Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Um die richtige Definition von Glückseligkeit zu finden, muss man sich an die Offenbarung wenden, denn der gepriesene Herr hat darin die Bedürfnisse, Wünsche, Kapazitäten und die das wahre Leben betreffenden Anweisungen offenbart, damit der von Verstand und Offenbarung geleitete Mensch nicht auf Irrwege gerät. Die Mittel dazu wurden dem Menschen in die Natur gelegt, und es wurden auch Wegweiser für ihn bestimmt. So hat der Mensch keine Ausrede mehr, sollte er trotzdem auf Irrwege kommen. Würde er auf dem Pfad wandern, den der erhabene Herr für ihn vorgesehen hat, würde er entsprechend seiner Kapazitäten die Vervollkommnung und Glückseligkeit finden. Diese Diskussion bedarf einer religiösen Sichtweise. Das Thema der Glückseligkeit wurde von verschiedenen Wissenschaften behandelt; in der islamischen Ethik z.B. wird das Maß, also die Mäßigung der inneren Triebe, als Glückseligkeit angesehen. Der Mensch ist also glückselig, wenn er seine inneren Triebe wie Zorn, Begierde, Einbildungskraft usw. mäßigt. Ghazzali schrieb in seinem Elixier der Glückseligkeit: „Die endgültige Vervollkommnung und das höchste Glück für jeden Menschen liegen in der Mäßigung all seiner Eigenschaften und Taten.“[1] Eine ausführliche Diskussion dieses Themas findet man in der relevanten Literatur; hier wird die Glückseligkeit aufgrund ihrer Bedeutung thematisiert, aus zeitlichen Gründen jedoch nur begrenzt.
Auch in philosophischen Diskussionen war Glückseligkeit immer ein Thema. Große Philosophen befassten sich ausführlich damit in ihren Werken, doch die meisten ließen bei ihren Anführungen und Definitionen die Wahrheit der Geschöpfe außer Acht. Mulla Sadra schrieb in seinem wichtigsten Werk über die Glückseligkeit und befasste sich mit ihren Arten (sinnlich, imaginär und vernünftig[2]) und ihrer wahren Definition. Er ist der Überzeugung, dass die vollkommene Glückseligkeit eines jeden Geschöpfs in seiner endgültigen Vervollkommnung liegt. Auch in den Werken vieler anderer Philosophen findet man diesbezügliche Diskussionen.[3]
Die Glückseligkeit wurde auch in gnostischen Diskussionen thematisiert. Die Gnostiker definierten die direkte Schau Gottes, das Eintreten in die Welt der göttlichen Eigenschaften und Namen (¹abarÚt)[4], den göttlichen Anblick und das Entwerden in Gott als letzte menschliche Glückseligkeit.[5] Die Vorstellungen von Philosophen und Gnostikern scheinen zwar unterschiedlich zu sein, sind es aber nicht wirklich, wenn man sie genauer betrachtet. Was die Philosophen den Zustand des intellectus adeptus nennen, ist nur durch die Abstraktion von der Materie und die Nähe zu Gott erreichbar. So sind „die erworbene Vernunft“, „die Nähe zu Gott“ und „die Abstraktion von der Materie“ interdependent und nicht gänzlich voneinander zu trennen. Es ist derselbe Zustand, der vom Gnostiker als „Schau Gottes und Entwerden in Ihm“ bezeichnet wird.
Die religiösen Lehren des Heiligen Qur’an und der Überlieferungen haben zweifelsohne einen erheblichen Einfluss auf die gnostischen und philosophischen Ansichten ausgeübt, der in der einschlägigen Literatur eingehend diskutiert wurde. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.


Anmerkungen:
[1] Mulla Ahmad Naraqi, Miþrag as-sa`adah, S. 84.
[3] Mulla Sadra, Al Hikma al muta`aliya, S. 1f.; Al schawahid al rububia fi al manahidj al sulukia, S. 298; Scheich Israq, Gesamtwerk, Band 3, S. 49; Farabi, Ara’ Ahl Almadina Alfadhila und Mabadi Alfalsafa Alqadima; Ibn Sina, Al-ischarat wat tanbihat, Band 3; Alnaht Althamin, Gesamtwerk Schahid Mutahari, Band 7, Die Lehren der siebten Methode.
[4] Ein Zustand, in dem die Wahrheiten der Welt dem Gnostiker offenbart werden, und der nicht erreicht werden kann, bis man auf die irdischen Belange, ja sogar auf die jenseitigen Belange verzichtet.
[5] Seyed Sadeq Gouharin, Erläuterung der Begriffe des Sufismus, Band 1, Begriff: „Vollkommener Mensch“, Band 6 unter dem Begriff: „Glückseligkeit“ und Band 19 unter dem Begriff: „Vervollkommnung“; Asisuddin Nasafi, Al insan al kamil, S. 93-95
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