Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Im Heiligen Qur’an und in den Überlieferungen werden für Glückseligkeit verschiedene Begriffe wie Erlösung[1], Heil[2], Erfolg[3] und Glück- und Gottseligkeit[4] benützt, und die wahre Glückseligkeit und Vervollkommnung liegen laut Qur’an in der Nähe zu Gott und in der Bemühung des Menschen, seine vorhandenen Kapazitäten und Talente vollständig umzusetzen. Erreicht der Mensch diesen Stand, werden ihm die höchsten und besten Genüsse zuteil, die mit materiellen Freuden nicht zu vergleichen sind. Für einen Menschen, der die Nähe zu Gott erfahren hat, erscheinen selbst die Freuden und Gaben des Paradieses klein.
Hätte ich am Tage der Auferstehung die Wahl, so würde ich den Geliebten wählen
und das Paradies und alles was darin ist, euch überlassen.
[5]
In meinem Wesen ist Platz für niemand anderen außer dem Geliebten.
So schenkt doch beide Welten dem Feind, mir genügt der Geliebte.
Ein solcher Zustand manifestiert die Namen und Eigenschaften des Herrn im Menschen, stillst seinen existenziellen Durst, lässt ihm die verborgenen Wahrheiten durch die Offenbarung erscheinen und vermittelt ihm direktes, nicht erworbenes Wissen. Auf dieser Stufe wird der Mensch erleuchtet und erkennt, dass alle Macht und alles Wissen von Gott kommt und jede menschliche Tugend nichts weiter ist als ein Strahl der unendlichen, göttlichen Tugend. So wird er sich selbst immer als Diener des erhabenen Gottes ansehen.
Selbstverständlich ist diese Nähe zu Gott weder zeitlich, örtlich, noch nominell, sondern sie ist existenziell und spirituell, stellt eine geistige, innere Wahrheit dar und ist dem menschlichen Wesen inhärent. Der Pfad zu Gott kennt kein Ende, und der Wanderer auf diesem Pfad wird niemals an einen Punkt gelangen, den er als letzte Stufe beschreiben könnte. Je näher er zu Gott kommt, desto mehr Stufen der Nähe findet er vor. Es ist der Gottesdiener, der die Nähe zu Gott suchen muss, denn Gott ist ihm tatsächlich näher als seine Schlagader. Der Mensch ist es, der die Schleier lüften und sich auf diesem geistigen Pfad Gott nähern muss. Im Grunde gesehen gibt es also keinen Abstand zwischen Gott und Mensch, und das Verstehen Tatsache und damit das Gefühl der Nähe zu Gott nehmen mit der Lauterkeit einer Seele zu. Solange aber dunkle Schleier das göttliche Licht vom Menschen abhalten, wird ihm die spirituelle Nähe zu Gott verwehrt und eine Distanz zwischen ihm und Gott verspürt werden. Darauf wies Imam Sadschad (a.s.) im Bittgebet des Abu-Hamza Somali hin:
„Und ich bin überzeugt, dass jemand, der sich Dir nähern will, keine weite Strecke zurückzulegen hat. Und ich bin sicher, dass Dein Antlitz nicht hinter Schleiern ist, sondern dass es diese Schandtaten Deiner Diener sind, die ihre Sicht verdecken.“
Jeder Mensch hat also seinen Lebensweg anhand dieser Deutung der Begriffe der Glückseligkeit und Vervollkommnung zu wählen, und sich von Dingen, die der Menschlichkeit nicht gebühren, fernzuhalten. Es gibt diesbezüglich ein schönes Zitat von dem herausragenden Gnostiker Azizuddin Nasafi: „Du sollst wissen, dass es einigen Menschen nicht bewusst ist, dass sie in dieser niederträchtigen Welt nur auf der Durchreise sind und eigentlich mit dem Ziel der Vervollkommnung dorthin geschickt wurden. Da sie das nicht wissen, befassen sie sich auch nicht mit ihrer Vervollkommnung. Sie wurden von ihrer Wollust und von ihrem Fortpflanzungstrieb irregeführt.“[6]
Auch Aristoteles sagte: „Der Pöbel hat sich für ein tierisches Leben des Vergnügens entschieden, und sich damit auf die niedrigsten Stufen der Versklavung und Gefangenschaft herabgelassen.“[7]Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.

Anmerkungen:
[1] Fauz (فوز)
[2] Falah (فلاح)
[3] Najah (نجاح)
[4] Sa`adat (سعادت)
[5] Schariari Tabrisi, Diwan.
[6] Azizuddin Nasafi, Der vollkommene Mensch, S. 112.
[7] Tugendhaftes Verhalten, ma khos alif, 1096.
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