Die Geschichte von Dhulkarnein

In einem anderen Teil der Erde schickte Allah Seinen Gesandten Dhulkarnein zu den Menschen und gab ihm den Auftrag, mit seinen Gefährten in die verschiedenen Himmelsrichtungen zu reisen und Rechtleitung und Gerechtigkeit unter den umliegenden Völkern zu verbreiten. Dhulkarnein „der Mann mit den zwei Hörnern", aber selbst die größten Gelehrten haben vergeblich versucht herauszufinden, warum er so heißt, und manchmal haben
sie ihn mit berühmten Königen oder mächtigen Feldherren verwechselt. Wahr ist nur, dass Allah ihn stark gemacht und ihm treue Gefährten gegeben hat, damit er seinen wichtigen Auftrag erfüllen konnte. Und Allah weiß es am besten.


Dhulkarnein und seine Gefährten brachen also auf und folgten einem Weg, der weit nach Westen führte. Die kleine Schar sah aus wie ein gewaltiges Heer mit einem mächtigen Befehlshaber. Bald erreichten sie das Ende des Weges an einem schlammigen See, hinter dem die Sonne unterging. Dort lebte ein fremdes Volk,
unter dem es gottesfürchtige, ehrliche und fleißige Menschen gab, aber auch gierige, unehrliche und hochmütige, die nicht auf Dhulkarneins Ermahnungen hören und Stattdessen ihre Landsleute dazu bringen wollten, ebenfalls hochmütig und gierig zu sein und Böses zu tun.


Allah sprach zu Dhulkarnein: „Du kannst dieses Volk bestrafen oder ihm Freundlichkeit erweisen, wie du es richtig findest." Dhulkarnein entgegnete: „Was diejenigen angeht, die Böses tun, so will ich sie bestrafen. Sie werden sich dann vor ihrem Herrn verantworten müssen, der ihnen noch schrecklichere Strafe zuteil werden läßt. Aber diejenigen, die auf Allah vertrauen und Gutes tun, sollen eine schöne Belohnung erhalten, und ich will ihnen einfache und leichte Aufträge erteilen. Nachdem Dhulkarnein auf diese Weise Gerechtigkeit geübt hatte, ließ er jenes Volk in Frieden zurück und reiste auf einem anderen Weg in den fernsten Osten. Dort fand er, dass die Sonne hinter einer endlosen Wüste aufging. Das Volk, das in jenem Land lebte, hatte keinerlei Schutz vor der glühenden Hitze und führte ein bescheidenes, karges Leben. Aber es war zufrieden mit dem, was Allah ihm zugeteilt hatte. Auch dieses Volk ließ Dhulkarnein in Frieden in seinem Land zurück.


Dhulkarnein und seine Gefährten folgten einer weiteren Straße. Bald gelangten sie in das „Land diesseits der zwei Berge", wo ein Volk wohnte, das eine merkwürdige fremde Sprache sprach. Es waren einfache, friedliche Menschen, aber sie lebten in ständiger Angst vor den zwei mächtigen Nachbarvölkern Jagug und Magug, die jenseits der zwei Berge wohnten und immer wieder in ihr Land eindrangen, um es zu verwüsten. Das Volk diesseits der zwei
Berge hielt Dhulkarnein für einen fremden König mit seinem Heer.


Die Anführer sprachen zu ihm: „Oh Dhulkarnein, Jagug und Magug bedrohen unser Land und richten großen Schaden auf der Erde an. Wir wollen uns dir unterwerfen und Tribut zahlen, wenn du uns nur vor ihren schrecklichen Angriffen sicher machst." Dhulkarnein erwiderte: „Was Allah mir gegeben hat, ist besser als euer Tribut. Aber wenn ihr alle zugreift und uns helft, will ich zwischen euch und den Angreifern einen starken Damm aufrichten. Bringt mir nur große Eisenstücke! Jeder beeilte sich, soviel Eisen heranzuschaffen, wie er finden
konnte. Zwischen den beiden Bergen wurde es aufgehäuft, bis es den ganzen Zwischenraum ausfüllte. Dann befahl Dhulkarnein, ein großes Feuer anzuzünden. „Blast es ordentlich an," sprach er, und sie bliesen mit Blasebälgen in das Feuer, bis es hell aufloderte und das ganze Eisen anfing zu glühen und zusammenzuschmelzen.


„Bringt mir nun geschmolzenes Blei, damit ich es darübergießen kann," befahl Dhulkarnein. So machte er einen eisernen Damm, den die schrecklichen Feinde weder übersteigen noch untergraben konnten. Froh darüber, dass die Gefahr für immer vorüber war, wollten die
Menschen Dhulkarnein danken und ihm Geschenke bringen.

Dhulkarnein aber sprach: „Dies ist für euch nichts als eine Barmherzigkeit von meinem Herrn. Wenn Allah eines Tages Sein Versprechen einlöst und über alle Menschen dieser Welt Gericht hält, wird selbst dieser eiserne Damm in Staub zerfallen. Allah macht Sein Versprechen wahr. An jenem Tag wird keine Festung oder Burg, die von Menschen hand erbaut wurde, stehenbleiben. Bollwerke und Grenzen werden hinweggefegt, und sogar die Gebirge werden auseinanderfliegen wie verstreute Watte. Dann wird die ganze Menschheit vor Allah versammelt. An diesem Tag wird jeder klar vor Augen sehen, dass es keine wirkliche Macht außer bei Allah gibt. Mancher wird sich dann wünschen, es schon in diesem Leben eingesehen zu haben.

Allahs Friede sei mit Dhulkarnein.

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