Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
In den vergangenen Ansprachen haben wir von Denkweisen wie Eskapismus und Vergnügungssucht gesprochen und ihre Widersprüchlichkeit aufgezeigt. Wir haben ferner festgestellt, dass diese beiden Denkweisen mit dem Egoismus als Grundlage auch eine Gemeinsamkeit aufweisen. Egoismus und Geltungssucht können insofern zu Eskapismus verleiten, als ein Individuum die Wurzel seiner Probleme in den irdischen Angelegenheiten sieht, woraus er folgert, dass er all seine irdischen Probleme lösen kann, indem er sich von dieser Welt zurückzieht. Der Mensch übersieht jedoch die Tatsache, dass man nicht zwingend süchtig nach dieser Welt ist, wenn man sich nicht von ihr zurückzieht. Man soll alle Möglichkeiten, Talente und Kapazitäten in dieser Welt nützen, ohne ihren Reizen zu verfallen, um die Glückseligkeit im irdischen Dasein zu erlangen und sich auch die ewige jenseitige Glückseligkeit zu sichern. Es ist der Egoismus, der den Menschen zum Opfer der Vergnügungssucht macht, so dass er seine Glückseligkeit im irdischen Vergnügen sieht. Eine sehr oberflächliche Ansicht reduziert die Definition von Vergnügen auf das Materielle und Vergängliche, lässt den Menschen sinken und beraubt ihn seiner besonderen Stellung in der Schöpfung.
Diesen egoistischen Denkschulen stehen diejenigen Denkschulen gegenüber, die den Altruismus als Grundlage der Glückseligkeit erachten. Auguste Comte gilt als Mitbegründer dieser Denkweise. Er war davon überzeugt, dass die Glückseligkeit in ihrer erhabensten und bedeutsamsten Form in der Nächstenliebe zu finden ist, also im Wohle der menschlichen Gesellschaft. Demnach ist derjenige Mensch glückselig, der das Wohl der anderen seinem eigenen Wohl überordnet. Wie alle anderen Philosophien, die nicht auf der Grundlage der Offenbarung entwickelt wurden, ist auch diese Denkweise irreführend und lässt die Menschen in ihrem Tun das gesunde Maß vernachlässigen. Sicherlich kann man hinsichtlich der menschlichen Angelegenheiten keine sinnvollen, korrekten und umfassenden Antworten finden, wenn man nicht auf die Offenbarung zurückgreift. Manche der entstandenen Theorien waren leider so fern der Realität, dass sie der menschlichen Gesellschaft erheblichen Schaden zufügten, wie z. B. die Ansicht, dass alles, was durch Macht und nicht aus Angst oder Unterwerfung erlangt wird, oder alles, was dem Menschen mehr Macht verleiht, Vervollkommnung und Glückseligkeit mit sich bringt. Nach dieser Ansicht ist Macht nichts anderes als Überlegenheit, und jemand, dem diese Macht verwehrt bleibt, wird als schwach abgestempelt und zur Armut verurteilt. Viele Probleme der heutigen Menschheit entstehen dadurch, dass eine Gruppe von Menschen diese Ansicht vertritt und eine Vielzahl anderer Menschen zu seinen Opfern macht. Dies gehört zu den Dingen, mit denen sich die heutigen Denker und weitsichtigen Individuen genauer befassen sollten.
Fast jede Philosophie, die ohne Bezug auf die Offenbarung entwickelt wurde, weist Fehler sowohl in ihren Gedankengängen als auch in ihrer Praxis auf. Der Existenzialismus erachtet den menschlichen Willen und seine Freiheit als höchste Form der Glückseligkeit, und zwar ohne dieser Kapazität eine Richtung zu verleihen. Die menschliche Freiheit kann nicht als Wert betrachtet werden, wenn sie nicht seiner Vervollkommnung dient. Auch dieses Instrument muss, wie alle anderen Möglichkeiten, die Gott dem Menschen gewährt hat, zur Erlangung der Wahrheit genutzt werden, bevor ihr irgendein Wert zugeschrieben werden kann.
Viele dieser Theorien führten dazu, dass die Definition der Glückseligkeit und auch die Wahrheit mit der Zeit zu einem Traum wurden und ihre wahre Bedeutung in Vergessenheit geriet. Sie wurde zu einem komplexen unverständlichen Begriff: „Die Suche nach dem Glück ist ein Traum, der verblasst und im Sterben begriffen ist.“[1]Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch. Viele Probleme der menschlichen Gesellschaft scheinen durch den Konsumdrang zu entstehen. Der Konsum ist in der Gesellschaft zum Maß der Glückseligkeit geworden. Wer mehr konsumiert, ist auch glückseliger. Dieses „Maß“ der Glückseligkeit wurde in die Gesellschaft eingeführt, ohne die Menschheit und ihre Wahrheit zu beachten, wodurch auch die Definition des Menschen unter solchen Konflikten und Wertvorstellungen leiden musste, da jeder Mensch und jede Gruppe eine eigene Definition des Menschen lieferte. Diese Konflikte können nur dann beseitigt werden, wenn man sich auf die unveränderten göttlichen Schriften bezieht und sie durchsucht. Darin findet man die richtige Selbstkenntnis und auf dieser Grundlage auch den korrekten Lebensweg und den Pfad zur Glückseligkeit.


[1] Jean-François Lyotard
Zugriffe: 1198