Davud wird König

Der König ließ Davud zu sich kommen und lobte ihn sehr. Er ließ den Jungen bei sich im Palast wohnen und behandelte ihn wie seinen eigenen Sohn.
So wuchs Davud zu einem großen starken Mann heran. Allah gab ihm nicht nur Lieder ein, sondern Er lehrte ihn, Eisen zu schmelzen und daraus Panzerhemden und Schilde zu machen, durch welche die Soldaten vor den Waffen der Feinde geschützt waren. Er offenbarte ihm Sein Gesetz und befahl ihm, Gerechtigkeit zu üben und die Menschen vor Willkürund Unterdrückung zu schützen. Er sollte sie auch ermahnen, an Allahs Offenbarung festzuhalten und auf Ihn allein zu vertrauen, denn das ist der beste Schutz in diesem Leben, und im nächsten Leben werden die Gottesfürchtigen weder Furcht noch Trauer kennen. Als Talut nach vielen Jahren alt wurde und starb, wurde Davud König der Bani Israel. Und er war König und Gesandter Allahs in einer Person. Während Davuds Herrschaft lebten die Bani Israel in Frieden mit ihren Nachbarvölkern und in Sicherheit vor ihren Feinden.

Davud sorgte dafür, dass es keine Götzenpriester, Diebe, Räuber, Mörder und Betrüger in Palästina gab, dass alle fleißig arbeiteten und sich gegenseitig halfen, so dass niemand Not zu leiden brauchte. Als Richter versöhnte er Streitende und war in allen Ländern für seine Gerechtigkeit berühmt.
Abends zog sich Davud in sein privates Zimmer zurück, um zu beten und die Schrift zu lesen. Da kamen eines Abends zwei Männer zu ihm, und nicht etwa durch die Tür, wie es sich gehört, denn da hätte sie sicher der Wächter zurückgeschickt, damit sie nicht zu so später Stunde noch den König stören. Nein, sie kletterten einfach über die Mauer. Davud erschrak, denn die beiden hätten ja Mörder oder Aufrührer sein können.


Die beiden Männer aber sprachen zu ihm: „Du brauchst keine Angst vor uns zu haben. Wir sind nur zwei Brüder, die miteinander in Streit geraten sind, und wir wollen, dass du zwischen uns entscheidest, ohne dass die ganze Öffentlichkeit davon erfährt, denn wir wissen, dass du gerecht bist und uns den rechten Weg zeigen kannst." Und der eine von ihnen trug den Grund für ihren Streit vor: „Mein Bruder hier hat neunundneunzig Schafe, und ich habe nur ein einziges Schaf. Dennoch verlangt er, ich soll mein Schaf ihm überlassen, und außerdem redet er mit mir, als ob ich sein Feind wäre und nicht sein Bruder."
„Das ist sicherlich ungerecht", erwiderte Davud, „er sollte nicht auch noch dein einziges Schaf haben wollen, wenn er schon selbst so viele hat. Viele Leute versuchen heutzutage, Vorteile von anderen zu haben, außer denen, die aufrichtig sind und nach Gerechtigkeit streben. Aber wie wenige sind das!"


Als er so gesprochen hatte, wußte Davud plötzlich, dass Allah die beiden Männer zu ihm geschickt hatte, um ihn zu prüfen und zu ermahnen. Denn hatte Allah ihm nicht so viel geschenkt? Einst war er ein einfacher Hirtenjunge gewesen, und jetzt war er ein König und ein Gesandter Allahs, und er war berühmt für seine Weisheit und Gerechtigkeit. Er war zufrieden mit dem, was Allah ihm gegeben hatte, und an jenem Abend sah er klar und deutlich, dass Allah ihn davor warnen wollte, durch seine Würde und Berühmtheit stolz und hochmütig zu werden und dadurch Allahs Weg zu verlassen, um den eigenen Launen zu folgen, denn dann wäre er ein ungerechter Tyrann geworden.

Davud hatte einen Sohn namens Suleiman. Der war schon als kleiner Junge so klug, dass er alle Erwachsenen im Land übertraf. Mit elf oder zwölf Jahren half er seinem Vater bei den Regierungsgeschäften, und alle wunderten sich, wieviel Weisheit Allah ihm gegeben hatte.
Einst kamen zwei Männer zu Davud und baten ihn um ein gerechtes Urteil in ihrem Streit. Der eine Mann besaß eine Herde Schafe, deren Wolle und Milch er verkaufte, und davon lebte er mit seiner Familie. Der andere besaß einen Acker, auf dem er Weizen gesät hatte. Eines Tages hatte der erste Mann auf seine Schafe nicht aufgepaßt, und sie waren auf den Weizenacker gelaufen und hatten alle jungen grünen Pflanzen aufgefressen. Der Besitzer des Ackers verlangte nun, dass der andere Mann den Schaden ersetzen sollte, aber dieser hatte überhaupt kein Geld, nur seine Schafe.


Davud sprach: „Der Besitzer der Schafe soll seine Tiere dem Besitzer des Ackers übergeben, damit der Schaden wiedergutgemacht wird."
„Aber nur für ein Jahr", fügte der junge Suleiman hinzu, „nicht für immer. Denn die Schafe haben ja auch nur die Ernte von einem Jahr aufgefressen, und im nächsten Jahr kann man den Acker aufs neue bestellen' Über diesen Richterspruch waren die beiden Männer sehr froh,
denn auf diese Weise wurde der Verlust ausgeglichen, ohne dass der Besitzer der Schafe zu hart bestraft wurde, und die beiden Männer waren in Zukunft gute Freunde. So wurde Suleiman schon als Kind berühmt für seine Weisheit, und als nach langen Jahren sein Vater Davud starb, wurde er an seiner Stelle König der Bani Israel.

Allahs Friede sei mit Davud.

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