Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Die Glückseligkeit wurde auf verschiedenste Weisen definiert, und für ihre Bewertung gibt es allgemein zwei Ansätze: den religiösen und den areligiösen Ansatz. Im areligiösen Rahmen ist diese Diskussion insofern interessant, als das Streben nach Glückseligkeit zu den grundlegenden menschlichen Eigenschaften gehört. Alle Menschen suchen sie auf irgendeine Art, und jeder einzelne Mensch ist davon überzeugt, dass das, was er anstrebt, für ihn seine endgültige Glückseligkeit und Vervollkommnung bedeutet. Der nichtgöttliche Mensch unterscheidet sich hierbei vom göttlichen darin, dass er seine Glückseligkeit in dieser Welt sucht. Mit seiner naturbezogenen Ansicht versucht er, die Wahrheit der Glückseligkeit in einem beschränkten, materiellen Rahmen unterzubringen, und seine natürlichen Bedürfnisse zu befriedigen, ohne zu wissen, dass man mit dieser Ansicht weder den Menschen definieren, noch seine wahren Bedürfnisse erfüllen kann. Diese begrenzte, materielle Ansicht kann den Menschen nicht zur Glückseligkeit leiten.
Diejenigen, die nicht an die Offenbarung glaubten, gründeten unterschiedliche Denkschulen. Eine dieser Denkschulen definiert die Glückseligkeit auf der Grundlage des Eskapismus und glaubt, der Mensch könne sein endgültiges Ziel in seinem Frieden und seiner Befreiung vom Kummer dieser Welt finden. Da die Neigung zu dieser Welt viel Unruhe und Leid mit sich bringt, sehen viele ihre Glückseligkeit darin, sich von dieser Welt und ihren materiellen Genüssen fernzuhalten. Beispiele für derartige Ideologien sind im Osten der Hinduismus, der Buddhismus und chinesische Ideologien, und im Westen der Zynismus oder der Stoizismus. Schopenhauer hatte der Welt und dem Leben gegenüber eine sehr negative Ansicht und sagte: „Das größte, vernünftige und greifbare Glück liegt im vollständigen Beenden des Lebens.“[1]
Der Pessimismus unterscheidet sich selbstverständlich vom Defätismus, doch in vielen Fällen führt gerade der Pessimismus zu Nihilismus und Defätismus.[2] Aus der Sicht vieler, auf dem Eskapismus basierenden Denkweisen, ist die Loslösung von der Welt und vom Leben völlig natürlich. Manche glauben sogar, dass der Mensch, wenn er in vollkommener Freiheit leben will, wie ein Hund leben muss. Von den Zynikern, die zu der berühmtesten Denkschule des antiken Griechenlands gehören, wurde überliefert, dass man sich vom Leben und von jeder irdischen Bindung zu trennen habe; selbst Dinge wie Kleidung, Hygiene und Sauberkeit seien zu vernachlässigen. Der Stoizismus vertritt ähnliche Ansichten, ist dabei aber etwas gemäßigter.
Die Überzeugungen solcher Denkschulen unterscheiden sich von Askese und der Freiheit von irdischen Bindungen. Der Islam basiert nicht auf Eskapismus, sondern besagt, dass man während des irdischen Lebens die irdische Glückseligkeit zu finden hat, indem man sich bemüht, glaubt und Gutes tut, und dass diese irdische Glückseligkeit zur jenseitigen Glückseligkeit führt. Der Islam hat nie vorgeschrieben, sich aus der Welt zurückzuziehen. Man kann sich für sich selbst und seine Familie ein würdiges Leben einrichten und die Schönheiten dieser Welt nach Bedarf genießen, doch man sollte sich nicht allzu sehr an sie binden, denn laut islamischer Lehre ist das irdische Leben nur eine Einführung ins ewige, jenseitige Leben. Die Askese, zu der der Islam rät, ist eine innere, die Seele betreffende Entsagung. Man läutert die Seele durch Übung und spürt keine große Freude, wenn man etwas Irdisches gewinnt, leidet aber auch nicht, wenn etwas Irdisches verloren geht. Ein solcher Mensch zählt dies alles zu den göttlichen Prüfungen, die er zu bestehen hat. Wichtig ist dabei, dass allem der ihm angemessene Platz gebührt und folglich pessimistische und extremistische Ansichten keinen Platz haben. An dieser Stelle sei auf den folgenden Qur’anvers verwiesen, in dem von der Enthaltsamkeit die Rede ist.
„Auf dass ihr euch nicht betrübt um das, was euch entging, noch euch überhebt über das, was Er euch gegeben hat...“[3]
Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.


Anmerkungen:
[1] Lawrence C. Becker, Die Geschichte der westlichen Ethik.
[2] S. Abdullah Nasri, Die Philosophie der Schöpfung, S. 75 – 220.
[3] Sure al-¼adid, Vers 23.
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