Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Die erworbene Menschenwürde
In den bisherigen Ansprachen wurde erwähnt, dass die inhärente Würde des Menschen auf die Beschaffenheit seiner Schöpfung, die menschliche Art im Allgemeinen und in Wahrheit auf das Vermögen zurückzuführen ist, dass Gott, der Erhabene, ihm zur Verfügung gestellt hat. Der Mensch sollte die göttlichen Gaben entsprechend wahrnehmen und sie fortwährend pflegen und zu wahren Schätzen werden lassen.
In die Kategorie der erworbenen Würde entfallen jene Tugenden, die mittels Glauben und guten Taten erworben werden und mit den Bemühungen, der Opferbereitschaft, den Wertvorstellungen und der Nähe zum Schöpfer des einzelnen Menschen zusammenhängen. Da diese Tugenden den (richtigen) Entscheidungen entspringen, die der Mensch trifft, können sie als Kriterium der Überlegenheit mancher Menschen über andere angesehen werden: Wer sich mehr Tugenden aneignet, wird von Gott als tugendhafter und wertvoller angesehen. Manche Qur’anverse haben den Pfad zum Erlangen dieser Tugenden beleuchtet, indem sie festlegen, dass der gottesfürchtigere Mensch der würdigere ist:
„Wahrlich, der Angesehenste von euch ist vor Gott derjenige,
der unter euch der Gottesfürchtigste ist.“[1]
Eigentlich lassen sich alle Bewertungen, Analysen und Beobachtungen in diese Aussage einordnen; wenn der Mensch nämlich keine Tugenden besitzt, die ihn prägenden Dinge außer Acht lässt und sich billig verkauft, gleicht er den Vierbeinern oder er gilt als noch weiter in die Irre gegangen. Einen solchen Menschen bezeichnet der Heilige Qur’an als „übelstes Lebewesen“[2], der sich am Tag der Auferstehung wünschen wird, er wäre Staub.[3] So weist der Qur’an auf unterschiedliche Arten darauf hin, dass der Mensch das ihm von Gott gegebene Vermögen zu nützen hat, weil er andernfalls Schaden davontragen wird. Qur’anverse, die sich damit befassen, erwähnen den Glauben und gute Taten als Rettung vor Schaden:
„Wahrlich, der Mensch ist in einem Zustande des Verlusts,
außer denen, die glauben und gute Werke tun…“[4]
Der Heilige Qur’an erwähnt auch die Beachtung des Gebets als Mittel zur Erlösung von Unheil wie Gier und Wollust:
„Wahrlich, der Mensch ist aus Ungeduld geschaffen...ausgenommen sind die Betenden.“[5]
Den die erworbene Menschenwürde betreffenden Qur’anversen kann entnommen werden, dass eine Stufe, die man mittels Mühe, Anstrengung, Glauben und guten Taten erlangt, eine wahrhaftige Stufe ist und kein nomineller Rang oder Titel, d. h. dass ist nichts, was im Rahmen eines gesellschaftlichen Vertrags bestimmt worden wäre, und es handelt sich hierbei nicht um einen von Weisen und Denkern erdachten Titel. Was der Mensch sich aneignet, ist auf seine Wahrheit zurückzuführen; es wird ihm nicht erst gegeben und kann ihm nicht genommen werden. Er erlangt diese Stufen, indem er glaubt und sich an wahren Werten orientiert. Er wird am Tag der Auferstehung von dem empfangen, was er sich durch seine eigene Mühe erworben und was ihm niemals von der Seite weichen wird. Diejenigen, die sich in ihrem irdischen Leben mit Blasphemie, Vielgötterei und Zerwürfnis abgegeben haben, werden am Tag der Auferstehung mit diesen Dingen vereint sein und versuchen, sich davon zu distanzieren. Ihre Bemühungen werden aber vergeblich sein, denn sie haben sich durch ihre eigenen Entscheidungen selbst auf einen Pfad begeben, der sie von der Menschlichkeit und Spiritualität entfernt, ihre in ihrem Wesen liegenden Kapazitäten durch Niederträchtigkeiten verschleudert und sie letztlich mit leeren Händen dastehen lässt.
Kurzum sollte man all seine Möglichkeiten, Talente und Kapazitäten bis zuletzt nützen, um sich Menschenwürde zu erwerben. Er sollte glauben, seinen Glauben im Denken und Handeln manifestieren und Gutes verrichten, und somit sein Kapital nützen und wirklich Würde erlangen. Aus diesem Grund hat Sich Gott in den ersten Qur’anversen dem Propheten als Erhabenster vorgestellt:
„Lies! Dein Herr ist der Erhabenste.“[6]
Bei dem erhabensten Herrn lernt man wahre Erhabenheit und findet den für die menschliche Würde vorgesehenen Pfad. Da der Mensch auf diesem Pfad auch auf eine Anleitung angewiesen ist, wurde ein Buch herab gesandt, dass ihn die Würde erlangen lässt, und aus dem Grund wird der Heilige Qur’an auch der „Erhabene“ genannt. Der auserwählte Prophet (s.a.s.) ist im Besitz dieser Tugend und übermittelt mit edlen Worten die Einladung des Herrn zur Würde. Die Wesen der Engelswelt sind als Botschafter der göttlichen Gnade erhaben und gelten als Teil der göttlichen Freigiebigkeit, die dem Menschen zuteil wird, damit er die ihm gebührende Würde erlangen und den göttlichen Aufruf beantworten kann. Diesem Aufruf können selbstverständlich nur diejenigen Folge leisten, die über eine erhabene und edelmütige Geistesart verfügen, die wiederum nur mittels eines gesundes Herzens und einer reinen Seele erlangt werden kann. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.


Anmerkungen:
[1] Sure al-Hujurat, Vers 13.
[2] Sure al-Anfal, Vers 22.
[3] Sure an-Naba’, Vers 40.
[4] Sure al-Asr, Verse 2-3.
[5] Sure al-Ma`arij; Verse 19-22.
[6] Sure al-Alaq, Vers 3.
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