Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Wie in der letzten Ansprache bereits erwähnt wurde, gründen die areligiösen Denkschulen ihre Definition von der Glückseligkeit auf Eskapismus. Der Islam lehnt diesen Ansatz entschieden ab. Diesen areligiösen Denkschulen gegenüber steht die Vergnügungssucht, die besagt, dass der Mensch aufgrund seiner Veranlagung den Genuss sucht und nach diesem streben sollte. Je mehr er genießt, desto glückseliger ist er dieser Ansicht nach. Menschen wie Aristoteles haben diese Ansicht übertrieben, indem sie meinten, der vorübergehende Genuss sei der Maßstab der Glückseligkeit und man müsse bemüht sein, im Leben den größtmöglichen Genuss zu erzielen. Aus diesen Ansichten geht eine rein materielle Definition von Genuss hervor, die mit Vernunft und vernünftiger Wahrnehmung nichts zu tun hat.
Zur weiteren Erläuterung derartiger Denkweisen soll daran erinnert werden, dass manche ihrer Vertreter versuchten, Maßstäbe für den Genuss festzulegen. Epikur vertrat die Ansicht, dass der Verstand den Genuss zu wählen hat, und dass der Genuss, der den anderen Genüssen am wenigsten widerspricht oder am mühelosesten zu erreichen ist, zur Glückseligkeit führt. Jeremy Bentham und John Stuart Mill befürworten als Anhänger des Utilitarismus die Genusssucht mit dem Unterschied, dass sie den Maßstab der Glückseligkeit (welche ihrer Ansicht nach ebenfalls aus dem Genuss abgeleitet wird) am allgemeinen Wohl festmachen. Sie kritisierten andere Anhänger dieser Denkweise darin, dass sie nur an den persönlichen Genuss dachten und die Gesellschaft nicht weiter beachteten, obwohl der Genuss, der der Gesellschaft zu Teil wird, letztendlich auch dem Individuum zu Gute kommt.
Bei der Kritik dieser Denkweisen sollte man beachten, dass Genuss und Glückseligkeit sehr wohl miteinander in Verbindung stehen. Diejenigen, die wahre Glückseligkeit erlangen, erleben zweifelsohne einen gewissen Genuss, wenngleich nicht jeder Genuss zur Glückseligkeit führt. Der Mensch könnte Genüsse anstreben, die ihm zu einem späteren Zeitpunkt großes Unheil bringen, und die er im Endeffekt bereuen wird. Manchmal lassen Menschen auch Schmerzen und Leiden über sich ergehen, um sich späterer folgender Genüsse erfreuen zu können. Es ist also wichtig, zwischen verschiedenen Genüssen zu unterscheiden und sie von wahrer Glückseligkeit abzugrenzen. Materielle und imaginäre Genüsse unterscheiden sich von rationalen und intuitiven Genüssen und sollten überdies entsprechend den Kapazitäten der verschiedenen Wesen bewertet werden; selbstverständlich sind rationale und intuitive Genüsse materiellen und vergänglichen Freuden übergeordnet und zählen zu den wahrhaftigen Aspekten des menschlichen Lebens. Diese wahrhaftigen Genüsse sind ein eigenes Kapitel, welches zu einem geeigneten Zeitpunkt ausführlich erläutert werden muss.
Des Weiteren sollte erwähnt werden, dass es keinen Konsens hinsichtlich des Maßstabes für Genuss gibt. Manche waren der Meinung dass es auf den persönlichen Genuss ankommt, während andere dem Wohlergehen der Gesellschaft Priorität beimaßen. Das Problem dabei ist, dass man sich bei der Bestimmung eines Maßstabes für Genuss nicht auf solche Aspekte beschränken darf; es gab kuriose Sichtweisen, die den Menschen auf ein Tier reduzierten und ihn glauben ließen, momentane und vorübergehende individuelle Genüsse seien für die Glückseligkeit ausschlaggebend. Diese Sichtweisen führten dazu, dass die Menschen die wahrhaftigen, spirituellen, tiefempfundenen und beständigen Genüsse vernachlässigten.
Allerdings sollte man zwischen zwei Auffassungen unterscheiden, nämlich ob die Glückseligkeit überhaupt aus Genuss besteht, oder ob der Genuss vielmehr eine Kausalität der Glückseligkeit ist. In den religiösen Lehren wird darauf hingewiesen, dass der Genuss eine Begleiterscheinung oder sogar ein Anzeichen der Glückseligkeit ist. In Diskussionen, die die Gottesdienerschaft betreffen, wird eine Stufe angedeutet, auf der der Mensch Gott als anbetungswürdig erachtet und es liebt, Ihm zu dienen. Er dient dem erhabenen Herrn also aus Liebe zu ihm, und nicht etwa, weil er sich eine Belohnung erhofft. Hafis schrieb darüber:
Freimütig spreche ich und erfreue mich meiner Worte;
der Liebe diene ich und bin von beiden Welten befreit.
Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.
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