaben sie großzügig den Armen. Sie führten ein bescheidenes Leben, selbst wenn sie Könige waren wie Suleiman, und waren Vorbilder für ihre Völker und die ganze Menschheit. Dennoch baten sie Allah täglich um Verzeihung.
Allahs Gesandte lebten und wirkten unter den Völkern verschiedener Erdteile. Es waren ihrer so viele, dass wir ihre Namen und ihre Lebensgeschichten nicht alle kennen können. Nur die bekanntesten von ihnen sind im Qur'an erwähnt, um den Menschen ihr Beispiel vor Augen zu führen.
Allahs Gesandte sprachen in verschiedenen Sprachen zu ihren je-
weiligen Völkern. Aber die Wahrheit, die sie brachten, ist für alle die gleiche: „Betet keine anderen Wesen außer Allah an und vertraut nur auf Ihn. Es gibt keine wirkliche Macht außer bei Ihm. Seid dankbar und bescheiden, betet und denkt oft an Allah, fastet und lebt nicht verschwenderisch, gebt von eurer Habe den Armen, seid freundlich und ehrlich zueinander, unterdrückt euch nicht gegenseitig, sondern helft einander, sucht Wissen und Weisheit, gehorcht Allahs Gesandten, verhaltet euch liebevoll gegen eure Eltern, befehlt das Gute und verbietet das Böse, fürchtet Allahs Strafe und hofft auf Seine Barmherzigkeit. Zu Ihm kehrt ihr dereinst zurück."
Manche Völker haben auf ihre Gesandten gehört. Aber die meisten wollten die Wahrheit nicht einsehen. Sie haben die Gesandten und die Gottesfürchtigen verspottet, beschimpft, verfolgt, gequält,
aus dem Land vertrieben und oft sogar getötet. Statt dessen haben
sie Götzen angebetet oder sind ihren Launen gefolgt. Sogar die Namen der Gesandten sind oft in Vergessenheit geraten, und die Menschen denken an Geld und Macht lieber als an Allah. Wir heutigen Menschen sind nicht anders. Wir sollen achtgeben, dass wir Allah und Seine Rechtleitung nicht vergessen und Seinem letzten Gesandten Muhammad treu nachfolgen.

Allahs Friede sei mit allen Seinen Gesandten.

 

 

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